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Wunderbar
The Living End
Wunderbar, BMG, 2018
Chris CheneyVocals, Guitar
Scott OwenBass, Vocals
Andy StrachanDrums
Produziert von: Tobias Kuhn Länge: 36 Min 28 Sek Medium: CD
01. Don't Lose It07. Proton Pill
02. Not Like The Other Boys08. Amsterdam
03. Otherside09. Too Young To Die
04. Death Of The American Dream10. Wake Up The Vampires
05. Drop The Needle11. Rat In A Trap
06. Love Won't Wait

THE LIVING END waren unlängst erst auf Tour in Europa und eröffneten bei der Gelegenheit auch einige Shows für DIE TOTEN HOSEN: Damit ist klar, woher der Wind weht: Mit Schmuse-Pop-Trallala braucht man den Hosen-Fans nicht zu kommen.
Der Wind weht außerdem noch – geographisch gesehen – aus dem Südosten. Nein, nicht aus dem Bayrischen Wald, sondern ganz weit Südöstlich. Will sagen, Down Under. Und bekanntlich liebt man es in Crocodile Dundee-Country auch eher etwas rustikaler und kerniger. Passt soweit also alles zusammen. Und mit dem ersten Song – auch gleichzeitig die Single-Auskopplung (nennt man das heutzutage noch so?) unterstreichen die drei Herren das auch gleich doppelt. Ja, das geht in der Tat gut ab und spätesten im Refrain, kann man sich Campino im Hintergrund beim Pogo vorstellen. Also das macht schon gut Stimmung und dürfte auch bei den Punk-Fans Europas gut angekommen sein.

Australier, die sie sind, haben THE LIVING END auch einen kleinen Hang zu Reggae und Ska, wodurch Not Like The Other Boys seinen Reiz erhält. Erinnert so ganz entfernt an MEN AT WORK oder MIDNIGHT OIL, bis es allerdings im Refrain wieder heftig zur Sache geht. Die Aggressivität, die sich dann Bahn bricht, liegt auch den rauen Power-Vocals von Sänger/Gitarrist Chris Cheney. Der kann schon richtig Gas geben!
Otherside klingt ein bisschen wie die Punk Rock-Variante von Message In A Bottle (THE POLICE hatten ja auch so ein klein bisschen Punk-Hintergrund), geht aber natürlich um Einiges derber zur Sache. Kommt ebenfalls gut!
Ellenlange Gitarren-Soli erwartet man beim Punk nicht und bei so einer Trio-Besetzung erst recht nicht. Trotzdem blitzt das ein oder andere schon auf. Aber so richtig Punk und Pogo-Soundtrack gibt‘s bei Songs wie Death Of The American Dream. Da knüppelt sich Drummer Andy Strachan so richtig warm und beim Refrain geht‘s volle Kanne auf die Überholspur. Man kann die Stage-Diver förmlich sehen. Kurz nach der Hälfte des Songs wechselt man urplötzlich zur Akustikgitarre und beendet den Song als Lagerfeuer-Song. Lässt dafür den Text mehr hervortreten.

Drop The Needle käme wahrscheinlich im Repertoire von Billy Idol auch nicht schlecht. Hat den Drive von Nummern wie Dancing With Myself.
Während ich bei Love Won‘t Wait ein bisschen an Bands wie THE CURE denken muss. Das sind alles nur “Anhaltspunkte“, denn allein schon durch die Stimme von Chris Cheney haben THE LIVING END ihren eigenen Sound und auch Stil, der mich auch ein bisschen an deren Landsleute von JET erinnert.
Mag die Scheibe beim ersten Mal, aufgrund ihrer Power, etwas an einem vorbeirauschen, gefällt mir das Album mit jedem Hören besser. Rohe Energie, wie bei Proton Pill, auf THE CLASH verweisende Rocknummern, wie Amsterdam oder New-Wave-beeinflusste Songs, wie Too Young To Die - die Frische, mit der es hier abgeht, spricht an und reißt unwillkürlich mit. Da werden nicht nur – wie im vorletzten Lied – die Vampire geweckt, da werden auch die Nachbarn wach.
Klar, Punk Rock-Bands gibt‘s reichlich, aber welche, die auch andere Einflüsse so geschickt integrieren und trotzdem kraftvoll bleiben, findet man in dieser Güte wohl nicht in jedem Keller.
Auch wenn ich den Albumtitel anfangs etwas befremdlich fand, schließe ich mich dem letztlich doch an: Wunderbar!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 29.09.2018