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Diamond Dogs
Rock'n'Roll im Blut und Kahn im Tor, Interview

Obwohl die DIAMOND DOGS sich in Stuttgart auf dem Weg zum Auftritt im 'Universum' verfahren hatten und erst nach 19.30 Uhr am Veranstaltungsort ankamen, sind sie relativ gelassen. Sänger Sulo zieht sich für ein Interview in einen an den Backstagebereich angrenzenden Raum zurück und gibt bereitwillig und ausführlich Antwort auf meine Fragen.

Hooked on Music: So, Sulo, zunächst mal vielen Dank, dass Du dir die Zeit nimmst für dieses Interview, kurz vor Eurem Auftritt in Stuttgart. Ihr seid zum zweiten Mal in diesem Jahr in Deutschland. Wie kommt's, dass Ihr so bald wieder hier seit?
Sulo: Nu, da müsstest du eigentlich unseren Promotor fragen. Ich denke das erste Mal war mehr so eine Art Einführung der DIAMOND DOGS hier und um unser Album "Black River Road" zu promoten, welches hier ein Jahr später erschien als in Schweden. Nun sollte noch mal eine richtige Tour gemacht werden, bevor wir mit unserem neuen Album rauskommen, welches wir gerade aufgenommen haben und das im Februar/März veröffentlicht werden soll. Hoffentlich zur selben Zeit auch in Deutschland.
HOM: Ah ja, darüber habe ich was gelesen. Sind die Aufnahmen komplett fertig?
Sulo: Ja.
HOM: Kannst Du uns eine Vorstellung davon vermitteln, wie es klingen wird. Der typische, klassische DIAMOND DOGS Stil?
Sulo: Mmmh..., eigentlich nicht so typisch. Ich denke, dies ist unser erstes Album, das wirklich produziert wurde. Bisher haben wir ja mehr oder weniger unsere eigene Vorstellung auf Band gebracht. Diesmal wollten wir einen richtigen Produzenten haben. Wir hatten verschiedene Möglichkeiten, in welche Richtung wir mit unserer Musik gehen wollten. Mehr Richtung Soul oder hin zum klassischen, britischen Glam-Rock, wie damals 1973 mit Bands wie MUD und SLADE und MOTT THE HOOPLE.
Wir hörten uns eine Menge von MOTT THE HOOPLE an, was ich sowieso schon immer getan habe, und redeten mit Produzenten und fanden glücklicherweise auch einen der in diesem Stil mit uns arbeiten wollte.
HOM: Wer ist es?
Sulo: Tomas Skogsberg, der die ersten beiden BACKYARD BABIES Alben produzierte, ebenso das erste HELLACOPTERS Album und wir haben mit ihm auch schon bei "Too Much Is Always Better Than Not Enough" zusammen gearbeitet.
So, die Songs auf dem neuen Album sind also..., du kannst schon hören, dass es die DIAMOND DOGS sind, aber es ist ein bisschen..., wie soll ich sagen..., wir haben mehr an den Melodien gefeilt, besonders in den Refrains. Es ist ein bisschen anders, was ich auch hoffe und was wir auch schon hören konnten. Ich finde, es ist wirklich gut geworden und, Hand aufs Herz: Es sind sie besten Songs die wir jemals aufgenommen haben!
HOM: Da bin ich ja mal gespannt. Hat das Album schon einen Titel?
Sulo: Ja, der Arbeitstitel war..., wie üblich bei den DIAMOND DOGS gab es eine Menge Arbeitstitel und einer verrückter als der andere, aber ich denke es wird wohl "Up The Rock" heißen.
HOM: Und wer wird darauf zu hören sein? Die Bandbesetzung die jetzt auf Tour ist?
Sulo: Ja, die Typen die auf Tour sind, spielen auch auf dem Album.

HOM: Mmh, auf Euren Alben sind für gewöhnlich mindestens zwei Gitarristen zu hören, aber auf Tour ist es nur einer, wenngleich der großartige Fredrik Fagerlund. Was ist der Grund dafür, dass Ihr auf der Bühne nur einen Gitarristen habt?
Sulo: Nun, das ist so: Ich und Boba (Anders Lindström, Gitarrist der HELLACOPTERS; Red.) haben diese Band 1991 gegründet, sogar noch bevor die HELLACOPTERS überhaupt existierten. Boba war über die ganze Zeit mal in, mal außerhalb der Band...
HOM: Er ist also nicht mehr bei den DIAMOND DOGS?
Sulo: ... jaa..., mmh, eigentlich nicht, aber er gehört doch irgendwie dazu und er spielt auch auf einem Lied auf der neuen CD Gitarre.
Als wir das Album aufnahmen, waren die HELLACOPTERS gerade unterwegs um ihr Album "Rock'n'Roll Is Dead" zu promoten. Wir dachten, wir brauchen einen zu uns passenden Gitarristen, der auch wirklich immer in der Band ist, ohne dauernd irgendwelche Nebenprojekte zu haben. Also fragten wir Fred und er sagte "Ja, ich möchte in der Band sein, wenn ich der einzige Gitarrist bin". So, mit dieser 6-Mann-Band sind wir nun seit 1 ½ Jahren auf Tour und wo wir hinkommen sagen alle, es wäre die beste Besetzung die wir jemals hatten. Der spanische Promotor, mit dem wir seit fünf Jahren zusammenarbeiten, nahm mich auf die Seite und sagte zu mir "Ändere diese Besetzung nie mehr!"
HOM: Also, mach es auch nicht mehr.
Sulo: Nein, werde ich auch nicht.

HOM: Hast Du dir Freds Album "International" angehört? Es ist fantastisch nicht?
Sulo: Ja, ich hab's gehört. Wirklich gut!

HOM: Und Du hast ja auch ein neues Soloalbum draußen.
Sulo: Ja. Es ist ein Akustikalbum, mit dem ich mir einen Traum erfüllt habe. Schöner britischer 70er-Jahre-Stil, wie die alten Rod Stewart Scheiben, mit Mandolinen und Akustikgitarren. Tatsächlich klingt es wie ein altes Rod Stewart Album, aber genau so wollte ich es auch. Es wurde auch ganz altmodisch aufgenommen: Alles live in Sessions. Wir hatten gerade eine Probe mit den ersten vier Songs. Dann gingen wir ins Studio und haben die praktisch am Stück aufgenommen. Das nächste Mal haben wir die Probe ganz weggelassen und sind gleich ins Studio, mit drei Songs. Und von da an hab ich neue Songs einfach mit ins Studio gebracht und so hat sich das Ganze entwickelt und wurde immer größer. Eigentlich war das schon eine komische Erfahrung.
HOM: Ah ja, also es ist ein Akustikalbum. Ist das der große Unterschied zwischen Deinem ersten Soloalbum "Rough Diamonds" und dem aktuellen?
Sulo: Auf "Rough Diamonds" waren tatsächlich einige alte Songs, die unsere Plattenfirma rausbringen wollte. Etwa die erste Version von Weekend Monster und ein paar andere Songs...
HOM: Weekend Monster war ja auch auf Eurem Album "That's The Juice I'm On"...
Sulo: . und auf unserer ersten EP. Kennst Du die erste DIAMOND DOGS EP?
HOM: Nein.
Sulo: "Among The Non Believers", das waren die ersten fünf Songs. Die Plattenfirma..., wir gründeten..., also, die Kurzform unserer Geschichte: Wir gründeten die Band 1991. Dann veröffentlichten wir unser erstes Album, welches nicht mehr erhältlich ist, jedenfalls nicht mehr zu kaufen, es heißt "Honked". Das war 1994. [Und es ist g-e-i-l! Zwischenruf aus München]. Dann begannen wir die Arbeit am zweiten Album, das war 1996, aber es wurde zunächst nur eine Single daraus: Need Of Ammunition mit Hurt You Twice As Much auf der B-Seite, welches auch auf "That's The Juice I'm On" zu finden ist. Dann löste sich die Band auf und Bobo ging zu den HELLACOPTERS und wir machen alle unterschiedliche Sachen. Dann hörte unsere Plattenfirma ein altes Demo mit Weekend Monster, Inflammable 69er... und ein paar anderen Songs und sie riefen mich an und baten mich, die DIAMOND DOGS wieder zusammen zu bringen, nur um eine EP aufzunehmen. Also nahmen wir diese EP auf, mit dem Titel "Among The Non Believers", auf der u.a. Bite Of zu finden ist. Wir bekamen gute Kritiken überall und wir gingen auf eine Tour in Spanien, nur mit unserer einen EP im Gepäck. Es war wirklich verrückt und wir mussten dann schnell ein Album aufnehmen. Also nahmen wir nahezu alles auf was wir hatten und die Spanier wurden daraufhin noch verrückter, so dass wir ständig eine Frühjahr- und eine Herbsttour dort machen mussten.
Und dann nahmen wir eine neue EP auf namens "Shortplayer", zwischen dem vorherigen Album und dem folgenden "Too Much Is Always Better Than Not Enough". Also wir dann "Too Much..." betourten, sagten wir zu unserer Plattenfirma, wir möchten wie gewöhnlich zwischendurch wieder eine EP rausbringen. Weil sich aber eine EP nicht so gut verkaufen lässt, boten sie uns, ein paar unserer alten EPs plus ein paar neue Songs zu veröffentlichten und das wurde dann "That's The Juice I'm On" - so eine Art EP-Kollektion mit sechs weiteren Liedern.
Einer der Songs ist der, den ich mit Randy Bachman von BACHMAN TURNER OVERDRIVE geschrieben habe (Anm.: "From Now On").
Und danach haben wir "Black River Road" gemacht und dachten uns, wir machen es wie alle anderen Bands und veröffentlichen alle zwei Jahre ein neues Album. Allerdings hatten wir noch eine Verpflichtung mit unserer vorherigen Plattenfirma und so kam dieses Split-Album, zusammen mit der amerikanischen Punkrock Legende Jeff Dahl heraus, auf dem sechs Titel von uns sind. Also, irgendwie kam es so, dass wir zwei Alben pro Jahr herausbrachten. Zusätzlich brachten wir auch noch Soloalben heraus. Wir waren also schon sehr beschäftigt.

HOM: "Rough Diamonds" klingt ja sehr punkig. Magst Du Punk-Musik?
Sulo: Ja, nun... meine Lieblingsband aller Zeiten sind THE CLASH. Das war meine erste Liebe, meine erste Erfahrung mit Musik.
HOM: Manche Titel auf "Rough Diamonds" klingen tatsächlich etwas CLASH-mäßig.
Sulo: Ja, denn natürlich wuchs ich mit Punkmusik auf und ich denke, jede Musik braucht etwas Punk in sich, denn Punk ist nicht nur die Musik, sondern auch die Art Musik zu spielen und rüberzubringen...
HOM: ... eine Einstellung...
Sulo: Ja, genau, eine Einstellung und..., ja so ist natürlich etwas Punk in dieser Scheibe und der Titel spielt auch darauf an, dass ein Teil der Songs eigentlich Demos waren, die wirklich gut klangen und die deshalb veröffentlicht werden sollten.
Das zweite Album ist jetzt mehr meinem heutigen Geschmack entsprechend.
HOM: Wird es bei euren Konzerten verkauft?
Sulo: Nein, bisher noch nicht. Es ist wohl gerade erst in Deutschland veröffentlicht worden.
HOM: Ja, ich habe es selbst noch nicht gehört.
Sulo: Ach, Du hast es noch gar nicht gehört? Da muss ich Dir wohl mal eines schicken.

HOM: Was mir persönlich im DIAMOND DOGS Katalog fehlt, ist eine Live-Scheibe. Warum gibt es bisher noch keine?
Sulo: Nun, wir haben da schon ungefähr zwei oder drei Jahre darüber gesprochen und denken daran ein Live-Album in Spanien aufzunehmen, an verschiedenen Orten.
Ich denke, dass wir das im nächsten Jahr machen werden, wenn das neue Album draußen ist. Das ist ja eigentlich unsere Mission: Live zu spielen. Die DIAMOND DOGS sind auf einer Mission, das Publikum zu unterhalten. Wir sind der Meinung, es gibt zu wenig Unterhaltung im Rock'n'Roll Geschäft. Die meisten Bands spielen doch für sich selber. Teilweise stehen sie auf der Bühne und starren ihre Füße an oder schauen bloß die anderen Typen in ihrer Band an...
HOM: Ja, bei Euch ist das ja viel expressiver. Ihr geht runter ins Publikum und bezieht es mit ein...
Sulo: Ja, du musst das machen! Wenn das Publikum am Ende der Show nicht glücklich ist, hat es keinen Wert. Dann macht das keinen Sinn.
Du kannst musikalisch einen lausigen Auftritt hinlegen, wenn das Publikum am Ende glücklich ist, dann ist das doch in Ordnung.
HOM: So sehe ich das auch. Das ist Euer Job: Unterhalten. Ein Entertainer sein.
Sulo: Genau das bin ich: Ein Entertainer.
[An dieser Stelle möchte der Klugscheißer aus München gerne sich selbst aus seiner CD-Besprechung zitieren: "... hier ist ein ganz großer Entertainer am Werk" und "Rock & Roll macht glücklich" hat er nämlich zu "Just Another Guy Tryin' gesagt *nur mal so angemerkt*].
Und die DIAMOND DOGS sind einer Unterhaltungs-Band. Und das ist heute sehr selten. Auch in England. Wir bekamen kürzlich ein sehr gutes Live-Review von unserem Konzert in London im "Kerrang" (Anm.: englisches Rock-Magazin). Sie mochten es wirklich und gaben uns vier von fünf möglichen Punkten und schrieben, wie unsinnig es wäre nach Amerika zu fliegen, einen Haufen Geld dafür auszugeben, obwohl man in Schweden bessere Bands sehen könnte.
England hat da viel verloren, was unterhaltsame Bands angeht. Schau Dir nur an, wer in den letzten Jahren da groß war: OASIS, wo der Sänger mit auf dem Rücken verschränkten Armen da steht und in die Luft schaut...
HOM: ... die andere Seite sind THE DARKNESS, die halt die große Rockshow zelebrieren.
Sulo: Das ist die QUEEN-Tradition, sie mögen es so aufgeblasen...
Tatsächlich hab ich von THE DARKNESS aber bisher kaum was gehört.
HOM: Ich kenn sie auch mehr aus der Zeitung. Sie interessieren mich nicht sonderlich.

HOM: Für gewöhnlich beendet Ihr eure Konzerte mit Wild Side Of Life. Was ist der Grund dafür?
Sulo: Weil ich der Meinung bin, Wild Side Of Life ist der ultimative Partysong. Du kannst ihn auf verschiedene Weisen spielen, in verschiedenen Geschwindigkeiten...
HOM: Was ja auch schon von verschiedenen Künstlern gemacht wurde.
Sulo: Ja. Ich hab den Song aber bisher nur von..., also ich kenne eine Version von Hank Williams und dann natürlich die Rod Stewart Version.
HOM: Und STATUS QUO haben auch eine Version davon gemacht.
Sulo: Haben sie? Oh, die hab ich noch nicht gehört.
HOM: Klingt wirklich gut.
Sulo: Diesen Song zu spielen macht wirklich Spaß. Du kannst dich voll hinein vertiefen und wo wir jetzt einen Saxofonspieler haben passt das perfekt. Das klingt wie bei Bobby Keys (Anm.: langjähriger Saxofonist bei den ROLLING STONES). Ich denke aber, dass wir die Setliste nach dem kommenden Album sehr verändern werden.
HOM: Spielt ihr noch andere Coverversionen im Konzert?
Sulo: Nein, das ist die einzige. Als wir Darrell Bath in der Band hatten, fing der manchmal einen Song auf der Bühne an, von dem keiner wusste was es sein sollte, aber alle folgten und dann war es Walking With A Mountain (von MOTT THE HOOPLE), welcher dann in Jumpin' Jack Flash überging.

HOM: Ich habe gehört, bei Eurem Auftritt in Berlin vor kurzem, ging eine Gitarre zu Bruch? Was passierte?
Sulo: Ich weiß nicht genau. Es war ein eigenartiger Auftritt, denn es war um halb vier Morgens, bei einer Aftershow nach einem italienischen Punk-Festival. Für uns war das schon komisch, denn wir mussten für ein Publikum spielen, das mehr auf Ska-Musik und eben italienischen Punk stand. Es war während des letzten Liedes, Wild Side..., und ich war schon nicht mehr auf der Bühne. Freds Gitarre ging zu Bruch und er warf sie ins Publikum, welches natürlich ausrastete. Aber woher weißt Du das eigentlich?
HOM: Oh, eine Freund von mir - Hallo, Marco! - war bei der Show und hat mir davon berichtet.

HOM: Ihr seid ja nun auch schon ein paar Jahre im Geschäft. Findest Du es anstrengender, auf Tour zu sein?
Sulo: Nein, überhaupt nicht! Wir wollen am liebsten jeden Abend spielen. Das ist immer ganz witzig mit den Veranstaltern in den verschiedenen Ländern. Wenn uns einer anruft, sagt er so was wie "Ich habe zwölf Auftritte für euch in drei Wochen. Aber wir werden die Lücken noch auffüllen! Ganz sicher!"
Wenn wir unterwegs sind, wollen wir immer spielen. Manche Bands wollen zwei Abende spielen und dann einen Tag frei haben, wir wollen jeden Abend spielen. Wir sind vom altmodischen Schlag, in vielerlei Hinsicht. Wie Bands wie DR. FEELGOOD und ähnliche Bands, die endlos getourt haben und eine gute Show geliefert haben jeden Abend.
Wenn man unterwegs ist, hat man doch keine Lust im Hotelzimmer rumzusitzen.

HOM: Wenn Du etwas ändern könntest am Verlauf Deiner Karriere, würdest Du es tun und was wäre es?
Sulo: Mmh, ich glaube nicht, dass ich etwas ändern würde. Auch nicht in musikalischer Hinsicht. So oft wenn wir spielen, sagen uns Leute "Oh, so eine Band haben wir ja schon ewig nicht mehr gehört. Seit den 70ern nicht mehr!". Und das ist der Weg, den wir beschreiten - uns voran spielen. Auf die alte Art und ich würde nichts daran ändern wollen. Ich könnte sowieso nichts daran ändern, denn das ist die Musik, die aus uns heraus kommt. Journalisten haben mich nach Bezeichnungen für unsere Musik gefragt..., früher, in den 70ern, hat man sich keine Gedanken um Blues oder Soul oder Gospel, oder was auch immer, gemacht. Es war einfach Rock'n'Roll.
Ich sage: Wir sind einfach eine klassische Rock'n'Roll Band.

HOM: So, als 'klassischer Rock'n'Roller', welchen Song oder welche Art Musik würdest Du bei Deinem Begräbnis gespielt haben wollen?
Sulo: Uuuh, einer der besten Songs der jemals geschrieben wurde in der Geschichte ist The Tracks Of My Tears von Smokey Robinson & The Miracles. Das wäre ein schöner Song für ein Begräbnis.
HOM: Ich hoffe, das wird erst in ferner Zukunft sein.
Magst du Fußball?
Sulo: Ja, absolut!
HOM: Gestern war die Ziehung für die Gruppen bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Schweden ist in einer Gruppe mit England, Trinidad & Tobago und Paraguay. Glaubst Du, die Schweden werden das schaffen.
Sulo: Selbstverständlich! Für England sieht es schlecht aus, denn sie haben Schweden nicht mehr geschlagen seit 1958, oder so ähnlich.
Also typisch für Schweden wäre ein Unentschieden gegen Paraguay, wir schlagen England und spielen wieder Unentschieden gegen Trinidad & Tobago. Ich glaube, Schweden und Paraguay werden in die nächste Runde einziehen.
HOM: Nicht England?
Sulo: Nein, ich glaube nicht, denn ich denke, sie haben nicht das Team. Ich weiß natürlich nicht viel über die beiden anderen Mannschaften, aber wenn sich Paraguay in der südamerikanischen Qualifikation durchsetzen konnte - wo Länder wie Brasilien, Argentinien, Uruguay dabei sind - müssen sie schon sehr gut sein.
Aber, ich muss Deutschland gratulieren, für ihren Einzug ins Finale, denn das ist wohl die leichteste Gruppe die ich jemals gesehen habe. Da muss doch irgendwas unter dem Tisch gewesen sein, das von Franz Beckenbauer gesteuert wurde... Aber zum Glück habt Ihr Costa Rica. Davor hatte ich Angst, denn gegen die haben wir 1990 bei der Weltmeisterschaft verloren.
HOM: Polen könnte auch schwer werden.
Sulo: Du kannst die anderen in der Band fragen, ich sage das jetzt nicht, weil wir in Deutschland sind, aber 1974 war die beste WM aller Zeiten. Mit Holland und Deutschland im Finale. Ich war gerade fünf Jahre alt, aber seit dieser Zeit bin ich ein Fan der deutschen Mannschaft. Selbst 1994 war ich ganz depressiv, als Deutschland gegen Bulgarien ausschied.
Sulo: Schweden hat es da ja sogar bis ins Halbfinale geschafft...
Sulo: Also, ich denke, Deutschland schafft es wieder bis ins Finale.
HOM: Und wer noch? Treffen sie auf die Schweden?
Sulo: Mmmh, nein, denke ich nicht. Ich meine, es ist schwierig. Schweden hat mit die besten Stürmer. Henrik Larson ist immer noch fantastisch und Ibrahimovic sowieso. Dessen Technik ist nur wenig hinter der von Ronaldinio. Das ist ein Problem, dass die Deutschen haben: Tore zu machen. Ich hab sie beim Confederation-Cup gesehen und da ist irgendwie Michael Ballack und sonst praktisch nichts. Wird Kahn im Tor sein?
HOM: Ja, bestimmt.
Sulo: Okay, denn da gab es doch diese Streitigkeiten mit Lehmann. Aber, dann ist ja gut.
Also, mein Tipp ist: Schweden wird es bis ins Viertelfinale schaffen, wo sie hoffentlich nicht auf Deutschland treffen, denn beide haben eine ähnliche, sehr körperbetonte Spielweise. Aber Deutschland ist wohl das stärkere Team. Im Finale wird Deutschland stehen und gegen... Holland wäre natürlich fantastisch, aber Brasilien ist wohl zu gut. Als ich Brasilien beim Confederations-Cup gegen Argentinien gesehen habe..., die erste Halbzeit war der beste Fußball, den ich jemals gesehen habe.
Argentinien möchte ich nicht im Finale sehen, deren Spielweise mag ich nicht so sehr.

HOM: Okay, dann warten wir's ab und schauen, was nächstes Jahr bei der WM rauskommt. Vielen Dank für das Gespräch, Sulo, und einen guten Auftritt heute Abend.
Sulo: Danke, ebenfalls.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.12.2005