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Forevermore
Whitesnake
Forevermore, Frontiers Records, 2011
David CoverdaleGesang
Doug AldrichGitarre
Reb BeachGitarre
Michael DevinBass
Brian TichySchlagzeug
Produziert von: Los Bros Brutalos (David Coverdale, Doug Aldrich, Michael McIntyre) Länge: 63 Min 39 Sek Medium: CD
01. Steal Your Heart Away08. Love And Treat Me Right
02. All Out Of Luck09. Dogs In The Street
03. Love Will Set You Free10. Fare Thee Well
04. Easier Said Than Done11. Whipping Boy Blues
05. Tell Me How12. My Evil Ways
06. I Need You (Shine A Light)13. Forevermore
07. One Of These Days

Logo Whitesnake

Die Schlange ist bekannt dafür, sich während ihrer Wachstumsphase in regelmäßigen Abständen zu häuten und dadurch das alte, zu eng gewordene, Korsett abzustreifen. Insofern lag David Coverdale vollkommen richtig, als er seine neue Band nach dem Ende von DEEP PURPLE nach einer Schlange benannte: WHITESNAKE. Kaum eine andere Gruppe hat sich im Laufe ihrer Karriere derart häufig musikalisch verändert und gewandelt.

Standen die Anfangstage von WHITESNAKE noch eindeutig im Zeichen des Blues, was sich nicht nur in den Songtitel widerspiegelte, so transformierte Coverdale seine Band in den 1980er Jahren zur klassischen Metal-Band und lieferte mit dem Album “1987“ die Blaupause dafür, wie erfolgreicher Metal zu dieser Zeit zu klingen und vor allem auszusehen hatte. Mit Hits wie Still Of The Night, Is This Love? und vor allem Here I Go Again dominierten WHITESNAKE nicht nur den Radio-Äther sondern auch das Programm von MTV.

Mit dem musikalischen Umschwung Anfang der 1990er Jahre setzte auch bei WHITESNAKE eine erneute Umorientierung und Rückbesinnung ein. Die Alben wurden wieder etwas bluesiger und verströmten nicht mehr dieses Breitwand-Feeling, das “1987“ und “Slip Of The Tongue“ ausgezeichnet hatte. An alte Erfolge konnte die Weiße Schlange damit aber nicht mehr anknüpfen und verschwand so einige Zeit aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Erst nach der Jahrtausendwende schickte sich David Coverdale wieder an mit runderneuerter Besetzung wieder anzutreten. Als Gitarristen verpflichtete er dabei mit Doug Aldrich (ex-HOUSE OF LORDS, ex-DIO) und Reb Beach (WINGER, ex-DOKKEN) zwei ausgewiesene Meister ihres Fachs, die aber eher den harten Tönen zugeneigt sind als ein bluesiges Gitarren Duo à la Moody und Marsden zu sein. Entsprechend fiel dann auch das Studio-Comeback “Good To Be Bad“ aus, das Coverdale im Alleingang mit Aldrich komponierte. Auch wenn einige Elemente des klassischen WHITESNAKE-Sounds auf dem Album vertreten waren, so orientierte man sich klanglich deutlich an der Metal-Ära oder eher sogar noch an dem kurzlebigen COVERDALE/PAGE-Projekt.

An das letzte Werk kommt “Forevermore“ denn auch zu keiner Zeit heran. Irgendwie fehlen hier die wirklich zwingenden Melodien, die fesselnden Riffs, der eine großartige Song. Sicher, schlecht ist das Gebotene nicht, dafür sind alle involvierten Musiker einfach zu routiniert und gut. Die Gitarren-Soli von Aldrich und Beach sind toll, der Sound voll und aller Ehren würdig. Aber all das macht nicht automatisch aus einem soliden ein überragendes Album. Und in seinen schwächeren Momenten klingt “Forevermore“ ein wenig formelhaft und zu wenig inspiriert. Große Überraschungen erlebt der Hörer hier nicht.

Allerdings muss ich gestehen, dass dieses Album mit der Zeit wächst, denn nach den ersten Durchläufen war ich versucht, “Forevermore“ in Bausch und Bogen zu verdammen. Nach mittlerweile gut dreißig oder vierzig Durchgängen können mir zumindest die rockigen Songs ganz gut gefallen. Auch wenn sich ein echter Überflieger anders anhört. Aber ganz schlimm wird es bei den Balladen (vor allem bei One Of These Days), mit denen WHITESNAKE sicherlich auch bei Carmen Nebel oder Florian Silbereisen auftreten könnten und dort höchstens wegen ihrer langen Haare aus dem Rahmen fielen.

Zudem übertreibt es Coverdale einmal mehr mit seinen platten Liebes-Lyrics. Ich weiß, dass er noch nie ein großer Poet oder Lyriker war (von ernsthaften Texten wie bei einem Bob Dylan, Neil Young oder Geoff Tate einmal ganz zu schweigen), aber so platte Reime wie hier sind beinahe unerträglich. Vielleicht wäre es da ganz ratsam mal einen Lyriker um Hilfe zu bitten. Das ist nicht so abwegig, wie es zunächst klingen mag. MARILLION haben es beim Sänger-Wechsel von FISH zu Steve Hogarth auch gemacht und es hat dem ersten gemeinsamen Werk “Season’s End“ nicht geschadet. Aber immer nur weiter über Liebeskummer zu jammern oder alternativ die eigenen Liebeskünste zu beschwören wirkt nach 30 Jahren schon etwas hilflos.

Wie lange uns WHITESNAKE noch erhalten bleiben ist sicherlich noch offen. Aber so langsam läuft ihnen die Zeit davon, um an ihre großen Alben wie entweder “1987“, “Slide It In“ oder aber “Come And Get It“ anzuknüpfen. Charttechnisch war “Good To Be Bad“ sicherlich ein Erfolg (Nummer 6 in Deutschland, Nummer 7 in Großbritannien), kann aber sicherlich nicht mit der musikalischen Strahlkraft der genannten Alben mithalten, die allesamt Klassiker sind – und “Forevermore“ kann es schon gar nicht. Ein Werk für die Ewigkeit sieht leider anders aus, auch wenn hier überwiegend solide Rock-Kost geboten wird.

Marc Langels, (Artikelliste), 17.03.2011

Mann o Mann, was für ein Mediengetöse, wenn Papa Coverdale und seine Zöglinge mal wieder ein frisches Album raushauen. "Forevermore", welch pathetischer Titel. Wird die Weiße Schlange jetzt etwa sentimental? Wenn man sich den Titelsong oder den für's Mainstream-Radio kreierten Schlager One of these days anhört, könnte man glatt 'ja' sagen. Aber auch wenn manche über dieses Lied schimpfen, ich finde es recht nett. Eine Schunkelnummer, die vor zig Jahren auch Smokie, Bonnie Tyler, Rod Stewart oder Frankie Miller hätten singen können. Ist ein Ohrwurm, bleibt ein Ohrwurm.

Doch, halt! WHITESNAKE bleiben natürlich auch auf ihrem neuesten Streich nach wie vor eine hart rockende Combo, was die ersten beiden, richtig guten Tracks beweisen oder auch das vorwärts preschende My evil ways. Feiste und fette Gitarrenriffs und Coverdale zumindest hier hinterm Studiomikrofon offenbar besser in Form als vor knapp zwei Jahren auf Tour. Oh, war das damals bescheiden. Und, Coverdale kreischt glücklicherweise nicht mehr so arg wie noch bei "Good To Be Bad".
Um den Vergleich anzustrengen, "Forevermore" überzeugt in der Tat in höherem Maße als sein etwas mauer Vorgänger. Sicher, WHITESNAKE werden nie mehr solche Alben wie in den späten Siebzigern/frühen Achtzigern produzieren, aber was sie hier bieten ist schon aller Ehren wert. Es gibt zwar auch totale Durchhänger wie z.B. Love and treat me right, aber dann bringen sie auch wieder eine geile und fettt rockende Blues-Rock infizierte Nummer wie Whipping Boy Blues, wo der Oberschlangenbeschwörer mehr nach seinem Kollegen Robert Plant klingt als nach Coverdale himself. Das niedliche Fare Thee Well tönt dann wieder wie alte '73er Rod Stewart Nummer. Witzig.

Leute, ich höre das Album jetzt seit drei Wochen kreuz und quer und rauf und runter, hab's bestimmt ca. 20x durchgenudelt, also lasst mich nur eines sagen: "Forevermore" ist wirklich nicht schlecht. Besser jedenfalls als "Good To be Bad".

Frank Ipach, (Artikelliste), 22.03.2011

Kompromisse haben den gravierenden Fehler, dass alle Beteiligten verlieren. "Forevermore" ist ein erneuter Versuch David Coverdales sowohl die bluesrockafinen Altfans der Moody-/Marsden-Ära, als auch die Anhänger der amerikanisierten Melodic Rock-Phase unter einen Hut zu bekommen.

Am Ende steht ein gut gemeinter Versuch, der in beiden Lagern einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Setzen WHITESNAKE verstärkt auf bluesige Akzente, dann sind gelungene Songs wie der Opener Steal Your Heart Away und Love And Treat Me Right die rühmliche Ausnahme. Die Regel sind einfach durchschnittliche Songs, die allenfalls stilistisch an die Zeit zwischen "Trouble" und "Saints And Sinners" erinnern. Ein zweites Don't Break My Heart Again oder Cryin' In The Rain ist nicht darunter, wobei man fairerweise einräumen muss, dass man die essentiellen Songs der ‚weißen Schlange' vor 1984 problemlos auf einem einzigen Album unterbringen kann.

Die Melodic Rocker werden mit Alibiballaden ruhig gestellt, was mit Easier Said Than Done halbwegs gelingt, mit One Of These Days entsetzlich ins Beinkleid geht und bei Fare Thee Well fast schon beschämend nach den QUIREBOYS klingt.

Der Hoffnungsschimmer nennt sich Tell Me How. Hier gelingt es WHITESNAKE einmal beide Welten zusammen zu bringen. Griffige Hooks, gutes Songwriting und die ‚klassischen' Bluesreminiszenzen klingen mal frisch und zeitgemäß.

Mit dem Vorgänger "Good To Be Bad" kann "Forevermore" nicht mithalten und VOODOO CIRCLE haben ohnehin die bessere Alternative am Start. Ist der Neuheitenbonus erst aufgebraucht, wird die Scheibe in den Regalen Staub ansetzen.

Martin Schneider, (Artikelliste), 23.03.2011

Nach dem die letzte Scheibe bei Fans und Kritikern ziemlich gut abgeschnitten hatte, durfte man auf den direkten Nachfolger gespannt sein. "Forevermore" legt sich insofern auch gleich mächtig ins Zeug, was Tempo und Härtegrad betrifft, dazu traditionelle Slideguitars, Mundharmonika und ein prima Solo können durchweg punkten. Davids Vocals sind im Gegensatz zur Live Performance im Studio auch immer noch aller Ehren wert und gefällig, so machen auch die nächsten beiden Songs mit ihrem bluesigen Hard Rock Lust zum Mitwippen. Die Singleauskopplung Love will set you free klingt gar nach guten alten Glenn Hughes Kollaborationszeiten.

Balladen gehören bei WHITESNAKE zur Grundausstattung und so gibt es keinen Grund darüber zu lästern, denn wo WHITESNAKE draufsteht, sind eben Balladen drin, der eine mag sie, der andere nicht, Punkt. Außerdem gehts gleich mit einem fetten Riff weiter, sodass gar keine Zeit zum Nörgeln bleibt, Doug Aldrich leistet wie immer ganze Arbeit.
Doch so nach und nach werden die Songs belangloser, die Balladen wie die Stimme flacher, One of the days klingt gar wie Schmusecountry aus der VAN ZANT Ecke, kann man mögen, muss man aber nicht.
Ab und zu schimmern dazu einmal mehr Anlehnungen an VAN HALEN (aus der Sammy Hagar Ära) und Coverdales Faible für LED ZEPPELIN durch, was ja nicht unbedingt das Schlechteste ist, ein bisschen mehr DEEP PURPLE hätte es durchaus auch sein dürfen, um der guten alten Zeiten willen, als WHITESNAKE die vielen herrenlos gewordenen PURPLE Fans auffangen musste, denn ohne diese, wäre die Band vermutlich in Null Komma Nichts in der Versenkung verschwunden.

Fazit: Bis auf wenige Ausnahmen ein ganz passables, jedoch mittelmäßiges Hard Rock Album, die Ausreißer zeigen dabei sowohl nach oben wie unten. Fans werden vermutlich sowieso zugreifen und nicht schlecht bedient, für neutrale Hard Rocker gibt es jedoch deutlich vergnüglichere Veröffentlichungen zu entdecken, sowohl im Backkatalog der Band als auch in den aktuellen Neuerscheinungen des Genres.

Ralf Frank, (Artikelliste), 25.03.2011

Ich hatte mir ohnehin nichts Großartiges versprochen, denn für mich war WHITESNAKE spätestens mit dem Abgang von Micky Moody vorbei. Sein Kollege Bernie Marsden hatte schon vorher die Segel gestrichen. Seitdem hat mich am ehesten noch der ruhigere Stoff von WHITESNAKE ansprechen können, insbesondere das Akustik-Live-Album "Starkers In Tokyo". Das liegt daran, dass Herr Coverdale, gerade in den unteren Registern, immer noch eine geile Stimme hat. Leider bewegt er sich textlich auch meist in den "unteren Registern" und das nervt halt inzwischen etwas. Da hat sich der ehemalige Boutiquenverkäufer nicht viel weiterentwickelt.
Also bleibt auch auf dem neuen Album alles beim alten. Oder zumindest so, wie es die letzten Jahre überwiegend war. Mit dem Intro der Scheibe - klingt stark nach bei den QUIREBOYS geklaut - versucht er noch ein bisschen auf "I love the blues" zu machen, und es stampft ja auch nicht schlecht, aber irgendwie bleibt es dann doch etwas zu platt und banal. Slidegitarre hin oder her.
Manchmal erinnert sogar der Harmoniegesang an die großen Tage der Band. Da blitzt in All Out Of Luck mal was auf, aber die Gitarrensounds knüppeln das schnell wieder in die Schranken.

Überhaupt klingen mir die Gitarren zu Metal-mäßig und dazu auch noch blechern und dünn. Naja, wenn man schon den Gitarristen mit-produzieren lässt.
Das zieht sich im Endeffekt durch das ganze Album. Immer wieder finden sich ein paar schöne Sequenzen, aber fahrig und gehetzt werden sie wieder zunichtegemacht. Love Will Set You Free hätte im Prinzip auch auf einem Album wie "Trouble" (1978) sein können, aber hätte man mit Sicherheit mehr aus dieser Vorlage gemacht.
Die andere Seite ist die, wenn es mal ruhiger - direkt angenehmer - wird, dann driftet man schnell ins Seichte ab. Die Stimme ist klasse, da gibt es gar nichts, ist weit besser als ich erwartet hätte, aber wenn man, wie in Easier Said Than Done, mal einen akzeptablen Einstieg gefunden hat, ist es spätestens beim albernen Refrain aus. Tja, ist halt leichter gesagt als getan. Ich halt's jedenfalls nicht bis zum Schluss des Liedes aus.
I Need You lässt wieder aufhorchen. Nettes Blues-getränktes Gitarrenintro und ich hör noch über die etwas zu simplen Riffs hinweg, der Refrain geht noch zur Not, aber beim Solo geht dann doch irgendwie der Sprit aus.
Nee, fast immer ist das Intro nicht vom Schlechtesten, aber was nachkommt, langweilt mich meist. Oder nervt. Von wegen Whipping Boy Blues - da kriegt man höchstens vom Zuhören den Blues. Desgleichen bei Evil Ways
Und leider münden die Balladen immer irgendwie ins SMOKIE-Fahrwasser. Am deutlichsten in Fare Thee Well.
Nee, tut mir leid, vielleicht kann die Nach-1987-Fraktion mit "Forevermore" etwas anfangen. Anhänger von Moody und Marsden lassen besser die Finger hiervon.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 30.03.2011