Link Homepage:
Offizielle Cameran Homepage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Nois-O-lution
Cameran
"Es musste etwas zur Welt kommen...", Interview

Am Rande des Konzertes im Kreuzberger Wild At Heart hatte ich Gelegenheit, mit Aaron, dem Sänger, Gitarrist und Mastermind von CAMERAN, und Drummer Pascal ein kurzes Interview zu führen. Praktischerweise wärmte sich der Autor im selben Restaurant auf in dem die Burgenländer vor dem Auftritt speisten (nämlich im benachbarten Tiki Heart), so dass das ganze in lockerer Atmosphäre stattfinden konnte.

Hooked on Music: Du hast ja gewissermaßen die Familie mit in die Band genommen. Kannst Du uns etwas über CAMERAN erzählen?
Aaron: Ja, es ist so, dass eben zwei Cousins von mir in der Band mitspielen, also sind wir drei verwandt und den Markus haben wir über die Zeitung kennengelernt. Wir drei spielen eigentlich schon über 10 Jahren zusammen.
HoM: Ihr kommt aus dem Burgenland?
Aaron: Ja, zwei von uns...

HoM: Ihr seid so ein bisschen aus Österreich geflüchtet für eine Zeit lang...
Aaron: Ja, ich würde nicht sagen geflüchtet... Es war einfach so, dass wir die Idee hatten, als es zwischenzeitlich keine Band gab, nach England zu gehen und dort mit einem Freund eine neue Band zu gründen, das hat dann nicht hingehauen. Aber ich glaube, dass unsere ganze Ausrichtung schon immer eher auf internationaler Ebene war, wir waren nicht bedacht darauf, dass wir unsere Musik nur in Österreich spielen wollen, sondern wollten immer so große Kreise wie nur möglich ziehen. Von daher war der Blick immer über die Landesgrenze hinaus.

HoM: Jetzt habt Ihr ja Euer Debüt herausgebracht, nachdem es zuvor eine EP gab. Die Sache mit dem Kaiserschnitt (die CD heißt "A Caesarean", Anm. d. Red.). war auch ein bisschen eine schwere Geburt, oder?
Aaron: Ja, der ganze Entstehungsprozess des Albums war sehr beschwerlich. Es hat viele Komplikationen gegeben, es hat eben lange gedauert, bis das Debüt rausgekommen ist, weil uns gibt es eigentlich seit 1999, da haben wir unser erstes Konzert gespielt. Deshalb wollten wir einen Titel nehmen, der dem ganzen angemessen schien, da fiel uns eben das Wort "Kaiserschnitt" ein. Es musste etwas zur Welt kommen. die ganzen Songs waren im Entstehen und der ganze Aufnahmeprozess und das Songwriting war eben so verkorkst oder verzwickt, dass man das Gefühl hatte, es ist so was im Bauch, du willst es rausdrücken, aber es liegt irgendwie quer. Im Endeffekt hat man das dann mit einem Schnitt gemacht, also wir machen das jetzt und wenn es raus ist, ist es raus. Unkompliziert ging es nicht.
HoM: Das Artwork passt ja auch ein bisschen dazu... auf dem Kopf stehend, erinnert es ein wenig an eine Geburt...
Aaron: Ja, das war schon auch so gedacht. Wir wollten... - also das Bild stammt vom Pascal und wir haben überlegt, was wir als Albumcover nehmen könnten. Und da fanden wir das ganz gut und haben das Bild angeschaut und dann gesagt "drehe das ganze mal um". Lass das einfach so von oben hereinkommen, und das ist dann wirklich, wie beim auf die Welt kommen. Obwohl, beim Kaiserschnitt ist es ja anders. aber ansonsten kommst mit dem Kopf zuerst raus. Und es ist ganz lustig, wenn du das Bild anschaust, hast du das Gefühl, du musst was umdrehen.

HoM: Ihr habt einen schwedischen Producer (Pelle Henricsson zusammen mit Magnus Lindberg und Eskil Lovström; Anm. d. Red.). Wie kam der Kontakt zustande?
Aaron: Wir kannten die Arbeit von Pelle und Eskil eigentlich schon als wir unser erstes Demo aufnahmen. Wir wollten schauen, wie es ist mit denen zu arbeiten und was die machen. Also haben wir denen eine E-Mail geschrieben und Kontakt aufgenommen. Dann sind wir in Schweden gewesen, über zwei Jahre zog sich das hin, erst fanden sie geil was wir machten, haben etwas abgemischt, beim Weggehen haben wir besprochen, was wir besser machen konnten und wie wir das ganze in Angriff nehmen könnten, was für Verstärker, was für Soundeffekte und so weiter. Deshalb haben wir uns dann entschlossen, ein Jahr später das ganze Album mit denen zu machen.

HoM: Wie läuft denn bei Euch das Songwriting. Eher gemeinsam erarbeitet, oder hat einer eine Grundidee?
Aaron: Bei "A Caesarean" war es natürlich so, dass viele Ideen schon da waren und da die Songs teilweise schon so alt waren, einige sind noch im letzten Jahrtausend entstanden. Dann probiert man es mit dem Schlagzeug zusammen aus und auf einmal funktioniert das Ganze. Es kommt Input eigentlich von allen Seiten her und oft gibt es halt schon konkretere Ideen und du sagst "He, da können wir dann so weitermachen", probiert man weiter. Oft entstehen Songs, die vom Bass ausgehen und die Gitarren halt quasi auf den Bass reagieren und andere Sachen entstehen, wo die Gitarren zuerst da sind, der Bass sich an die Gitarren eher anlehnt.

HoM: Ich finde Eure CD auch sehr lebendig, Ihr habt ganz unterschiedliche Sounds auf der Platte. Von regelrecht explodierenden Sachen bis hin zu ganz Zurückgenommenem wie zum Beispiel Headphone Music. Was sind denn Eure Inspirationsquellen, nicht nur musikalisch gesehen?
Pascal: Eigentlich alles, was uns so umgibt... Zeiten und Lebensumstände, die sich in der Musik wiederspiegeln, das ist nicht nur Rock, sondern alles was wir so durch das Leben betrachten.
Aaron: Die Bandbreite ist ziemlich groß. Deshalb wollten wir auch die zwei Songs mit auf die CD packen, damit das nicht so eindimensional wird, das Ganze, also nicht nur eine reine Rockplatte mit härteren Songs, wir wollten auch ein Gegengewicht haben. Einfach weil wir Musik schreiben und geschrieben haben, die auch in eine andere Richtung geht, die mit anderen Instrumenten arbeitet und eher ganz fragil und bescheiden und eher sehr leise ist. Deshalb wird es auf der nächsten CD vielleicht noch umfangreicher sein und die Extreme vielleicht noch weiter sein.

HoM: Wo nehmt Ihr eure Ideen für die Texte her? Das ist manchmal wie aufgeschnappte Fetzen oder so.
Aaron: Ja, das ist eigentlich so, dass die Texte im Endeffekt aus Skizzen bestehen. So wie wenn du ein Puzzle hernimmst oder dass du, wenn es darum geht konkret zu werden die Texte auf Band zu singen, dann nehme ich normalerweise die Texte her, wie verschiedene Skizzen und höre mir das ganze an. Dann nehme ich hiervon zwei Zeilen und schreibe dazu was mir einfällt, und dann hörst du irgendwas in der U-Bahn und liest in einem Buch, hast lediglich zwei Sätze davon. Also im Endeffekt ist es ein Zusammentragen, Sichten und Orten und Auswählen. Das ganze Bild entsteht auch für mich erst danach. Das ist ganz selten, dass ich konkret hingehe und sage "jetzt schreibe ich etwas über dies und das". Es ist eher so, dass ein Mosaik entsteht aus verschiedensten Momenten.

HoM: Ihr seid ja jetzt schon ein Weilchen auf Tour, auch mit dem Release "A Caesarean". Die Scheibe wurde in der Presse ziemlich gut angenommen. Wie sind Eure Erfahrungen auf der Tour?
Aaron: Es geht eigentlich. Die CD ist ja erst seit dem 24. Oktober draußen und heute haben wir den 27. November. Als die Tour gebucht wurde, war es relativ schwierig, weil uns im Prinzip kein Mensch kannte in Deutschland. Also die Tour läuft ok, es könnte zwar noch besser laufen, aber wir haben jetzt auch nicht so viel erwartet, weil eben die CD jetzt erst heraußen ist. Es ist aber ganz gut, dass wir jetzt die CD haben, dann können die Leute die Lieder hören.
HoM: Dann können sie auch etwas mitnehmen.
Aaron: Ja, genau.
Pascal: Wobei das live so gelaufen ist, dass die Menschen, die hinkommen, schon eine ganz eigene Erwartung haben. Und live ist eben alles noch direkter, härter, unmittelbarer, keine Ahnung.

HoM: Was würdet Ihr in Österreich ändern, wenn ihr es könntet ?
Aaron: Pah (längere Pause)...
Pascal: Ich glaube, vielleicht passiert sogar ziemlich viel in Österreich, was gar nicht so bekannt wird, wovon die Öffentlichkeit gar nicht so sehr Notiz nimmt. Es gibt ziemlich viel gute Musiker und Künstler, es ist nur schade, dass das gar nicht so bekannt ist und die Leute davon gar nicht viel mitbekommen oder es vielleicht auch nicht hören wollen.
Aaron: Vielleicht, dass die Leute einfach mehr an sich glauben und einfach mehr gemeinsam machen, man braucht im Leben etwas Gemeinsames. Ich glaube, es hat in Österreich schon immer so eine latente Skepsis gegenüber Fremden oder Andersdenkenden gegeben. Und das hat viel damit zu tun, dass man selber sehr unsicher ist, dann erst recht, wenn man was nicht kennt. Es gibt sicherlich einige Dinge, die man ändern könnte, aber so spontan ist das schwierig.

HoM: Wie sind Eure weiteren Pläne?
Aaron: So viel spielen wie möglich in der nächsten Zeit. Im März sind wir wieder in Deutschland, für zehn Tage, und im Mai geht es dann wahrscheinlich nach England und Amerika und in der Zwischenzeit auch nach Osteuropa. Dazwischen immer wieder neue Eindrücke sammeln, neues aufnehmen, neue Leute kennenlernen, gut essen, trinken, schlafen.

HoM: Viel Glück für Euch weiterhin.

Vielen Dank an dieser Stelle auch an Arne von Nois-O-lution, der das Interview ermöglicht hat.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 20.12.2005