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Fotos: Epi Schmidt

Diamond Dogs
Ian Hunter kommt mir nicht an mein Piano!, Interview

Interviews nach einem Konzert sind eigentlich nicht so mein Ding. Ich würde gern vorher mit den Musikern reden. Hinterher bin ich selbst ausgepowert, die Künstler sind ausgepowert und im Allgemeinen herrscht eine wenig gesprächsdienliche Aufruhr. Trotzdem will ich mir die Unterhaltung mit Sulo und Henrik, ihres Zeichens Sänger und Keyboarder der DIAMOND DOGS, nicht nehmen lassen. Zumal es sich hier um die maßgeblichen Köpfe der Band handelt.

Sulo Hooked on Music: So, ihr habt ein neues Album draußen, welches sich "Up The Rock" nennt. Was bedeutet der Titel für euch? Soll es heißen "aufwärts mit der Rockmusik", oder bezieht es sich mehr darauf einen Berg (Rock) zu erklimmen?
Sulo: Nun, es ist., eine Art Doppelbedeutung. Tatsächlich ist es der Titel eines Songs den wir aufnahmen, der es aber nicht aufs Album geschafft hat. Aber der Titel war so großartig, dass wir das Album so genannt haben. Es ist ebenso eine Antwort auf das Album "Rock'n'Roll Is Dead" der HELLACOPTERS und überhaupt eine tolle Aussage, weil so viele behaupten, der Rock'n'Roll wäre tot. Also dachten wir uns: Hoch (Up) mit ihm!

HOM: Über ein Jahr nach den Aufnahmen zu diesem Album: Seid ihr nach wie vor überzeugt, dass dies die besten Songs sind die ihr jemals geschrieben und aufgenommen habt?
Sulo: Nein, denn ich hab schon wieder eine Menge Songs seitdem geschrieben (lacht) und ich versuche ständig bessere Songs zu schreiben. Natürlich, zu diesem Zeitpunkt waren es die besten Songs die wir hatten und diesmal wurde unser Album ja auch sehr "produziert" von Tomas Skogsberg, und er war auch derjenige, der entschied, welche Lieder es auf das Album geschafft haben. Manche Songs wurden tatsächlich erst im Studio geschrieben, wie Come Easy, Come Slow.
Henrik: Ja, das wurde erst im Studio geschrieben.
HOM: Habt ihr einen, oder mehrere Lieblingstitel auf dem Album? Die womöglich eine besondere Bedeutung für euch haben?
Henrik: Mmh, eigentlich nicht, denn das ganze Album ist eigentlich ein Konzept. Die Songs stehen in einem gewissen Verhältnis zueinander und brauchen auch einander. Ich glaube, dass eins zum anderen führt und so, für mich, ich könnte keinen einzelnen Song herauspicken. Aber, der letzte Song auf dem Album, Make It To The Shore, ist wohl der typischste DIAMOND DOGS Song. Ich weiß nicht was du denkst.
HOM: Nun, als ich einen Großteil dieser Fragen zusammenschrieb, was schon im letzten Sommer war (Anm.: Das damals geplante Interview in Heilbronn verpasste ich, ebenso wie das Konzert, durch den Aufenthalt in einem mehrstündigen Stau vor dem wundervollen Weinsberger Autobahndreieck), waren You Got Nothing On Me und der Glam-Rocker Acting Singles meine Favoriten.
Henrik: Oh, ja, wirklich?
Sulo: Mein Favorit auf dem Album ist Turning A Shack Into A Chapel, weil es so autobiografisch ist, aber ich weiß nicht, ob es der beste Song auf dem Album ist.
Henrik: Das witzige ist, normalerweise schreibt Sulo alle Songs, und wir spielten sie vorher und probierten sie aus und gingen dann ins Studio, mit dem Gefühl, das sind wirklich die besten jemals geschrieben Songs für die DIAMOND DOGS. Aber wir wussten, dass Tomas produzieren würde und es sehr glammy und simpel gehalten werden sollte. Ich z.B. mag ja sehr diesen Stil (hämmert mit den Fingerspitzen einen Boogie-Rhythmus auf die Tischplatte) und normalerweise improvisiere ich sehr viel. Da ich nun wusste, dass Tomas die Scheibe produzieren würde, dachte ich, nun, da improvisiere ich halt etwas weniger, weil er es ja möglichst einfach halten wollte. Und dann gingen wir ins Studio und ich durfte überhaupt nicht improvisieren!
Sulo: Wie gesagt, es ist das am meisten produzierte Album das wir jemals gemacht haben und wahrscheinlich auch jemals machen werden (beide lachen).

HOM: War es dann schwierig, diese Songs auf die Bühne zu bringen und live zu spielen?
Sulo: Nein, weil dann dachte ich, so würden die Songs klingen, ohne dass Tomas Skogsberg sie produzierte hätte.
HOM: Auf dem Album sind ja viele Background Vocals von ein paar Girls.
Sulo: Ja...
Henrik: Aber, ist das nicht der Fall bei richtig guten Bands, so wie wir uns vorhin über die DOORS unterhalten haben? Diese Bands haben einen speziellen Sound auf ihren Alben, und wenn sie auf die Bühne gehen wird mehr Rock'n'Roll daraus. So gibt es verschiedene Möglichkeiten Songs zu interpretieren. Auf der Bühne machen wir es halt so wie wir es normalerweise machen und improvisieren mehr.

HOM: Euer alter Gitarrist Boba (Anders Lindsröm) hat ja auch auf "Up The Rock" mitgespielt. Auf welchem Titel?
Sulo: Es spielt auf dem Song Where Are You Tonght.
Henrik: Der Ballade.
Sulo: Den Song hab ich eigentlich an die Adresse eines anderen unserer früheren DIAMOND DOGS Gitarristen geschrieben. Sein Name ist Kent Axén und er spielt nun in einer Band namens MARYSLIM.
HOM: An ihn geht die Frage "Wo bist heute Nacht".
Henrik: Unterwegs, einen trinken, nehme ich an. (lacht)

HOM: Eure aktuelles Album hat schon von Spielzeit her die Länge wie die LPs früher.
Sulo: Ja, das wollten wir so.
HOM: . und klingt auch wie direkt aus den 70ern. Da hört man eine Menge La-la-la's und Mitklatschen und all diese Dinge. Hattet ihr nicht Angst etwas albern zu klingen?
Sulo: (nachdem erst einmal wild durcheinander geredet wird) Nein. Was immer du tust, du solltest das glitzern in den Augen nicht verlieren, besonders wenn es um Rock'n'Roll geht. Wenn das nicht der Fall ist und wenn es zu ernst wird ist es auch kein Rock'n'Roll mehr. Die DIAMOND DOGS sind da in gewisser Weise altmodisch. Uns geht es darum, eine tolle Show zu liefern, die Leute bestmöglich zu unterhalten, jede Nacht das Publikum glücklich zu machen.
The Duke of Honk Henrik: Ich verstehe schon was du mit deiner Frage meinst. Wir entspringen einer alten Tradition und wir würden es nicht anders machen wollen. Wir lieben es so und wenn wir es lieben, wie kann es dann albern sein?
(Zwischendurch unterhält sich Sulo mit einem Fan und ich bekomme mit, dass die DIAMOND DOGS bald mit Ian Hunter auf Tour gehen werden)
HOM: Ihr müsst ihn zu euch auf die Bühne holen!
Sulo: Ja, das machen wir sicherlich.
Henrik: Aber nicht an mein Piano! (lacht)

HOM: Wie du schon angedeutet hast, sind offensichtlich noch Songs aus den Aufnahmen vorhanden die nicht auf dem Album sind.
Sulo: Ja, ein paar.
HOM: Besteht eine Chance, dass wir die zu hören bekommen. Eines Tages?
Sulo: Ja, vielleicht, allerdings im Moment bin ich dabei mein drittes Solo-Album aufzunehmen und vom Stil her passt eigentlich keiner von diesen übrig gebliebenen Songs da drauf. Das Album wird mehr in die Richtung von Rod Stewart in der Zeit von 1975, 1976 gehen.
HOM: Nun, ehrlich gesagt, klingen die DIAMOND DOGS für mich nicht so sehr viel anders als das.
Sulo: Nein, aber es wird ein bisschen cleaner und natürlich durch andere Musiker auch anders klingen. Der Fokus wird auch mehr auf den Songs liegen und nicht so improvisiert sein. Und da es mein Album ist, kann ich auch machen, was immer mir einfällt (lacht).
[Lieber Sulo, lieber Epi, ich musste bei der Textbearbeitung an dieser Stelle eine fünfminütige Lachpause einlegen. Es ist ja nun wirklich kaum zu glauben, dass Sulo sich endlich vom Prog-Rock a la EMERSON LAKE & PALMER abwendet und allen Ernstes in die Richtung von Rod Stewart anno '75/'76 gehen will.; Fred (immer noch von Lachkrämpfen geschüttelt)]
HOM: Ihr spielt aber nichts von deinen Solo-Alben mit den DIAMOND DOGS auf der Bühne?
Sulo: Nein, haben wir mal.
Henrik: Wir müssen. Früher oder später müssen wir, denn immer mehr Leute fragen nach den Sulo-Songs. Wir müssen halt die anderen in der Band dazu bringen, denn die möchten natürlich lieber DIAMOND DOGS-Songs spielen.
HOM: Dazu fällt mir gleich mal ein: Als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, hast du mir gesagt, du würdest die Besetzung der Band nicht mehr verändern wollen. Niemals. Und jetzt komme ich hierher und sehe drei neue Leute!
Sulo: Ja, also, zuallererst: Der Schlagzeuger ist nur angeheuert, weil Jesper (Karlsson) ein paar Probleme hat und wir ganz kurzfristig die Entscheidung treffen mussten, entweder die Tour zu canceln oder einen Ersatz zu nehmen. Er wird definitiv zurückkehren. Dann haben wir einen neuen Gitarristen, weil..., Fred (Fredrik Fagerlund) sich ein Restaurant in Nord-Schweden gekauft hat. Ich glaube, er geht gerade durch eine Art Midlife-Krise und möchte gar keine Musik mehr spielen. Und unser Bassist Johan Johansson ist ausgestiegen weil er ein paar andere Sachen machen möchte. So entschieden wir uns, Stefan Björk zurückzuholen, denn er ist eines der Originalmitglieder der Band, der auf den ersten Alben gespielt hat.
Henrik: Du musst an die Besetzung glauben, mit der du gerade auf der Bühne stehst. 100% mit diesen Typen zu geben. Dann kommt es halt vor, dass manche andere Wege beschreiten wollen, aber... das passiert und für mich ist diese Besetzung die beste. Sie ist mehr Blues...
Sulo: . und Lars ist ein fantastischer Gitarrist...
Henrik: ... ja, er ist großartig. Aber wer weiß, in zwei Jahren haben wir vielleicht vier neue Mitglieder und wir werden dir erzählen, dass dieses Line-Up das beste ist.
Sulo: Ich denke, ich kann aber sagen, dass manche von den aktuellen Mitgliedern dabei bleiben werden, ich verspreche das. Wie Stefan, und ich denke auch Lars. Es braucht eine lange Zeit, Typen zu finden, die so hoffnungslos dem Rock verfallen sind wie Honk und ich.

HOM: Wir haben ja bereits über eine Live-CD oder sogar DVD gesprochen. Wie sieht es damit aus?
Sulo: Ja, wir wollen ein Live-Album machen und, hoffentlich, gleichzeitig eine DVD, aber.
Henrik: Ich sehe so was halt etwas differenziert, denn man kann doch die Atmosphäre eines Konzertes nicht richtig rüber bringen. Wie das Bild von einem wunderschönen Ausblick. Es ist nicht dasselbe.
HOM: Korrekt. Ihr habt allerdings schon eine Menge Alben veröffentlicht und es wäre an der Zeit.
Sulo: Ja, das ist es.

HOM: Als wir uns das letzte Mal unterhielten, erzähltest du mir, du wolltest die Setlist eures Programms nach der damaligen Tour ändern. Aber Wild Side Of Life ist immer noch im Programm.
Sulo: Ja, es ist nach wie vor der perfekte Song, einen guten Abend zu beenden.
HOM: Gut, kommen wir zum zweitwichtigsten im Leben. Das schwedische Fußballteam war ja nicht so erfolgreich bei der WM im letzten Jahr...
Sulo: (nach oben gerichteter Blick, lachend)
HOM: Was lief schief?
Sulo: Ein schlechter Tag auf der Arbeit. Nein, das ist irgendwie dieselbe Geschichte wie England Schweden nicht schlagen kann. Seit 40 Jahren nicht und Schweden wird niemals Deutschland schlagen in einer Meisterschaft. Das ist eine psychologische Angelegenheit. Vielleicht in einem Freundschaftsspiel, aber niemals in einer Meisterschaft.
Aber, eines muss ich dir sagen: Ich bin ja ein Fan der deutschen Mannschaft, schon seit 1974, aber ich war sehr, sehr enttäuscht als ihr gegen Italien verloren habt. Ich saß mit meinen Freunden und ich sagte: "Sie werden das Spiel keinesfalls verlieren. Es wird zum Elfmeterschießen kommen und Deutschland wird gewinnen".
HOM: Tja, das war es, was auch die Deutschen dachten.
Sulo: Ja, und dann relaxten sie und ließen sogar diesen 'Motherfucker' Del Piero ein Tor schießen!
(Dann entwickelt sich ein munteres Kreuz- und Quergeplapper über sollten, hätten, müssen, welches kaum noch verfolgbar war. Womöglich war auch etwas Alkohol im Spiel. Hier noch ein paar Ausschnitte.)
Sulo: Wir haben ein paar Spieler die fast Deutsche sind, aber wir haben auch einen Spieler, den die Deutschen nicht haben, aber gut gebrauchen könnten: Henrik Larsson.
HOM: War das nicht der, der den Elfmeter gegen Deutschland verschossen hat?
Sulo: Ja, ich weiß., aber den könntet ihr jederzeit trotzdem gebrauchen. Ich war jedenfalls enttäuscht...
HOM: Es wäre eure Pflicht gewesen, Trinidad & Tobago zu schlagen!
Sulo: Ja, das war wirklich.
Henrik: Als wir damals Dritter wurden, 1994, hatten wir Stefan Schwarz - und er war fast ein Deutscher (lacht).
Sulo: Erinnerst du dich an Stefan Schwarz? Als er 16 Jahre alt war, musste er sich entscheiden, ob er für Deutschland oder für Schweden spielen wollte - und er entschied sich für Schweden.
Henrik: Aber auf jeden Fall spielen wir besser Rock'n'Roll als ihr.
Sulo: An jedem Tag!
HOM: Das wäre schon möglich. Abschließend: Denkt ihr, dass Italien den Titel verdient hat?
Sulo: Nein! Niemals! Die haben nie irgendwas verdient. Ich hasse deren Fußball.
HOM: Ich sage nun mal, wenn du ein Spiel gewinnen willst, musst du auch ein Tor schießen.
Henrik: Ich sehe es so: Es ist eine Kopfsache, wie beim Schach. Und die Italiener haben das einfach gut hingekriegt.
Sulo: Ach, die hätten schon gegen Australien rausfliegen müssen. Die Australier haben ein paar Mal den Pfosten getroffen und dann hat man Italien einen Elfmeter geschenkt, wie immer! Australien hätte gewinnen müssen.
Henrik: Ach, nein. Ich denke schon, dass Italien verdient Weltmeister wurde. Deutschlands Fehler war es, Ballack ihr ganzes Spielsystem kontrollieren zu lassen. Wenn die anderen mehr zu sagen gehabt hätten, hättet ihr gewonnen.
(Hier endet dann unser Gespräch, bzw. verliert sich im Kommen und Gehen von Musikern und in zunehmender Ausgelassenheit)

Epi Schmidt, (Artikelliste), 21.01.2007