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Bye Bye Blues
The Blues Band
Bye Bye Blues, Repertoire Records, 2012 (1983)
Gary FletcherBack-Up Vocals & Bass Guitar
Paul JonesLead Vocals, Harmonica
Dave KellyLead Vocals, Slide Guitar
Tom McGuinessBack-Up Vocals, Lead Guitar
Rob TownsendDrums
Friends:
Jo-Anne KellyLead Vocals on Don't You Lie To Me & Baby What You Want Me To Do
Phil MayLead Vocals on Big Boss Man
Alexis KornerLead Vocals on Spoonful
John 'Irish' EarleSaxes
Dick HansonTrumpet
Ian 'Stu' StewartPiano
Mark FelthamHarmonica on Last Night>/i>
Produziert von: The Blues Band Länge: 86 Min 51 Sek Medium: CD
CD 1:
01. Come On In07. Can't Hold On
02. Hey, Hey, Little Girl08. It Might As Well Be Me
03. Death Letter09. Nadine
04. Grits Ain't Groceries10. Big Boss Man
05. Flat Foot Sam11. Maggie's Farm
06. Don't You Lie To Me12. Treat Her Right
CD 2:
01. Find Yourself Another Fool06. Boom Boom (Out Go The Lights)
02. Big Fine Girl07. Last Night
03. Someday Baby08. Baby What You Want Me To Do
04. Rolling Log09. Spoonful
05. Green Stuff

Ja, ich weiß, ich hab es schon oft genug erwähnt und gepriesen, aber - für mich – gibt es nun mal keine formidablere Gute-Laune-Band als THE BLUES BAND. Punkt. Und damit ist keineswegs eine Kasperles-Herumblödel-Band gemeint, sondern das liegt daran, dass aus dem Spiel der Band einfach deren Spaß und Freude an dieser Musik spricht. „Sprüht“, müsste man eher sagen! Blues kann man sicher auch als anrührende und ansprechende, hochtragische Emotionsgeschichte zelebrieren - und bisweilen kommt das auch richtig gut -, aber wer Lust auf Party und gute Laune hat, der bevorzugt doch am besten diese fünf Briten, deren ebenso sympathische wie fundierte Art einen jeden mitreißen muss, der nicht den Kopf im Metall-Block oder im seichten Pop stecken hat.
Das 1983 veröffentlichte Live-Album der Band, "Bye Bye Blues" rundete die ersten vier Alben kongenial ab. Zwar war bei "Brand Loyalitiy" der Dampf nicht mehr ganz so groß, wie bei den Vorgängeralben, aber die Qualität der Band war nach wie vor hervorragend. Lediglich die Songs hatten nicht die durchgehende Güte.
Auf "Bye Bye Blues" - dem damaligen Abschieds-Album -, welches nun, löblicherweise, erweitert und zum Doppelalbum aufgestockt wiederveröffentlicht wurde - ist die Band zweifellos auf einen Höhepunkt. Der Esprit des Debütalbums ist von Beginn an zu präsent. Man hör nur die Band durch Come On In stürmen, wieder mit ihrem typischen, mehrstimmigen, Gesang und den wechselnden Soli von Blues-Harp und Slide-Gitarre. Das hinterherhechelnde Hey, Hey, Little Girl dürfte bereits für ein kollektives Happening in den damaligen Konzerten gesorgt haben und Paul Jones' brillantes Harp-Spiel wird für verzückt grinsende Gesichter gesorgt haben. Und das tut es auch heute noch.

Dass Dave Kelly zu den Top-Slide-Spieler im Vereinigten Königreich gehört, hört man u. a. in Death Letter. Kurz und gut, das ist im Allgemeinen das Motto, nachdem diese Band ihre Songs angegangen ist, jedoch demonstriert sie live durchaus, dass auch Überraschungsmomente durchaus Programm sind und bei den Soli auch mal eine Ehrenrunde drin ist. Flat Foot Sam kommt noch etwas rasanter als im Studio und Paul Jones dehnt sein Blues-Harp-Solo um einige Takte über die übliche Zeit hinaus.
Zu so einem Anlass lädt man auch gern ein paar Gäste ein und so findet man am hämmernden Boogie-Piano keinen Geringeren als den Ur-STONE Ian Stewart, der in Don't You Lie To Me Dave Kellys Schwester, Jo-Anne Kelly, so toll unterstützt. Die Blues-Lady unterstützt die Band bei zwei Songs mit ihrer vollen Stimme aufs Beste.
Can't Hold On hat mir schon auf "Ready" besonders gefallen (da firmierte es noch unter I Can't Hold Out Much Longer) und auch hier gelingt die soul-getränkte Nummer prächtig. Vor allem Jones' Harp-Solo und seine emotionale Gesangsdarbietung sind von besonderer Güte. Das ist natürlich kein Farbiger aus Chicago, der da singt, aber im "weißen Blues" wird man da auch nie so richtig authentisch bekommen.
Auf der ersten CD gefallen mir noch - eigentlich ein Schmarrn, denn es gefällt mir alles! - besonders, das Bläser-gepushte Nadine und das Gastspiel Phil Mays, von den PRETTY THINGS in Big Boss Man, welches stark an It's All Over Now (kennt man z. B. von den STONES) erinnert.

Die 36 Minuten der zweiten CD erweitern das Album jetzt nicht übermäßig, bringen aber immerhin neun weitere Songs, von denen die letzten drei bisher gar unveröffentlicht waren.
Find Yourself Another Fool gehört seit jeher zu meinen liebsten und zu den besten Songs der BLUES BAND. Der "Live-Drive" erhöht auch hier die Geschwindigkeit. Das geht auf Kosten der "Tiefe" treibt aber dafür den Adrenalinspiegel nach oben. Und das will man ja bei Konzerten - ob real oder auf Konserve.
Der Blues-Boogie Someday Baby, mit leichter Green Onions-Verwandtschaft, kommt ebenfalls total anmachend. Wie locker sich die Mitglieder der Band die Bälle, sorry, Soli, zuwerfen, unterstreicht das fundamentale Können, mit dem THE BLUES BAND ausgestattet ist.
Green Stuff, mit seinem Texas-Boogie-Riff, gerät zu einem weiteren Höhepunkt auf diesem Mitschnitt und erneut ist es Paul Jones, der hier an der Blues-Harp besonders beeindruckt. Es braucht schon einen Mark Feltham, um da noch eine Schippe draufzulegen. Der ehemalige Gallagher-Mitstreiter und Mitglied von NINE BELOW ZERO liefert in dem Slow-Blues Last Night ein weiteres Zeugnis seiner Klasse ab, und verdeutlicht, warum er womöglich der beste britische Blues-Harp-Spieler ist.
Zum Abschluss betritt gar der "Vater des englischen Blues", Alexis Korner, die Bühne, um Willie Dixons Spoonful einen authentischen Touch und der BLUES BAND die Ehre zu geben. Die Stimme teils recht brüchig, ist der Band doch anzuhören, wie sie durch die Anwesenheit dieser Legende zusätzlich inspiriert agiert.
Ich finde, das ist eine Sternstunde des britischen Blues'n'Boogie, die man weder als Blues- noch als Rock'n'Roll-Fan missen möchte und die sich in dieser - aufgemotzten - Version nun besonders empfiehlt. Ein Grund mehr für mich, die Band - 30 Jahre danach - demnächst nochmal im Konzert zu erleben. Und wenn sie nur ein oder zwei dieser Lieder spielen, gehe ich beglückt nach Hause!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.01.2013