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Rule 62
Whitney Rose
Rule 62, Six Shooter Records, 2017
Whitney Rosevocals
Raul Maloguitar, vocals
Kenny Vaughnguitar, saxophone, organ
Paul Deakindrums
Jay Weaverbass
Jen Gundermanpiano
Chris Scruggspedal steel
Aaron Tillfiddle
Produziert von: Raul Malo, Niko Bolas Länge: 43 Min 32 Sek Medium: CD
01. I Don' Want Half ( I Just Want Out)06. Can't Stop Shakin'
02. Arizona07. Tied To The Wheel
03. Better To My Baby08. Trucker's Funeral
04. You Never Cross My Mind09. Wake Me In Wyoming
05. You Don't Scare Me10. You're A Mess
11. Time To Cry

Eina kanadische Country-Chanteuse mit Beehive-Frisur und „don’t mess with me”-Blick trifft auf MAVERICKS-Frontman Raul Malo, den König der Miami-meets-Pop-with-a-Stetson-Klänge und was kommt dabei heraus? Ein Old-School Nashville-Album, das Dolly Parton und Loretta Lynn Freudentränen in die Augen treiben dürfte. "Rule 62" ist nicht nur Whitney Roses Dauer-Eintrittskarte in das Ryman Theatre, es ist auch der Beweis, dass Country im 21. Jahrhundert immer noch seine Berechtigung hat.

Und wie alle großen Country-Sängerinnen kann auch Rose beides: tough sein und doch ganz weiblich. You Don’t Scare Me ist keine Kampfansage, sondern das mitternächtliche Versprechen, sich nicht von irgendwelchen Geschichten aus der Vergangenheit abschrecken zu lassen. Ein Treueschwur im Wiegeschritt, der zu Tränen rührt. Aber es geht auch ganz anders: Can’t Stop Shakin‘ ist zackiger MAVERICKS-Country-Pop auf einem spitzen Riff, der sich inzwischen zu einer Art Anti-Trump-Hit gemausert hat. Aufgenommen an dem Tag, an dem die Föhnfrisur ins Amt eingeführt wurde, wird aus dem persönlich gemeinten „Now I’m losing all control“ plötzlich ein Warnruf an das ganze Land – ein heftiges Saxopohon-Solo von Kenny Vaughn inklusive.

Der guten Country-Tradition folgend drehen sich die meisten der Songs aber um das eine: lieben, verlassen werden und wieder lieben. Mal im Walzer-Takt, mal boom-chicka-boom. Und natürlich handeln die Songs von Truckern, deren Leben und die Folgen. Ganz beschwingt singt Rose die Zeilen „Daddy was a trucker man, saw every inch of this fair land and more. He didn't mind the taxing hours, just loved the road like his old man before. Me and my two sisters and my mama missed him while he was away…” zu Beginn von Trucker’s Funeral, bevor die Erkenntnis reift: Der gute Daddy hatte eine komplette Zweitfamilie in Kalifornien. Was aber erst nach seinem Tod rauskommt. Nur Country-Phantasien? Mitnichten. Das Ganze, so erzählt Rose, ist eine Geschichte aus dem richtigen Leben, die sie in einer Bank in Austin erzählt bekommen hat.

Anders als viele ihrer Kolleginnen schielt die Kanadierin mit diesem Album ganz bewusst nicht auf den großen Mainstream-Markt. Aber sie biedert sich auch nicht den verbohrten Nostalgikern an, dazu ist Whitney Rose viel zu selbstbewusst. Hier hat eine junge Frau, die mit dem Vorgänger-Album "South Texas Suite" ihre Hommage an Austin abgeliefert hatte, die Reise fortgesetzt und in Tennessee einen höchst erfreulichen einwöchigen Stopp gemacht. Und was das Album so besonders macht, ist, dass Rose ihre Musik zwar ernst nimmt, aber dabei das Zwinkern in den Augen behält. Rule 62: „Don’t take yourself too damn seriously!“

Holger Müller, (Artikelliste), 03.12.2017