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L.A. Woman - 40th Anniversary
The Doors
L.A. Woman - 40th Anniversary, Warner Music, 2011 (1971)
Jim MorrisonVocals
Robby KriegerGuitar
Ray ManzarekPiano, Organ
John DensmoreDrums
Jerry SchellBass
Marc BennoRhythm Guitar
Produziert von: Bruce Botnick & The Doors Länge: 99 Min 58 Sek Medium: CD
Disc 1:
01. The Changeling06. L'America
02. Love Her Madly07. Hyacinth House
03. Been Down So Long08. Crawling King Snake
04. Cars Hiss By My Window09. The WASP (Texas Radio and the Big Beat)
05. L.A. Woman10. Riders On The Storm
Disc 2:
01. The Changeling (Alternate Version)06. Been Down So Long (Alternate Version)
02. Love Her Madly (Alternate Version)07. Riders On The Storm (Alternate Version)
03. Cars Hiss By My Window (Alternate Version)08. She Smells So Nice
04. L.A. Woman (Alternate Version)09. Rock Me
05. The WASP (Texas Radio and the Big Beat) (Alternate Version)

Ja, ich weiß, das Album kam bereits 1971 heraus und somit ist der 40. eigentlich schon vorbei, aber anscheinend war man da bei Warner auch nicht ganz auf Zack. Aber was soll's? An der Qualität von "L.A. Woman" ändert sich dadurch nichts und wenn es erst jetzt erscheint, so macht Inhalt und Verpackung doch Spaß. Großartig vorstellen braucht man die Musik auf dem Album ja eigentlich nicht mehr. Das selbstbetitelte Debütalbum bleibt für mich der unumstößliche Meilenstein und das beste Album der Band. Klassiker reiht sich da an Klassiker. Aber gleich danach kommt für mich eben "L.A. Woman".
Nachdem sich Stammproduzent Rothchild nach den Probeläufen zum Album verabschiedet hatte, da ihm die Songs offenbar nicht gut genug waren, nahmen die DOORS, mit Techniker Bruce Botnick, die Produktion in die eigenen Hände und förderten ein richtiges kleines Meisterwerk zutage. Und das innerhalb von 4 Tagen! Da ist ja heutzutage kaum mehr das Schlagzeug gestimmt.
Wenn das Songmaterial stimmt und die Band gut in Form ist, dann ist das anscheinend kein Problem. Und hier ist nun - mit Bonus-CD UND einem unveröffentlichten Song - das Album in einem schönen Digi-Pack mit Booklet wieder zu haben. Für manchen vielleicht erstmals.

Inspiriert geht es jeden falls mit dem funkigen The Changeling los und man bekommt gleich Lust, hier Mitzugrooven. Die Stimme Morrisons klingt sehr "alt", aber nach wie vor charismatisch. Ein echter Jammer, dass er nur noch wenige Monate leben sollte. Klar, sind einem die Melodien seines Gesanges geläufig und hier und da kommt mir Soul Kitchen in den Hinterkopf, faszinierend ist es immer. Wie auch der nahezu hypnotische Rhythmus, der manchen Hörer an einen späteren Disco-Hit erinnern wird. Ich sag nur "Won't you take me to ...".
Einer der Hits der DOORS folgt mit Love Her Madly. Unnachahmlich in ihrem lockeren-flüssigen Stil und ihrem dynamischen Aufbau, was zum großen Teil ein Verdienst von Ray Manzarek an Orgel und Piano ist. Die Gitarrenmelodie ist zwar zum Teil bei einem Blues von Muddy Waters geklaut, aber schon Soul Kitchen hatten sie bei Wilson Pickets In The Midnight Hour, wie Manzarek kürzlich zugab. Der Freude an der Musik tut das keinen Abbruch.
Mir scheint die Band überhaupt hier wieder mehr Richtung Blues zu tendieren. Oder, wie es Jim Morrison formulierte: "It's just getting back to more of what we enjoy". Been Down So Long hat so den CANNED HEAT Boogie-Drive, während man bei Cars Hiss By My Window mehr dem lockeren Slow-Blues frönt. Das kann schnell langweilig werden, wenn man da nicht solch großartige Musiker spielen hat. Kein Ton zu viel und keiner zu wenig. Einfach gut. Und dann natürlich die Über-Nummer: L.A. Woman. Auch hier wieder grandios, wie die Band sich aus einem vermeintlichen Jam in diesen Song reinsteigert und ihn zum einem mitreißenden Highway-Cruiser macht.

Der "Vorteil", den LPs hatten, ist der, dass sie zwei Seiten hatten und man so gezwungen war eine Seite zu beenden und die nächste zu beginnen. Klingt banal, aber nur so konnten manche Songs richtig wirken. Also ist eine kleine Anstandspause nach L.A. Woman angebracht, bevor L'America, leicht sphärisch, den "zweiten Teil" einläutet. Hier zeigt sich wieder die ganze Klasse der Band, die von einem fast progressiv-psychedelischen Part in einen munteren Blues-Boogie so einfach hinübergleitet.
Mit Hyacinth House macht man einen Abstecher Richtung Country, aber immer mit dem unverkennbaren Sound und Stil gewürzt. Die Bandbreite die Sänger Morrison an den Tag legt ist schon toll und womöglich war der Lizard-King die einzige echte Konkurrenz für Mick Jagger in der damaligen Zeit.
Die Stimme dominiert auch das schleppende, schwitzende Crawling King Snake und erst recht The WASP, welches der Sänger im Sprechgesang bestreitet und auch so den Hörer in seinen Bann zieht. Gekrönt wird das Album dann natürlich von seinem zweiten Single-Hit Riders On The Storm. Oft kopiert und gecovert, kommt doch keiner ans Original heran. Wie die DOORS mit nur wenigen Tönen so eine Atmosphäre zaubern können, ist schon eine Klasse für sich. Auch nach 40 Jahren.
Auf dem zweiten Silberling finden sich überwiegend "Alternate Takes" der veröffentlichten Songs, die aber allesamt sehr interessant zum Anhören sind. Oft genug bekommt man eine Idee, wie sich diese Nummern entwickelt haben und wie mit Sicherheit verschieden Varianten davon eingespielt wurden. Also nicht die "Instrumental Version" oder "Piano Version" oder sonst was, was einem da gern und oft serviert wird, sondern wirkliche Songs in ihrer Ursprungs- oder einfach anderen Version.
Der viel angepriesene unveröffentlichte Song, She Smells So Nice, ist jetzt kein Weltwunder. Das ist ein flotter Blues, der durchaus Spaß macht und unterhaltsam ist, mit den restlichen Songs hier aber nur bedingt konkurrieren kann. Trotzdem schön.
Und schön ist somit auch diese Wiederveröffentlichung. Wer die CD bereits in gutem Sound hat, muss hier nicht in den Galopp verfallen, aber wer seine LP ausgemustert hat oder gar bisher noch zurückstand, der sollte hier zugreifen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.01.2012