A Deeper Cut
The Temperance Movement
A Deeper Cut, Earache Records, 2018
Phil CampbellGesang
Nick FyffeBass
Simon LeaSchlagzeug
Paul SayerGitarre
Matt WhiteGitarre
Produziert von: Sam Miller & The Temperance Movement Länge: 43 Min 19 Sek Medium: CD
01.Caught In The Middle07. Beast Nation
02. Built-In Forgetter08. The Way It Was And The Way It Is Now
03. Love And Devotion09. Higher Than The Sun
04. A Deeper Cut10. Children
05. Blackwater Zoo11. There's Still Time
06. Another Spiral12. The Wonders We've Seen

Die Briten THE TEMPERANCE MOVEMENT bereichern die klassisch ausgerichtete Rock-Szene schon seit etwa sieben Jahren. Vor knapp zwei Jahren haben sie mit “White Bear“ bereits zum zweiten Mal unter Beweis gestellt, dass neben den Amerikanern und Label-Kollegen RIVAL SONS auch die Briten einen gepflegten, Blues- und Southern-infizierten Retro Rock bieten können. Wie schon beim Debüt kletterte auch dieses Album bis in die britischen Top 20 der Album-Charts. Das damalige zweite Werk war definitiv ein gutes, offenbarte aber noch etwas Luft nach oben. Insofern war ich gespannt, ob es der Band mit dem vorliegenden Nachfolger gelingen würde, dieses Potenzial zu maximieren.

Und man kann es gar nicht nachdrücklich genug klar machen: THE TEMPERANCE MOVEMENT haben sich hier nicht nur gesteigert, sondern sie gehen hier geradezu „durch die Decke“. Denn so stimmig, abwechslungsreich und begeisternd wie sich die Briten hier präsentieren können die fünf Musiker bald schon die Spitzenposition im Bereich des Classic Rock für sich beanspruchen. Da müssen sich die Konkurrenten wie die RIVAL SONS aber auch die diversen Nachfolge-Bands der BLACK CROWES künftig ganz schön strecken, um hier mithalten zu können. Aber auch Freunde von Derek Trucks - und seiner Band mit seiner Frau Susan Tedeschi zusammen - sollten mal in Stücke wie Blackwater Zoo, Another Spiral und Co. lauschen, sie werden wohl extrem angenehm überrascht werden.

Photo-Credit: zur Verfügung gestellt von Oktober Promotion

Aber das wirklich begeisternde an der Scheibe ist, mit welcher Leichtigkeit THE TEMPERANCE MOVEMENT hier die verschiedenen Stile zusammenbringen und in einer herrlich harmonierende, stimmige Scheibe vereinen, die nicht forciert oder zusammengestückelt wirkt, sondern im besten Sinne des Wortes „wie aus einem Guss“. Der Sound der Produktion tut sein Übriges zum Gelingen der Scheibe. Angenehm warm wie eine analoge Produktion aber nie dumpf wie es manchmal vor Jahrzehnten der Fall war sondern klar und stets differenziert, so dass man einfach mal klar auf den Bass achten kann oder auf das, was Drummer Simon Lea da so treibt, um die Musik so herrlich zum grooven zu bringen. Dafür gebührt neben den Musikern auch erneut Stamm-Produzent Sam Miller der Dank, denn das Album ist eine wirkliche Wonne für die von den flachen und seelenlosen Pop-Produktionen geschudenen Ohren.

THE TEMPERANCE MOVEMENT machen auf “A Deeper Cut“ wirklich alles richtig und liefern eines der frühen musikalischen Highlights des Jahres 2018 ab. Klassische Rock-Songs mit einem fast schon BEATLES-esquen Gespür für Melodien voller Seele und Feeling sorgen schnell dafür, dass das dritte Werk der Briten als Album mit extrem hohen Suchtfaktor eigentlich einen warnenden Aufkleber bräuchte. THE TEMPERANCE MOVEMENT stoßen damit in die Stratosphäre vor, wo die Luft für die Konkurrenz dünn wird. “A Deeper Cut ist eines der Alben, von dem man auch in 20, 30 und mehr Jahren noch sprechen wird. Und nicht von den Plastik-Produktionen wie Katy Perry, Justin Timberlake & Co. Es wird Zeit, dass das auch mal der Rest der Welt endlich merkt.

Marc Langels, (Artikelliste), 08.02.2018