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Opeth
"Der Urlaub fällt nächstes Jahr aus!", Interview

Wenn Bands bereits seit Monaten "on the road" sind, hat man immer die Befürchtung, dass Musiker der ständigen Interviews überdrüssig sind.

Nicht so Martin Axenrot, der sich geduldig, charmant und auskunftsfreudig den Fragen von HOOKED ON MUSIC stellte.

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Hooked on Music: Hallo Martin, ihr tourt jetzt schon ein paar Monate mit dem neuen Album im Gepäck. Wie läuft es denn bis jetzt ?

Martin "Axe" Axenrot: Bisher läuft es wirklich gut. Viele Shows waren ausverkauft. Die Tournee begann in London und zuletzt waren wir in Südeuropa, Österreich und schließlich Deutschland unterwegs. Es lief irgendwie überall toll, insbesondere hier in Deutschland.

HoM: "Watershed" wurde ja von allen Seiten mit Lob überschüttet. Wieviele Songs hören wir denn heute abend von der neuen Platte ?

M.A.: Heute abend dürften es zwei sein. Wir versuchen immer, bei den Konzerten möglichst viele Alben abzudecken. Viele Leute sind natürlich hauptsächlich auf die aktuellen Songs neugierig, aber man muss auch denen gerecht werden, die die alten Sachen hören wollen. Außerdem sind unsere Songs ziemlich lang, so dass wir in 1 1/2 Stunden sowieso nur 9 Stücke spielen können.

HoM: Wie läuft bei euch denn der Prozess der Schreibens, Probens und letztendlich des Produzierens ? Ich denke, Mikael wird wohl den Hauptanteil der musikalischen Ideen liefern.

M.A.: Meistens produziert Mikael Demos vor und erklärt, in welche Richtung die entsprechenden Songs in etwa gehen sollen. Dann verschanzen wir uns im Übungsraum. Ich glaube, vor der Aufnahme von "Watershed" haben wir rund einen Monat geprobt ...

HoM: ... was eigentlich nicht so lange ist, wenn man das Ergebnis im Nachhinein sieht ...

M.A.: Ja, stimmt eigentlich. Im Proberaum versucht jeder von uns Fünfen dann, seinen eigenen Stil in das einfließen zu lassen, was auf dem Demo ist. Die meisten der Drumtracks sind also mein Beitrag zur Musik. Es kann aber manchmal auch sein, dass Mikael für die Drums eine spezielle Idee hat, die ich dann versuche umzusetzen. Aufgenommen haben wir "Watershed" schließlich in ca. fünf Wochen.

HoM: OPETH wurden anfangs in die Death-Metal-Schublade gepackt, aber euer Musikstil hat sich in den letzten Jahren stetig geändert. Wir würdest du den Stil von OPETH beschreiben ? Viele sehen in euch inzwischen eine Progressive-Death-Metal- Band.

M.A.: Ich weiß nicht, ob der Begriff Progressive es wirklich trifft. Klar, unsere Songs sind lang, was einen Vergleich naheliegend macht. Aber eigentlich würde ich sagen, dass es eine Mischung von alledem ist, was wir selbst an Musik gerne hören: Death Metal natürlich, aber auch 70er-Rock ... und mit Burdon haben wir selbst derzeit sogar eine waschechte Rockballade im Gepäck.
Eigentlich sind wir ganz froh, dass wir nicht auf eine spezielle Schublade reduziert werden und uns dementsprechend auch mal Experimente leisten können.

HoM: Apropos Experimente ... Burdon habt ihr ja gerade vor zwei Wochen als Video und EP ausgekoppelt und der Song ist meiner Meinung nach das Paradebeispiel für euren weiten musikalischen Horizont. Verärgert ihr damit aber nicht die Fans der ersten Stunde oder haben die sich über Jahre Stück für Stück mit euch weiterentwickelt ?

M.A.: Auf jeden Fall sieht unsere Fangemeinschaft heute anders aus als noch zu Zeiten des ersten oder zweiten Albums. Heute sind wir eine andere Band mit einem anderen Stil und außerdem haben ja auch in all den Jahren viele verschiedene Musiker bei OPETH gespielt, was natürlich auch Veränderung bedeutet. Unser Ziel ist eigentlich, uns immer weiter zu entwickeln und als Musiker zu wachsen.
Wenn man quasi immer und immer wieder dieselbe Platte aufnehmen würde, dann wäre das spätestens nach 10 Jahren der Tod für eine Band ...

HoM: ... außer für MOTÖRHEAD, AC/DC und SLAYER vielleicht ...

M.A.: ... ha ha, stimmt ! Obwohl ich alle diese Bands gerne höre ... RUNNING WILD wäre vielleicht auch noch so ein Beispiel.
Für uns ist es immer gut, wenn neue Fans dazukommen. Wenn sie dann zu den Shows kommen und feststellen, dass die alten Sachen auch nicht so schlecht sind und das entdecken, was die Old-School-Fans vor 10 Jahren bei uns entdeckten, dann freut man sich natürlich.

HoM: Die meisten Leute, denen ich bisher Burdon oder die Sachen von "Damnation" vorgespielt habe, waren immer erstaunt und konnten nicht glauben, dass ihr eine Death-Metal-Band seid, weil das Gitarrenspiel mit den üblichen schnellen Stakkato-Riffs so gut wie nichts gemein hat.

M.A.: Ja stimmt, den Song werden wir heute aber nicht spielen. Wir haben im Soundcheck heute zwar mit Hessian Peel einen anderen "Watershed"-Song geprobt, aber selbst den werden wir heute abend nicht zum Besten geben.

HoM: Wie du schon erwähnt hast, waren die meisten Konzerte dieser Tour ausverkauft und im Sommer habt auf einigen der wichtigsten Festivals gespielt, z.B. Wacken , Graspop oder Rock am Ring . Was ist denn das Geheimnis dieses wachsenden Erfolges ?

M.A.: Das weiß ich eigentlich selbst nicht. Nicht nur für mich sondern für alle Bandmitglieder ist dieser Erfolg nicht über Nacht gekommen, sondern vollzog sich eher langsam. Deshalb macht man sich auch nicht so oft Gedanken darüber, weil das Ganze sich stetig entwickelt.
Ein Grund für mich ist wohl aber schon, dass immer mehr Leute den Einheitsbrei im Musicbiz leid sind und sich nach Qualität in den Nischen umgucken. Und wir hoffen natürlich, dass wir ein paar von diesen Leuten erreichen können.

HoM: Welche Gigs machen dir denn mehr Spaß ? Die vor 60000 oder vor 1000 Menschen ?

M.A.: Um ehrlich sein, sind mir die kleineren Gigs schon lieber, denn dort geht es doch wesentlich intimer zu. Man kann den Leuten noch in die Gesichter gucken. Bei den großen Festivals kriegt man manchmal gar nicht so die Stimmung im Publikum mit und viele Fans können dich auch nur über die großen Videoleinwände richtig sehen.

HoM: Nächstes Jahr werdet ihr in Indien und auf dem Desert Rock Festival in Dubai, welches das einzige Metal-Festival im Nahen Osten ist, spielen. Hast du dazu schon irgendeine Erwartung oder bist du neugierig auf diese Auftritte ?

M.A.: Zuerst einmal waren wir wegen der Anschläge in Delhi ein wenig besorgt. Unser Auftrittsort ist jedoch rund 1000 km von Delhi entfernt, und man versicherte uns, dass dieser Teil von Indien sicher sei.
Aber ansonsten bin ich schon gespannt. Es werden wohl 10000 Zuhörer in Indien dabei sein.

HoM: Im übrigen kann ich dir nur "Global Metal", eine Dokumentation von SAM DUNN, ans Herz legen, die u.a. die Metal-Szene in Indien und das Desert Rock Festival zum Inhalt hat.

M.A.: Wusste ich gar nicht, muss ich mir mal merken. Ich habe mich sowieso gewundert, wer zu einem Metal-Festival in Dubai geht. Dubai ist ja eine sehr touristische Stadt und vor allem bekannt für seine teuren Luxushotels und ungewöhnlichen Bauten. Insofern würde ich erst einmal mit Metalheads rechnen, die sich das auch leisten können.

HoM: ... aber es werden auch viele Leute aus den umliegenden Ländern kommen, wo Metal-Konzerte verboten sind ...

M.A.: Oh, das klingt spannend und wird dann hoffentlich auch gut.

HoM: 2009 werdet ihr dann u.a. nach Südamerika gehen. Was ist denn sonst noch so für das Jahr geplant ?

M.A.: Vor Südamerika werden wir im Februar noch ein paar Gigs in Norwegen, Finnland, Schweden und Russland spielen. Im April ist dann Südamerika dran und dann kommen schon die Sommer-Festivals, von denen wir rund 20 Stück spielen werden. Dann werden wir vermutlich eine Headliner-Tour in den USA machen, bevor wir wieder nach Europa kommen. Unser Kalender ist bis 2010 gut gefüllt.

HoM: Wow, ihr seid ja als fleißige Live-Band bekannt, aber ermüdet ein solches Pensum nicht irgendwann ?

M.A.: Tja, wir sind quasi seit 10 Monaten unterwegs und haben jetzt um Weihnachten herum zum ersten Mal eine dreiwöchige Pause, in denen man sich dann auch mal um andere Sachen kümmern muss.
Jeder hat ja auch noch seine eigenen Projekte am Laufen. Ich bin auch noch Mitglied bei WITCHERY und versuche zwischendurch auch immer mal, Sachen für meine Freundin Natalie zu schreiben.

HoM: ... also definitiv keinen Urlaub ?

M.A.: Nee, der fällt das nächste Jahr aus, ha ha .

HoM: Jetzt nochmal eine Frage zu deinem Drumming. Du spielst ja bei deinen Rhythmen und Fills eine Menge Ghost-Notes. Was entgegnest du denn denjenigen, die sagen, dass Metaldrummer hauptsächlich laut und schnell sein müssen und dass es bei ihnen weniger auf die Technik ankommt ? Außerdem würde ich gern wissen, welche Musikrichtungen dich geprägt haben und welches deine Vorbilder sind.

M.A.: Also, ich habe eigentlich immer mehr Rock und Hardrock gehört und komme eigentlich überhaupt nicht aus der Death-Metal-Ecke. Aber das ist natürlich die Stilrichtung, die man mit mir verbindet.
Und immer nur laut und schnell zu sein, ist auch nicht das Wahre. So etwas nutzt sich ab. Deshalb muss man immer mal wieder leise werden, damit die lauten Parts dann auch wieder druckvoll klingen.

HoM: Wenn du die Chance hättest, deine eigene Supergroup zu gründen, wie würdest du die einzelnen Instrumente besetzen ?

M.A.: Oops, das wüsste ich jetzt so spontan gar nicht. Ich will die anderen Jungs auch nicht vergrätzen , ha ha.
Aber ich glaube, es wäre mal ganz toll, zusammen mit RITCHIE BLACKMOORE zu spielen. Oder mit JEFF BUCKLEY, was leider nicht mehr möglich ist, weil er bereits tot ist. Und JAMES BROWN wäre auf jeden Fall eine Erfahrung gewesen ....

HoM: ... und Mika würde wohl auf jeden Fall WHITESNAKE beitreten ...

M.A.: Ja, mit Sicherheit .

HoM: Ok, dann noch eine letzte Frage: Ihr habt im Studio ja auch einige Coversongs aufgenommen, u.a. eine schwedisches Volkslied, das Marie Fredriksson (ROXETTE) auf einem ihrer Solo-Alben eingespielt hatte. Gab es dafür bestimmte Gründe und kannst du dir vorstellen, dass OPETH mal ein Album ausschließlich mit schwedischen Volksliedern aufnehmen könnte ?

M.A.: Ah, das wäre dann glaube ich doch zu krass. Nee, das halte ich für abwegig.

HoM: Aber "Damnation" und "Deliverance" waren doch auch schon eine Art Experiment.

M.A.: Ja, aber in diesem Fall gefiel Mikael der Marie Fredriksson-Song einfach nur gut. Die anderen Cover-Songs, z.B. von Alice in Chains, passen da schon eher in den OPETH- Sound. Ich würde niemals nie sagen, halte ein solches Album eher für unwahrscheinlich.

HoM: Ok, dann sind wir auch schon am Ende. Wünscht du dir dieses Jahr etwas bestimmtes zu Weihnachten ?

M.A.: Nein eigentlich nicht. Das einzige, was ich mir demnächst selbst mal kaufen will, ist ein Mörser.

HoM: Dann wünsche ich dir erholsame Festtage und viel Glück für den Gig heute abend.

Kay Markschies, (Artikelliste), 12.12.2008