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Pressefotos: Universal Music
A Different Kind Of Truth
Van Halen
A Different Kind Of Truth, Island Records, 2012
David Lee RothVocals
Eddie Van HalenGuitar
Wolfgang Van HalenBass
Alex Van HalenDrums
Produziert von: Van Halen / John Shanks Länge: 50 Min 14 Sek Medium: CD
01. Tattoo08.Honeybabysweetiedoll
02. She's The Woman09. The Trouble With Never
03. You And Your Blues10. Outta Space
04. China Town11. Stay Frosty
05. Blood And Fire12. Big River
06. Bullethead13. Beats Workin'
07. As Is

Logo Van Halen

Na, das kann ja wohl nicht sein: Am Schluss war es der Bassist, der das Profil der Band am deutlichsten geschärft hat und der Lehrling überflügelt letztlich den Meister? Oder was?
Nicht ganz unberechtigt darf man behaupten, dass ohne einen Eddie Van Halen ein Joe Satriani, vielleicht nicht unmöglich, aber doch nicht so gut aus den Startlöchern heraus gekommen wäre. Letztlich ist er in diesen die meiste Zeit hängen geblieben und erst mit CHICKENFOOT ist ein band- und songdienlicher Gitarrist aus ihm geworden. Tja, und Michael Anthony? Den hatte man bei VAN HALEN doch als Austauschbarsten von Allen abgestempelt gehabt. Auf der Bühne rumrennen und Jack Daniels saufen - das können auch andere. Letztlich ist es vielleicht sein pumpender Bass und ganz sicher sein hoher Backgroundgesang, der einem hier abgeht. Aber von Anfang an:
Muss ich hier etwas weiter ausholen? Nun ja, immerhin war das mein erstes "richtiges Rockkonzert", anno 1980 in der Kürnachtalhalle in Würzburg. Also noch die legendäre "Mark I"-Besetzung von VAN HALEN und die ersten Scheiben dieser Band sind einfach nur geil gewesen und sind es heute noch. Basta! Sowohl "I" als auch "II" sind obergeniale Scheiben, die vor Esprit nur so sprühen und auch die beiden folgenden Alben, "Women And Children First" und "Fair Warning", sind ein Muss für jeden, der nur halbwegs auf Rockmusik steht.
Danach ging's eher rauf und runter, aber jede Veröffentlichung der Ur-Besetzung hat ihre Reize. Ich hab auch noch die ersten Platten mit Sammy Hagar als Sänger gemocht ("OU 812" ist ein tolles Album!), aber irgendwann war die Luft raus und Umbesetzungen brachten sie auch nicht wieder rein.
Da muss es doch wie Erlösung klingen, wenn "Diamond Dave" David Lee Roth in den Schoß der (Van Halen-) Familie heimkehrt, auch wenn dieweil besagter Michael Anthony seine Brötchen inzwischen bei CHICKENFOOT geschmiert bekommt.

Also draufgestürzt auf die "Reunion" und schon die erste Nummer, Tattoo, ... enttäuscht mich. Roth hätte ich als Sänger wohl gar nicht erkannt, Eddie Van Halens einst so innovatives Gitarrenspiel ist ein müder Abklatsch alter Zeiten und für die so prägnante Snare-Drum von Bruder Alex muss man auch verdächtig genau hinhören. Das waren die wichtigen Eckpfeiler dieser Band! Ich erwarte ja nicht, dass Dave singt wie 1980, aber etwas mehr Erkennungswert hätte ich doch erhofft. Mal von dem unheilvoll im Hintergrund auftauchenden Keyboard ganz zu schweigen. Selbiges bleibt zum Glück auch dort.
Na, immerhin bei She's The Woman wird’s einiges besser. Die Stimme kommt erkennbarer und auch Eddie orientiert sich mehr an seinem ursprünglichen Stil. Ja, es muss jetzt nicht alles wie "damals" klingen, aber etwas mehr in diese Richtung sollte schon sein. Warum sonst eine "Reunion"? Jedenfalls fühle ich mich hier schon fast an Songs wie Drop Dead Legs erinnert.
You And Your Blues mischt ganz nett textliche Zitate aus anderen Rocksongs, plätschert mir aber zu sehr im Tra-La-La-Stil dahin. Da nützen die Backgroundchöre auch nichts. Man muss aber Eddie zu Gute halten, dass er sich gitarristisch im Solo gut ins Zeug legt und demonstriert, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist.
Es sind hier durchaus gute Nummern drauf. Bullethead fetzt ziemlich gut ab - ein bisschen wie Loss Of Control -, aber schon bei As Is ärger ich mich wieder über den besch... Schlagzeugsound. Was ist denn das für ein plattes Geklapper? Das hält keiner lang aus. The Trouble With Never hört sich zwar nicht unbedingt nach VH an, aber der leicht wirre Song geht trotzdem gut ins Ohr. Outta Space verweist etwas an selige Mean Street-Zeiten und Stay Frosty versucht den Spagat zwischen Ice Cream Man und Take Your Whiskey Home.

Letztlich wäre hier mehr drin und ist auch mehr drin, aber für mich krankt das Album an der Produktion. John Shanks ist vielleicht was für BON JOVI, aber sicher nix für VAN HALEN. Ted Templeman, wo bist du?!
Eddies Sohnemann, Wolfgang, am Bass traut sich nicht allzu viel, der Rest macht, was noch geht, was ja teilweise noch recht beachtlich ist. Ein "welcome back" will mir so nicht über die Lippen, aber zu einem "hello again" reicht es immerhin.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.02.2012

Das mit Spannung erwartete "A Different Kind Of Truth" orientiert sich an "Women And Children First" oder "Fair Warning". Geschmeidiges Songwriting a la "1984" geht dem Album komplett ab. Die Band müht sich krampfhaft, um Eddie Van Halens Saitengeschrubbe halbwegs strukturierte Kompositionen zu konstruieren und scheitert dabei kläglich. Packende Melodien oder griffige Refrains? Fehlanzeige! Die giftige Härte, die Nummern wie And The Cradle Will Rock oder Unchained auszeichnete, ist nie auszumachen. Was es bis zum Abwinken gibt ist aufgeblasene Kaspermucke, die vielleicht auf einer Las Vegas-Showbühne mit silikongedopten Schlammcatcherinnen im Hintergrund zünden mag.

Da habt ihr eure alten VAN HALEN wieder! Wer die Allerweltsalben mit Roth - das Debüt und "1984" bewusst außen vor gelassen - für Göttergaben hält, der wird auch "A Different Kind Of Truth" etwas abgewinnen können. Allerdings enthielten die alten Scheiben mit dem schrecklich überbewerteten Rock'n'Roll-Kasper wenigstens jeweils zwei, drei herausragende Songs, die man keinesfalls missen wollte. Auf dem aktuellen Werk habe ich die nicht entdecken können. Die Scheibe klingt zwar nach VAN HALEN, doch das Songwriting spottet jeder Beschreibung.

Martin Schneider, (Artikelliste), 14.02.2012

Das, worauf die versammelte Rockwelt garantiert voller Spannung, aber sicher auch mit gemischten Gefühlen, gewartet hat, ist jetzt also Wirklichkeit geworden. Es gibt ein neues Studioalbum von VAN HALEN. “A Different Kind Of Truth“ haben sie es getauft.

Zu dem (großen) Interesse hat ganz sicher vor allem die Tatsache beigetragen, dass Vokalartist David Lee Roth seit vielen, vielen Jahren wieder an einer Studioproduktion der Band beteiligt wurde. Zuletzt war dies bei “1984“, also vor nahezu dreißig Jahren, der Fall gewesen.

Hat sich das Warten gelohnt? Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Die Tracks wirken nämlich, zumindest teilweise, nicht nach der ersten Kategorie. Irgendwie macht das Material über weite Strecken den Eindruck, als stamme es von der Resterampe. Die dreizehn Stücke sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Meine Favoriten sind eindeutig You And Your Blues und Chinatown. Der Rest schwankt zwischen passabel, nett und grausam. Letzteres gilt vor allem für Tattoo, Honeybabysweetiedoll, The Trouble With Never und Stay Frosty.

Mit “A Different Kind Of Truth“ liefern VAN HALEN eine, insgesamt betrachtet, wenig überzeugende Arbeit ab. Klar, ist David immer noch gut bei Stimme und Eddie kann super Gitarre spielen (er übertreibt es manchmal sogar mit seinem Gitarrenheldentum). Für einen Albumklassiker ist das hier Dargebotene trotzdem definitiv um einiges zu dürftig. Was weit überwiegend am nicht so tollen Songwriting liegt.

Michael Koenig, (Artikelliste), 17.02.2012

Tattoo war wohl der denkbar schlechteste Appetithappen, um die Stimmung für das erste VAN HALEN-Album mit David Lee Roth als Frontmann seit 28 Jahren anzuheizen. Durch den eher durchschnittlichen Rocker fühlten sich viele Fans in ihren Befürchtungen und auch zahlreiche Neider in ihren Hoffnungen bestätigt: Eddie, David, Alex und Wolfgang haben es nicht mehr drauf. Zugegeben, nach einigen Durchläufen wird das Lied besser und es ist sicherlich ein Zugeständnis an die Radiostationen, aber als erstes Lebenszeichen nach so langer Zeit ist es einfach ein wenig fad.

Zum Glück ist der Track, der zugleich der Opener des Albums ist, nicht repräsentativ für den Rest des Materials und eindeutig als Anfangsstück komplett falsch platziert. Viele der Stücke auf “A Different Kind Of Truth“ basieren auf alten Demos der Band und klingen daher auch sehr nach Old-School-VAN HALEN. So dürften Tracks wie She’s The Woman, You And Your Blues, China Town, As Is oder The Trouble With Never den Anhängern der frühen Werke auch heute gut gefallen. Zudem bleibt Eddie Van Halen auch nach all den Jahren ein wahrer Gitarren-Gott, der selbst die durchschnittlichen Songs mit seinen Soli noch ordentlich aufwertet.

Es gibt sicherlich auch ein paar Songs, die nicht so imponieren, wie etwa Bullethead, Stay Frosty oder Big River. Unter dem Strich bleibt damit ein gutes Rock-Album mit einigen wirklich überzeugenden Tracks sowie einer Menge exzellenter Gitarren-Arbeit.

Marc Langels, (Artikelliste), 15.02.2012

Wow! Die neue VAN HALEN darf man wohl als eine der erfreulichsten Neuerscheinungen des laufenden Monats einstufen. "A Different Kind Of Truth" zeigt die andere Seite der Medaille, die etwas verstaubt geglaubte, nach der Sammy Hagar fast schon angerostete Kehrseite der Band. Man könnte sentimental werden und behaupten, das neue Album sei die lang ersehnte Rückkehr zu alter Stärke. Ja, tatsächlich, die alte Härte ist zurück, gesunde Härte wohlgemerkt. Hier findet man keine Weicheier-Sounds. Alles ist fett und rockig.

Der gute, alte David Lee Roth ersetzt den inzwischen in die CHICKENFOOT-Spaßrocker-Abteilung abgewanderten Sammy Hagar. Den anderen Hühnerfuß, Bassmann Michael Anthony, ersetzt Eddie van Halens Sprössling Wolfgang. Jüngling Wolfgang spielt nicht wie Anthony, sondern eher wie Billy Sheehan. Man höre z.B. Bullethead oder As is.

Saitenzauberer Eddie scheint in Hochform, schmeißt mit geilen Licks und Riffs und teuflischen Soli nur so um sich. Hokklines? Ja, aber nicht so plakativer Kram wie zuletzt. Kein Hitparadenfutter. Das ist reiner Albumstoff. 13 Songs, nur gutes Zeugs. Tattoo könnte man möglicherweise als Hit vermarkten. Muss aber nicht sein. VAN HALEN sind eine Album-Band. Wow, Honeybabysweetiedoll, wenn das nicht den müdesten Headbanger hochschreckt. Sehr geil. Die alten VH Fans werden vor Freude jubilieren.

Frank Ipach, (Artikelliste), 17.02.2012

Der ein oder andere Song geht ganz gut ab, manche sind allerdings etwas dröge. Wie man liest, sind diverse auch aus der VH Frühphase, von Demos und damals nicht verwendete Tracks, meist sind solche aber auch nicht ohne Grund aussortiert worden, nicht mal unbedingt, weil sie schlecht waren, aber oft weil sie anderen, besseren, zu sehr ähnelten. Nach so vielen Jahren spielt das aber keine Rolle mehr, nennen wir es Hommage.

David Lee Roth singt eigentlich ganz ok, aber man muss schon genau hinhören, um ihn zu erkennen, er hat mittlerweile eine andere Stimmlage und vermutlich nicht mehr viel Volumen, außerdem fehlt die zweite Stimme, die früher Michael Anthony übernommen und die neben Eddies Gitarrenspiel einen hohen Wiedererkennungswert hatte.
Eddie hat es dagegen immer noch voll drauf, aber das konnte man ja bereits 2006 bei seiner Co-Produktion eines Michael Ninns Hochglanzpornos, zu dem er in Teilen auch den Soundtrack beisteuerte, erahnen.

Fazit: Alles in allem kein schlechtes Hardrock Album, im Gegenteil, besser zumindest als die letzte CHICKENFOOT.

Btw.: Warum hat David Lee Roth eigentlich seine Solo-Karriere aufgegeben und fuhr danach Rettungswagen in New York (von einer kleinen Gastrolle in "Die Sopranos" mal abgesehen), die Alben waren doch nicht verkehrt?

Ralf Frank, (Artikelliste), 24.02.2012