Foto: Epi Schmidt
Dana Fuchs
"Ich hab' meinen eigenen Blues", Interview

Nachdem sie mich, zusammen mit ihrem Gitarristen Jon Diamond, über 1 Stunden lang musikalisch begeistert hat (die restlichen Anwesenden auch), sitzt Dana Fuchs kurz nach dem Auftritt schon an einem Tisch um ihre Live CD "Live In NYC" zu verkaufen, zu signieren, für Fotos mit den Fans zu posieren und schließlich stellt sie sich an die Bar um der anschließenden Jam-Runde zuzusehen. Der Tag ist auch noch nicht vorbei, für uns beide, denn die Gelegenheit mit dem Shooting-Star ein kleines Gespräch zu führen, lasse ich mir natürlich nicht entgehen.
Bald ziehen wir uns die Räumlichkeiten von "Thorndal Guitars" (www.thorndal.de) zurück und obwohl der Raum vor 6-saitigen Schönheiten strotzt, gehört meine Aufmerksamkeit jetzt nur noch Mrs. Fuchs. Und das will bei einem Gitarrenfetischisten wie mir schon was heißen!

Dana_Interview

Hooked on Music: So, Dana, zuallererst. Was ist das für ein Name? Fuchs? Woher kommt der ...

Dana Fuchs: ... das ist Deutsch ...

HoM: Ja, eben! Das klingt doch auch wie ein deutscher Name!

D.F.: Ja, die Eltern meines Vaters waren Deutsch und Irisch. Und sein Vater war ein Deutscher. Leider weiß man in meiner Familie nicht viel über unsere Geschichte, da wir immer etwas verrückt waren. Vielleicht auch zu viel getrunken .. Nun ja, der Vater meines Vaters beging Selbstmord, als mein Vater noch sehr jung war und so lernte ich ihn nie kennen. Aber er war der "Fuchs". Der Fox.

HoM: Du wurdest im Süden der Vereinigten Staaten geboren ....

D.F.: Tatsächlich wurde ich ganz in der Nähe von New York geboren, meine Eltern stammen aus New York, aber als ich zwei Jahre alt war, zogen sie in den Süden, wo ich dann aufwuchs.

HoM: In Florida, richtig?

D.F.: Ja.

HoM: War das der Grund, dass du später nach New York gingst, weil deine Eltern von dort kamen und du dort geboren wurdest? Ich meine: warum New York?

D.F.: Ich denke, als ich ein kleines Mädchen war, sah ich zusammen mit meinem Daddy einen Film über Billie Holiday - Diana Ross spielte die Rolle - und sie sang in all diesen kleinen Blues-Clubs in New York. Mir gefiel das so, dass ich mit meinen sieben Jahren zu meinem Daddy sagt: Ich werde nach New York gehen und den Blues singen! (Lacht) Meine Eltern kamen zwar aus New York, aber irgendwie, war mein "Geist" (sie sagt "Spirit") schon dort.

HoM: Du warst also schon eine Sängerin, als du nach New York gingst?

D.F.: Ja, ich habe in Florida bereits in kleinen Bands gesungen. Zuerst habe ich allerdings in Kirchen gesungen, aber nichts Professionelles oder vor Publikum.

HoM:Was brachte dich also zum Singen? Irgendwelche bestimmten Personen oder Sänger/innen?

D.F.: Oh, so viele! Das erste Mal, als ich realisierte, dass ich tolle Sänger mag, war, als ich LED ZEPPELIN hörte. Ich bin das Jüngste von sechs Kindern. So als Jüngste hörte ich also LED ZEPPELIN und Stevie Nicks ...

HoM: Es sieht sehr nach Robert Plant aus, wenn du dich auf der Bühne so nach hinten überbeugst.

D.F.: Danke. Das ist ein Kompliment für mich. Ich liebe ihn. Ich meine, unabhängig ob männliche oder weibliche Sänger, er hatte so eine Kraft in seiner Stimme und eine ungeheure Leidenschaft dahinter ... ich sah alte Filmaufnahmen von LED ZEPPELIN und dachte: wow, das ist es! Darum geht es! Also ich also dann Jon traf (Diamond, Gitarrist ihrer Band und Songwriting-Partner), ich war ungefähr 19 und gerade nach New York City gezogen, spielte er mit viel mit Bluesmusikern. Ich traf ihn bei einer "open mike night" Veranstaltung, wo also jeder der wollte, singen durfte.

HoM: Jon spielte da?

D.F.: Ja, einer kleinen Bar zusammen mit einem riesigen türkisch- indianisch-afrikanisch-amerikanischen Mann, der "Moose" genannt wurde. Und Jon spielte lauter ganz alte Blues-Songs, die ich noch nie gehört hatte. In einer Pause sprach ich also mit Jon, dass ich eine Sängerin wäre und aus Florida und obwohl ich sagte, dass ich eigentlich kaum Blues-Songs kannte, meinte er, ich sollte trotzdem was singen. Ich behauptete also, dass ich Stormy Monday kennen würde, aber tatsächlich kannte ich den Text dazu überhaupt nicht. Es klang aber nicht so schlecht und danach fragte mich Jon: Was oder wen hörst du dir so an? Und ich, wie aus der Pistole geschossen: Robert Plant! Mick Jagger! Und er sagte: Nein, nein, nein. Die sind gut. Aber weißt du, wen sich Robert Plant anhört? Weißt du, wem Mick Jagger gerne zuhört? Und von da an lernte ich über Muddy Waters und Otis Redding und Robert Johnson ... ich habe ein tolles Poster von Robert Johnson, handgemacht von einem Typ aus Texas, mit einem Spruch darüber, warum Robert Johnson durch den Teufel so gut den Blues singen konnte.

HoM: Ja, diese berühmte Crossroads-Geschichte.

D.F.: Genau, die Crossroads-Story.

HoM: Somit hast du praktisch in der Kirche angefangen zu singen und Gospels zu singen, wurdest aber erst nach deinem Umzug nach New York durch Jon wieder zurück zum Blues gebracht.

D.F.: Ja, das ist nicht leicht zu verstehen. Ich war natürlich erst 10, 12, vielleicht 13, als ich in der Kirche sang und da verstehst du noch gar nicht, was du überhaupt singst. Da gab es eine große schwarze Frau, die zu mir sagte: "Let Mama Music take over and it will be ok". Sie vielleicht 30 und ich gerade 12. Ich sagte eingeschüchtert: o.k.

HoM: Gut. Nachdem du Jon getroffen hattest, habt ihr ja ein Album aufgenommen, welches aber leider nicht mehr erhältlich ist?

D.F.: Ja, das ist richtig: "Lonely For A Lifetime". Es verkaufte sich sehr schnell aus und wir wollten dann auch weitere pressen lassen, aber irgendwie wollten wir auch was Neues machen und dann machte ich aber diesen Film ...

HoM: Die Songs für dieses Debütalbum, wurden die alles erst geschrieben, nachdem ihr euch getroffen hattet, oder existierten davon bereits welche?

D.F.: Nein, die wurden alle erst geschrieben, nachdem ich Jon getroffen habe. Wir fingen dann zusammen in New York an und er sagte, ich nach Hause gehen und mir Platten kaufen von Etta James, Otis Redding, Robert Johnson und Muddy Waters. Eigentlich sagte er (senkt die Stimme): "Komm zu meinem Haus, ich habe eine große Blues-Kollektion!" Und ich dachte nur, der will mich nur rumkriegen, was vielleicht auch ein bisschen stimmte, aber ich ging dann wochenlang zwei Mal die Woche zu Jon und er spielte mir all diese alten Blues-Scheiben vor und ich lernte davon. Und wir fingen an aufzutreten, nur mit Blues, was zu dieser Zeit in New York sehr obskur war, aber nach ca. einem Jahr hatten wir uns eine recht große Gefolgschaft erspielt. Wir erreichten einen Punkt, an dem ich mir sagte: "Ich habe auch viele Geschichten zu erzählen". Meine Schwester hatte sich umgebracht und ... , ich meine, ich liebe den Blues, aber ich bin nicht als Schwarze geboren. Ich bin nicht auf der "Tobacco Road" aufgewachsen. Aber ich habe meinen eigenen Blues, zu dem ich meine Worte hinzufügen möchte. Und ich wollte auch meine frühen Einflüsse von Robert Plant und LED ZEPPELIN wieder einbringen. So schrieben wir dann sie Songs für dieses Debüt und dann machten wir die Live-CD.

HoM: Ja, aber dazwischen passierte auch einiges. Du bekamst die Gelegenheit Janis Joplin in einem Off-Broadway Musical zu spielen: "Love, Kanis". Was für eine Erfahrung war das? Hattest du strenge Vorgaben, wie du Janis zu spielen hattest, oder konntest du mehr oder weniger frei agieren?

D.F.: Ich konnte spielen, wie ich es fühlte, das war das Tolle an dem Regisseur. Sie kamen ja zu mir und fragten mich, ob mich die Rolle in der Show interessieren würde und ich sagte, o.k., ich versuch's. Ich kannte kaum was von Janis' Musik und so lernte ich Piece Of My Heart und Me And Bobby McGee und ging zu dem Casting. Sie hörten mir kurz zu, schauten mich an und fragten: "Kannst du in einer Woche anfangen?". Ich erschrak schon etwas. Ich hatte eine Woche um 19 Janis Joplin Songs zu lernen und dazu das Script für die Show. Zusätzlich wollte ich auch noch etwas mehr über ihr Leben lernen und realisierte erst da, wieso oft Leute, die mich mit Jon spielen hörten, mit Janis verglichen. Es gibt sicher ein paar Parallelen. Wir sind weiße Mädchen, die sich schwarze Musik anhörten und im Süden aufwuchsen und ... , als ich die Show machte, lernte ich nicht wirklich ihre Songs aufs genaueste aber es war ein großer Wendepunkt für mich, ihr zuzuhören, denn sie trieb a-l-l-e-s bis auf die Spitze. Und ich dachte: "Fuck, ich werde es genauso machen!" Als wenn ich von ihr den Auftrag dazu bekommen hätte.

HoM: Inzwischen bist du ja nicht mehr dabei. Kennst du welche von den Sängerinnen, die nach dir diese Rolle übernahmen?

D.F.: Nun, die Show ist jetzt nicht mehr in New York sonder tourt durch Amerika. Ich übernahm damals die Rolle von Beth Hart, einer unglaublichen Sängerin! Sie war die einzige, die genauso groß war wie ich, etwa 1,80 m, sodass ich ihre Kostüme übernehmen konnte. Außerdem spielte auch die verstorbene Laura Brenigan für eine kurze Zeit Janis. Einmal sogar mit gebrochenen Beinen und auf Krücken! Dann brachten sie die bekannte kanadische Sängerin Sass Jordan, mit der ich im Wechsel spielte. Außerdem war da noch Katrina Chester, die mehr aus der Metal-Richtung kommt. So Richtung KORN und so.

HoM: Und dann wurdest du eine Schauspielerin in dem Film "Across The Universe". Wie kam es denn dazu?

D.F.: Nun, Julie Taymor, die Regisseurin, brauchte eine Sängerin für eigentlich ein anderes Projekt - welches bisher nicht realisiert wurde - und rief die Produzenten von "Love, Janis" an und fragt nach einer powervollen, starken Sängerin. So gaben sie ihr meinen Namen und sie kam zu einem Auftritt von Jon und mir, wir wussten nichts davon, und sah sich unsere Show an. Danach kam sie zu mir und heuerte mich an um einen Song für dieses Projekt aufzunehmen. Nachdem wir zwei Tage zusammengearbeitet hatten, sagte sie: "Oh, ich mag deine Stimme und wie du dich beim Singen bewegst. Kannst du Schauspielen?" Und ich sagte: "JA, natürlich". Neun Monate später rief sie mich an und ich sprach vor für die Rollen von Sadie in dem Film "Across The Universe". Und ein paar Wochen lang musste ich immer wieder diese Proben, mit verschiedenen Typen, die meinem Freund Jimi Hendrix spielten, aufs Neue machen und ich fragte mich, warum was jetzt wäre. Dabei war meine Rolle schon sicher, denn Julie hatte sie extra für mich geschrieben. Sie probierten bloß verschiedene Typen für die Hendrix-Rolle aus und hatten vergessen mir zu sagen, dass ich bereits engagiert bin. (Lacht)

HoM: Du hattest also keine Probleme damit, zu spielen, was dir vorgegeben wurde?

D.F.: Wie schon die Produzenten von "Love, Janis", sagte auch Julie: "Mach es wie es machen willst." Ich hatte da also beides Mal großes Glück.

HoM: Was würdest du also bevorzugen, wärst du vor die Wahl gestellt: Musical oder Film?

D.F.: Leider gibt es nicht so viel interessante Musicals aus meiner Sicht. Ich mag es, Live vor Publikum auf der Bühne zu stehen, aber in diesem Fall würde ich wohl den Film vorziehen. Aber es wäre eine schwere Entscheidung.

HoM: In "Across The Universe" singst du ja einige BEATLES-Songs, wie Oh, Darling und Why Don't We Do It In The Road. Welches ist dein Lieblings-Beatles-Song?

D.F.: She's Leaving Home von "Sgt. Pepper". Und Fixing A Hole. (Singt) "I'm fixing a hole where the rain gets in ." "Sgt. Pepper" gehört zu meinen Lieblingsalben und She's Leaving Home hab ich schon als kleines Mädchen gehört. Richtig laut im Zimmer, mit verdunkelten Lampen, und mir vorgestellt ich würde wegrennen.

HoM: Das sind beides Paul McCartney Songs, glaube ich.

D.F.: Ja, ich liebe Paul McCartney. Ich mag auch John Lennon, aber ...

HoM: Durch all die Arbeit über die Jahre mit Musical und Film konnte kein zweites Album entstehen und erst dieses Jahr kam euer tolles Live-Album heraus. Wessen Idee war es, ein Live-Album zu veröffentlichen, was ja, als zweites Album, nicht unbedingt die Regel ist?

D.F.: Ein sehr guter Freund von mir, der für MTV arbeitet, nahm diese Show auf, die dann die CD und DVD wurde. Was ich tat, war, jeden Cent, den ich hatte, in eine weitere Studio-CD zu stecken und es lief total schief. Der Produzent, den ich hatte, arbeitete sonst mit Norah Jones, Cassandra Wilson und so wurde das viel zu soft und zu zahm. Ich hörte mir die Aufnahmen meines Freundes an und er sagte: "DAS bist du! Du solltest das herausbringen!". Und das taten wir dann auch. Im kommenden Winter werden wir dann ein neues Album aufnehmen.

HoM: Was tat eigentlich Jon, während all dieser Zeit?

D.F.: Er rief mich jeden Tag an1 "Hör dir den Song an, den ich gerade schreibe" und spielte ihn mir übers Telefon vor! (Lacht) Und jetzt haben wir so viele Songs aus denen wir wählen müssen. Er hat das Ganze am Leben gehalten, mit Agenturen verhandelt und natürlich Songs geschrieben. Wir hoffen wenigstens 10 davon auf das neue Album zu bekommen.

HoM: Natürlich habt ihr inzwischen auch Konzerte gegeben und ward in Amerika u.a. mit Dickey Betts auf Tour. Wie war das, die Bühne mit ihm zu teilen? Man sagt ja, Dickey wäre nicht der "einfachste" Mensch.

D.F.: (Lacht) Ich kann gar nicht glauben, dass Leute das sagen! Nein, im Ernst, wir wurden gewarnt, er wäre schon etwas crazy, aber weißt du, was lustig ist? Er und Jon spielten zusammen und gingen total ab dabei! Also Dickey lud uns ein, einen Song zusammen mit ihm zu spielen. Und Jon, den ich schon so lange kannte, kam Backstage - es war so bewegend - mit Tränen in den Augen sagte er: "Dickey hat mich gebeten, einen Song mit ihm zu spielen". Er war völlig außer sich und ich musste dann noch schnell den Text zu dem Song (Anm.: Zu Southbound) lernen, den Jon natürlich bestens kannte. Wir kamen raus und Dickey rief mir zu: "Kannst du den Text?" und ich sagt "Ja, ich weiß ihn". Und Dickey: "Okay, er und ich kümmern uns um den Rest" und bald hatte Dickey mich vollkommen vergessen und war nur noch dabei mit Jon zu spielen. Es ist auch eine fantastische Band, die Dickey da hat. Wir sind gute Freunde mit ihnen geworden.

HoM: Schön, es wird also bald eine neue CD erscheinen. Gibt es denn schon einen Titel dafür?

D.F.: Nein. Ich habe ein paar Ideen, aber meine Titel sind alle etwas depressiv und so werden sie sie mich nicht benutzen lassen. Ich habe einen Titel der heißt "Home is where the hatred is", der auf einem Song von Gil Scott-Heron basiert. Beinahe hätten wir den Song heute Abend gespielt, aber alle sagen er ist zu depressiv (Lacht).

HoM: Also, dann freu ich mich schon auf das neue Album und die Tour im nächsten Jahr. Eine letzte Frage. Wer wird die Wahl in Amerika gewinnen!

D.F.: (Hebt die Arme und schreit) Obama! Pleeeaaaase! Die Welt braucht ihn und ich brauch ihn. Ansonsten ziehe ich nach Deutschland, wenn McCain gewinnt.

HoM: Du bist jederzeit willkommen! Vielen Dank für das Gespräch.

D.F.: Ich danke.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.11.2008