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The Lost Tapes
(Independent CD Cover)
Witchfynde
The Lost Tapes, Bad Omen Records, 2014
Steve BridgesVocals
Trevor "Montalo" TaylorGuitars
Andro CoultonBass
Gra ScoresbyDrums
Produziert von: Will Palmer Länge: 53 Min 08 Sek Medium: CD
01. Grimoire (9:31)05. Slow Down (10:16)
02. Madam Noname (5:19)06. Valkyrian Ride (6:58)
03. Halfway (6:40)07. Tetelestai (10:22)
04. Pastiche (3:57)

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Ende der 1970er Jahre erschien die New Wave of British Heavy Metal (NWOBHM) scheinbar wie aus dem Nichts und mit ihr eine Flut von Singles und Samplern mit unbekannten Bands, die ähnlich wie die zeitgenössischen Punker unbedarft drauflos musizierten. Diejenigen, die es letztendlich zu Plattenverträgen, Ruhm und Kultstatus brachten, hatten aber zumeist eine mehr oder weniger erfolglose Vorgeschichte auf dem Buckel, oft tief verwurzelt im Classic Rock der vorangegangenen Dekade.

1980 war das Jahr der Debüts vieler dieser Bands wie z. B. IRON MAIDEN, TYGERS OF PAN TANG, DEF LEPPARD, WHITE SPIRIT, VARDIS oder FIST, um nur einige zu nennen und natürlich WITCHFYNDE, um die es hier geht.
Im Jahr zuvor hatte die Band aus Derby und Mansfield bereits die vielbeachtete Single Give 'Em Hell bei Round Records (Rondolet) veröffentlicht, sodass der gleichnamige Longplayer nicht lange auf sich warten ließ und WITCHFYNDE in die erste Liga des NWOBHM katapultierte.
Drei weitere Alben sollten folgen, doch durch diverse Umbesetzungen und Labelproblemen verwandelte sich der anfängliche Höhenflug nach und nach in einen stetigen Sinkflug und Mitte der 1980er löste sich die Band auf.

Im Zuge der Reunion um die Jahrtausendwende, die bisher zu zwei weiteren Studioalben (Neat Records) geführt hat, wurden nun auch längst verloren geglaubte Demotapes aus den Jahren 1975 und 1977 entdeckt, die bis dahin im Keller von Bassist Andro Coulton vor sich hin schlummerten.
Tracks 1-5 wurden im Dezember 1975 in den Drumbeat Studios, Melton Road, Leicester aufgenommen und sollten als Demo für Plattenfirmen dienen. Das Line Up war bereits identisch mit dem, welches einige Jahre später auch für das Debüt verantwortlich zeichnen sollte. Musikalisch fuhr man zu der Zeit aber noch eine ganz andere Schiene.

"Unsere musikalischen Einflüsse waren sehr unterschiedlich," erzählt Andro. "BLACK SABBATH, BUDGIE, RUSH, WISHBONE ASH, FRANK ZAPPA. Gra und ich hörten auch eine Menge Jazz Rock wie WEATHER REPORT oder Stanley Clarke und vieles mehr."
Das Ergebnis variiert zwischen Power Pop, Proto Doom, Gothic Rock und psychedelischem Jam Rock, wobei die durchaus vorhandenen guten Ansätze oft in der laienhaften Produktion untergehen. Die Band war folglich mit ihren Hausierungsversuchen bei allen namhaften Londoner Plattenlabels chancenlos.
"Wir bekamen von allen nur Absagen! Eine Kopie ging noch an Radio Nottingham's Rock Show und ansonsten hat außer der Familie niemand das Material zu hören bekommen," erinnert sich Andro.
Man entschied sich, einen härteren Kurs einzuschlagen und schrieb ein komplett neues Programm, aus dem die Tracks 6-7 entstammen und später auch Teile des Debüts. Das wegweisende Opus Tetelestai wurde auch als Bonus Track auf der erweiterten und remasterten Edition von "Give 'Em Hell" (Cherry Red Records) verwendet.

Die Tracks wurden 2013 komplett remastert und klingen erstaunlich gut, insbesondere die früheren Studioaufnahmen. Wo 6-7 genau aufgenommen wurden und von wem, kann heute keiner mehr sagen, außer "irgendwo in Coventry."
Das Album erscheint bei Bad Omen Records, dem Label des ANGEL WITCH Bassisten Will Palmer, ausschließlich als edle Doppel-Vinyl-Edition, allerdings existiert auch eine independent CD-Version sowie MP3 Downloads via CD-Baby, über deren Qualität mir jedoch keine Informationen vorliegen.

Fazit: Nur für beinharte WITCHFYNDE Fans und Komplettisten, wer NWOBHM ala "Give 'Em Hell" erwartet, sollte die Finger davon lassen und lieber nach der für 2014 angekündigten "Andro Coulton Gives 'Em Hell: Witchfynde Revisited 1975-1980 And Beyond!" Tour Ausschau halten, da kann man sich dann das Teil zumindest signieren lassen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 02.03.2014