Girls Go Wild
The Fabulous Thunderbirds
Girls Go Wild, Repertoire Records, 2013 (1979)
Jimmy VaughanGuitar
Kim WilsonVocals and Harmonica
Keith FergusonBass
Mike BuckDrums
Produziert von: Denny Bruce Länge: 66 Min 14 Sek Medium: CD
01. Wait On Time11. Let Me In
02. Scratch My BackBonus Tracks:
03. Rich Woman12. Scratch My Back (live)
04. Full Time Lover13. She's Tough (live)
05. Pocket Rocket14. Full Time Lover (live)
06. She's Tuff15. Feelin' Good (live)
07. Marked Deck16. Wait On Time (live)
08. Walkin' To My Baby17. Pocket Rocket (live)
09. Rock With Me18. Wait On Time (live)
10. C-Boys Blues

"Girls Go Wild" nannten THE FABULOUS THUNDERBIRDS ihr Debütalbum, dabei waren es längst nicht nur die Mädels, die auf die Band abfuhren. Über etliche Jahre hatten sich die "Donnervögel" schon als "Houseband" im Antone's Nightclub in Austin ihre Sporen verdient, waren an den eigenen Auftritten und den Jobs als Backing-Bands für Stars wie Muddy Waters gereift und hatten bald - auch dadurch, dass solche Künstler das "Wort" verbreiteten - einen Ruf, der weit über die Grenzen von Texas hinausreichte.
Benannt nach einem Song der legendären NIGHTCAPS, die vielen als die erste Blues Rock Combo aus Dallas, Texas, gelten, wurde 1979 dieses Album eingespielt und wird nun von Repertoire Records wiederveröffentlicht. Zur gewohnt vorbildlichen Ausstattung der Scheibe gesellen sich gleich sieben Bonus-Tracks, die allesamt live aufgenommen wurden und aus jener Zeit stammen.

Dabei kling schon das Studioalbum so live, als wäre es in einem Rutsch an einem der Abende im "Antone's" mitgeschnitten worden. Ich bin also wirklich total angetan von diesem Sound. Das liegt sicherlich zum Teil an der Produktion und die "Wiederaufbereitung" wird auch ihren Anteil haben, aber in erster Linie ist das das Zusammenspiel dieser Typen. Das spricht und klingt die Erfahrung von Hunderten von Live-Gigs aus jeder Note.
Nichts wird überladen, nur das, was sein muss, wird gespielt, aber vermissen tut hier keiner was. Oft genug hat man, wie in Scratch My Back, den Eindruck, das ist denen genau in dem Moment eingefallen und sie haben es sich kurz zugerufen. Ob das "Chicken-Picking" oder das Blues Harp-Solo, immer klingt es spontan und auf den Punkt. Besonders Jimmie Vaughan tut sich mit einfallsreichem Spiel, innerhalb der Grenzen dieser Musik, und effektiven Sounds des öfteren hervor. Da vibriert und wummert es leicht verzerrt in bester Swamp-Manier in Rich Woman oder es kommt der pure Blues-Ton im folgenden Full Time Lover. Auch die Rhythmusabteilung liefert einen perfekten Job ab. Manchmal denkt man, die klappern halt etwas im Hintergrund herum, aber das passt alles hervorragend und liefert Gitarre und Harp erst die Unterlage, auf der diese glänzen können.
Ein ums andere Mal bin ich beeindruckt, wie Jimmy Vaughan seine Töne perfekt setzt und sich völlig ohne Geschwindigkeitsräusche profilieren kann.

Und dann ist da natürlich noch die Stimme und die Blues Harp von Kim Wilson. Erst kürzlich hat er mit seinen aktuellen "Vögeln" ein Album veröffentlicht und gezeigt, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört. Aber so wenig wie auf deren aktueller Homepage - deswegen nebenan auch die von Jimmy Vaughan vermerkt - die Leistungen der Ursprungs-Band gebührend gewürdigt wird, so sicher ist, dass damals doch ein anderes Kaliber am Werk war.
Da braucht man nur einmal in She's Tuff reinzuhören, um den Hitzgrad dieser Truppe zu spüren. Dass das im Konzert, mit der entsprechenden Anfeuerung durchs Publikum, noch besser kam, davon zeugen die zusätzlichen Live-Titel auf dieser Neuauflage.
Dass etwa Wait On Time insgesamt gleich drei Mal vertreten ist, schadet kein bisschen, denn jedes Mal ist es ein bisschen anders und Dutzende von Texas-Blues Bands haben hier ihre Lektionen draus gezogen.
Wir werden uns noch mit den folgenden Alben beschäftigen, aber diese Scheibe ist Basisnahrung für alle Blues Rock Fans und Bands.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.11.2013