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Dungen
"Mögleicherweise werden wir ein bisschen als Exoten gesehen", Interview

Die fabelhaften schwedischen Psychedeliker DUNGEN sind in erster Linie das Werk von Gustav Ejstes. Mit diesem hatte ich die Gelegenheit, über DUNGEN, das Album "Ta Det Lugnt"), seine musikalische Vergangenheit und die nahe Zukunft ein Interview per E-Mail zu führen.

Hooked on Music: "Ta Det Lugnt" war für mich und viele Leute außerhalb Schwedens der erste Kontakt mit DUNGEN. Kannst Du euch vorstellen und ein bisschen über Eure musikalische Laufbahn erzählen und wie ihr Euch bei DUNGEN gefunden habt?
Gustav: Ich habe im Jahre 1998 begonnen, Musik von DUNGEN aufzunehmen. Zuvor war ich in der Hip-Hop Szene aktiv und habe als DJ gearbeitet, aber das begann mich zu langweilen, so beschloß ich, es einmal mit eigenen Breaks und Semi-Samples zu versuchen und stellte diese dann auch her. Zu dieser Zeit machte ich alles selber, da ich niemand um mich herum hatte, mit dem ich zusammen spielen konnte. Später habe ich dann eine Schule besucht um Studiotechnik zu erlernen, dort habe ich dann Fredrik Björling getroffen, der jetzt unser Drummer ist, obwohl er auf "Ta Det Lugnt" nur bei Panda und Festival Schlagzeug spielt.
Wir haben unsere erste LP auf Subliminal Sounds im Jahre 2001 veröffentlicht und haben später bei Virgin in Schweden unterzeichnet, auf deren Sub-Label Dolores, das war 2002. Aber die Zusammenarbeit hat dort nicht so richtig funktioniert, so dass ich wieder zu Subliminal Sounds zurückgekehrt bin. Ich habe mich auf die Farm meiner Mutter in Smaland zurückgezogen, dort tagsüber gearbeitet und nachts aufgenommen. Es war wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Ich musste sehr viel über meine Situation nachdenken und das spiegelt sich in der Musik wieder.

HoM: Kannst Du mir etwas über die Arbeit für "Ta Det Lugnt" berichten? War es eher ein langer, ins Detail gehender Prozess oder hat sich alles beim spontanen Jammen entwickelt?
Gustav: Ich habe alles selbst gemacht, somit erklärt sich im Wesentlichen, wie es entstanden ist. Reine Fiske kam für eine Woche nach Smaland und hat die meisten Gitarren- und einige der Bassparts eingespielt. Wir hatten eine prima Zeit, es war fast wie eine geistige Wiedervereinigung, weil wir uns eine ganze Weile zuvor nicht mehr gesehen hatten. Einige Aufnahmen haben wir auch an anderen Orten gemacht, die wurden dann als eine Art "Zwischenspiele" auf dem "Ta Det Lugnt" Album verwandt.

HoM: Was sind Eure Einflüsse - auch außerhalb der Musik?
Gustav: Wir hören alle ganz unterschiedliche Sachen und verarbeiten es auch ganz unterschiedlich. Wir werden auch vom Spielen gegenseitig inspiriert, insbesondere auf der Bühne. Wir hören alles von schwedischer Folklore bis hin zu ultra-rarer harter Psychedelia aus den sechziger Jahren.

HoM: Gibt es noch andere schwedische Musiker, die Ihr empfehlen könnt? Gibt es eine lebendige, miteinander kooperierende Szene oder sind die Musiker dort eher auf ihre eigene Arbeit fokussiert?
Gustav: Es gibt sehr viel Musik in Schweden, sehr viele Bands. Aber so viel wir wissen, gibt es keine Szene mit anderen Psychedelia Bands - wenn man uns denn als solche bezeichnen will. THE WORKS sind ständige, gute Kumpel von uns und Mattias "Tiaz" Gustavsson hat dort Bass gespielt, bevor er zu uns gestoßen ist. MYLLA ist noch eine andere verrückte Band, die wir sehr gerne mögen...

HoM: Eine Frage speziell an Gustav. Vor einigen Jahren warst Du ja noch in der Hip-Hop-Szene aktiv. Gibt es irgendwelche Erfahrungen oder Einflüsse die Du aus dieser Zeit in die Arbeit mit DUNGEN hast einfließen lassen?
Gustav: Ich denke, die Drum Sounds. Und den Rhythmus des Gesangs im Einklang mit der Rhythm-Sektion.

HoM: Da Eure Texte auf Schwedisch sind - kannst Du mir etwas über die Songs auf "Ta det Lugnt" erzählen?
Gustav: Es sind Reflektionen über Gedanken, die Leute im Allgemeinen und Beziehungen mit anderen Leuten. Es ist kein einziges Liebeslied auf dem Album - zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Die Musik beschäftigt sich mit meinen Gedanken und Gefühlen zu der Zeit, als das Album aufgenommen wurde.

HoM: Ihr hattet (und habt noch) eine Menge Konzerte in den Vereinigten Staaten. Was sind Eure Eindrücke von der Tour? Was habt Ihr für ein Publikum - eher das Westküsten-Publikum in Erinnerung an die Sixties oder ist es gemischt?
Gustav: Es sind tatsächlich viele junge Leute. In den USA gibt es eine große Underground-Szene und ich glaube, da passen wir durchaus ganz gut hinein. Möglicherweise werden wir ein bisschen als Exoten gesehen, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall packen wir eine ganze Menge Energie und Liebe in das, was wir machen und das scheint doch einige Leute zu erreichen.
HoM: Wann werdet Ihr in Deutschland spielen?
Gustav: Im nächsten Frühjahr.

HoM: Was sind Eure weiteren Pläne mit DUNGEN?
Gustav: Ich hoffe, wir beginnen irgendwann im nächsten Jahr mit neuen Aufnahmen. Einige Background-Aufnahmen sind schon fertig und ich denke, dass wir uns, nachdem wir einige Zeit voneinander Abstand gewonnen haben, über die Musik während der Aufnahmen wieder sehr gut und organisch zusammenfinden werden. Ich denke, es wird eine sehr schöne und anregende Art sein, sich wieder gegenseitig hochzuziehen.

HoM: Habt Ihr noch ein abschließendes Statement für unsere Leser? Vielleicht Euer persönliches Lebensmotto?
Gustav: "Ta det lugnt" (zu deutsch: nimm es leicht).

Vielen Dank an dieser Stelle auch an Moritz von Gordeon Music, der das Interview ermöglicht hat.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 08.09.2005