Life Is Good On The Open Road
Trampled By Turtles
Life Is Good On The Open Road, Banjodad Records, 2018
David Simonettvocals, guitar
Erik Berrymandolin, vocals
Tim Saxhaugbass, vocals
Dave Carrollbanjo, vocals
Ryan Youngviolin, vocals
Eamonn McLaincello, vocals
Produziert von: Nick Tveitbakk & Trampled By Turtles Länge: 39 Min 18 Sek Medium: CD
01. Kelly's Bar07. Life Is Good On The Open Road
02. We All Get Lonely08. Blood On The Water
03. The Middle09. I Went To Hollywood
04. Thank You, John Steinbeck10. I'm Not There Anywhere
05. Annihilate11. Good Land
06. Right Back Where We Started12. I Learn The Hard Way

Die Zeiten, als Bluegrass eine streng konforme und reglementierte Musik war, sind zum Glück lange vorbei. Aber was aus den Tagen geblieben ist, als der Bluegrass seinen Weg aus den Appalachen heraus fand, ist die schier unbändige Spielfreude guter Bands. Mikros aufstellen, Instrumente in die Hand nehmen und los geht's. Singen kann ohnehin jeder, und wenn Mandoline, Violione und Banjo erst mal in Fahrt kommen, bleibt sowieso niemand mehr sitzen.

TRAMPLED BY TURTLES kommen nicht aus den Appalachen und auch nicht aus Kentucky, sondern aus Minnesota. Das hat das Sextett aber nicht davon abgehalten, in der vergangenen Dekade zu einem der bekanntesten Blue- oder auch Newgrass-Act zu werden, mit Klassikern von Del McCoury ebenso vertraut wie mit den fast schon parodistischen Ablegern des Genre wie HAYSEED DIXIE.

Und auch die längere Pause, die sich die Band nach jahrelangem Touren zuletzt verordnet hatte, hat nichts daran geändert, dass hier eine bestens aufeinander abgestimmte, moderne Bluegrass-Band jede Menge Spaß hat, in die Saiten zu hauen oder in den Balladen in vielfältigen Harmonien zu schwelgen. Im Oktober 2017 fand man sich in einer abgelegenen Hütte wieder zusammen, just als die Nachricht vom Tod Tom Pettys bekannt wurde. Eine spontane Live-Aufnahme von Wildflowers war dann die Initialzündung für das neue Album "Life Is Good On The Open Road". Aufgenommen in sechs Tagen, mehr brauchen echte Könner nicht.

Denn das Album hat alles, was es für die "road" braucht: den Fuss wahlweise auf dem Gaspedal (Kelly's Bar) oder ganz gemütlich die Landschaft vorbeiziehen lassend (I Went To Hollywood). Nach so vielen Jahren "on tour" darf die Band auch mal ein bisschen sentimental zurückblicken (Thank You, John Steinbeck), zumal sich Sänger und Songschreiber David Simonett immer bewusst ist: "I already know, how lucky I am." Und die Violine weint leise dazu...

Aber Wehmut wollen TRAMPLED BY TURTLES nur bedingt aufkommen lassen. Dafür bietet die "open road" dann doch zu viel Abwechslung. Blood In The Water ist der wütende Track, bei dem die Finger schneller über die Saiten fliegen, als die Blicke folgen können. Annihilate der Floor-Stomper, mit dem auch noch der letzte Zuhörer zum "Stompen" gebracht wird. "I learn the hard way" singt David Simonett im letzten Song des Albums fast schon selbstanklagend, während die Sonne untergeht. Dabei hat die Band die tröstlichste Gewissheit doch bereits im zweiten Song We All Get Lonely formuliert: "We all get lonely, there's no way around it. We all get lonely, and then we make it through..."

Holger Müller, (Artikelliste), 29.04.2018