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Zombie Attack - Chemical Invasion - The Morning After - The Meaning Of Life - Stone Cold Sober - Two-Faced - The Tankard
Tankard
Zombie Attack - Chemical Invasion - The Morning After - The Meaning Of Life - Stone Cold Sober - Two-Faced - The Tankard, BMG, 2017 & 2018
Andreas "Gerre" GeremiaGesang
Frank ThorwarthBass
Axel KatzmannGitarre
Andy BoulgaropoulosGitarre
Oliver WernerSchlagzeug ("Zombie Attack", "Chemical Invasion" & "The Morning After")
Arnulf TunnSchlagzeug ("The Meaning Of Life", "Stone Cold Sober" & "Two-Faced")
Olaf ZisselSchlagzeug ("The Tankard" & "Aufgetankt")
Produziert von: Harris Johns Länge: 433 Min 00 Sek Medium: CD
Zombie Attack (36:53)
01. Zombie Attack06. (Empty) Tankard
02. Acid Death07. Thrash 'Till Death
03. Mercenary08. Chains
04. Maniac Forces09. Poison
05. Alcohol10. Screamin' Victims
Chemical Invasion (39:21)
01. Intro06. For A Thousand Beers
02. Total Addiction07. Chemical Invasion
03. Tantrum08. Farewell To A Slut
04. Don't Panic09. Traitor
05. Puke10. Alcohol
The Morning After (39:39)
01. Intro07. The Morning After
02. Commandments08. Desperation
03. Shit-Faced09. Feed The Lohocia
04. TV Hero10. Help Yourself
05. F.U.N.11. Mon Cheri
06. Try Again12. Outro
Alien EP (18:47)
01. Alien04. Remedy
02. 666 Packs05. (Empty) Tankard
03. Live To Dive
The Meaning Of Life (75:12)
01. Open All Night09. Wheel Of Rebirth
02. We Are Us10. Barfly
03. Dancing On Our Grave11. Wonderful Life
04. Mechanical Man12. The Morning After (live)
05. Beermuda13. Commandments (live)
06. The Meaning Of Life14. Alien (live)
07. Space Beer15. Open All Night (live)
08. Always Them16. Maniac Forces (live)
Stone Cold Sober (73:32)
01. Jurisdiction09. Lost And Found (Tantrum Part 2)
02. Broken Image10. Sleeping With The Past
03. Mindwild11. Freibier
04. Ugly Beauty12. Of Strange Talking People Under Arabian Skies
05. Centrefold13. Outro
06. Behind The Back14. Don't Panic (live)
07. Stone Cold Sober15. 666 Packs (live)
08. Blood, Guts & Rock 'n' Roll16. Shit-Faced (live)
Two-Faced (77:19)
01. Death Penalty10. Cyberworld
02. R.T.V.11. Mainhattan
03. Betrayed12. Jimmy B. Bad
04. Nation Over Nation13. Space Beer (live)
05. Days Of The Gun14. Zombie Attack (live)
06. Cities In Flames15. Alcohol (live)
07. Up From Zero16. Chemical Invasion (live)
08. Two-Faced17. (Empty) Tankard
09. Ich Brauch' Meinen Suff
The Tankard (44:33)
01. Grave New World06. Mess In The West
02. Minds On The Moon07. Atomic Twilight
03. The Story Of Mr. Cruel08. Fuck Christmas
04. Close Encounter09. Positive
05. Poshor Golovar10. Hope?
Tankwart: Aufgetankt (27:03)
01. Liebesspieler06. König Von Deutschland
02. Pogo In Togo07. Elke
03. Hurra, Hurra, Die Schule Brennt08. Skandal Im Sperrbezirk
04. Herr D.09. Billiger Slogan
05. Sternenhimmel

Zu Beginn der 1980er Jahre spielte sich ein Großteil der Entwicklung innerhalb der deutschen Thrash-Metal-Szene in Nordrhein Westfalen und insbesondere im Ruhrgebiet ab. Von dort kamen Bands wie KREATOR, DESTRUCTION aber auch SODOM, die mit ihren Veröffentlichungen auch weltweiten Einfluss hatten und auch heute noch haben. In Hessen gründete sich etwa zur selben Zeit eine weitere Band, die auch noch nach mehr als 30 Jahren aktiv ist und beständig zum Erfolg des German Thrash beitragen. Die Rede ist natürlich von TANKARD.

Die Band aus Freunden vom Frankfurter Goethe-Museum gründete sich im Jahre 1982 unter dem Namen VORTEX, den sie in AVENGER änderte und dann zu TANKARD. Recht schnell erschienen die ersten Demos, wobei insbesondere das zweite, “Alcoholic Metal“, bereits den Hang der Band zu hochprozentiger Unterhaltung andeutete, die später zum Markenkern und Kennzeichen der trinkfreudigen Band werden sollte. Schon diese beiden Veröffentlichungen genügten, um das Label Noise Records auf die Band aufmerksam werden zu lassen. Sie nahm TANKARD unter Vertrag und veröffentlichte zwischen 1986 und 1995 die ersten sieben Alben der Gruppe. Diese erscheinen nun in der Reihe „Noise Lebt“ erneut.

Den Auftakt bildet das Debüt, “Zombie Attack“. Das Werk erschien 1986 und bestand schon zu großen Teilen aus Material der beiden Demos (zwei von “Heavy Metal Vanguard“, vier von “Alcoholic Metal“). Aufgenommen wurden die Songs in den Berliner Musiclab Studios und produziert von Harris Johns, der zu dem Zeitpunkt schon mit Bands wie ANGEL DUST und CELTIC FROST zusammengearbeitet und dabei insbesondere mit den Letztgenannten beachtliche, auch internationale, Erfolge feiern konnte. Die enthaltenen zehn Tracks bieten einen einfach aufgebauten aber sehr effektiven und mitreißenden Thrash Metal.

Die Lieder bieten auch für damalige Verhältnisse sicherlich keine Neuerungen oder besonders eigenständigen Elemente. Aber sie transportieren diese rohe Energie, die dem Thrash ja insbesondere in seinen Anfangstagen innewohnte. Mit Tracks wie insbesondere dem Titel-Song aber auch Mercenary oder (Empty) Tankard lieferten die Hessen damals das deutsche Pendant zu einer Band wie SLAYER. Und sie konnten damit auch sehr gut im Vergleich zur einheimischen Konkurrenz wie DESTRUCTION, SODOM oder KREATOR bestehen, die allesamt ab Mitte der 80er Jahre auftauchten und der nationalen Szene einen neuen Schub gaben – und zudem auch weltweit für erhöhte Aufmerksamkeit für deutsche Bands sorgten.

Die Qualität der Scheibe liegt vor allen Dingen darin, dass es TANKARD gelang, jedem Song eine gewisse Eingängigkeit zu verpassen. Zudem legten die fünf Hessen einen wahren Geschwindigkeitsrausch an den Tag, der damals einfach dazu gehörte. Die Frage war ja immer, wer hatte das härteste und schnellste Album am Start? Aber im Gegensatz zu den anderen Bands, die inhaltlich vor allen Dingen auf Satanismus, Horror und düstere Szenarien setzten, standen TANKARD von Anfang an für Humor, Alkohol und nur vereinzelt einmal ernsthafte Texte, wie zum Beispiel bei Maniac Forces.

Das Debüt sprüht geradezu von jugendlichem Elan, punkiger Wir-machen-unser-Ding-ganz-egal-was-ihr-sagt-Attitüde und dem Spaß, den die Band daran hatte, endlich professionell zu Werke zu gehen. Und zudem nimmt sich die Band selber nicht allzu Bier-ernst, was sich auch darin niederschlägt, dass TANKARD niemals auf die Karte „Profi-Musiker“ gesetzt haben, sondern auch nach 35 Jahren nur semi-professionell unterwegs sind und nebenbei auch noch geregelten Jobs nachgehen. Ein Entschluss, der sich im Verlauf der Karriere noch als Glücksfall erweisen wird.

Bereits ein Jahr nach dem Debüt befand sich die Band schon wieder im Studio, um den Nachfolger einzuspielen. Im Gegensatz zum Debüt (dessen Titel ja zu einem Großteil von den beiden vorangegangenen EPs stammten) mussten TANKARD nun wirklich in Windeseile neue Songs komponieren und texten. Eine Herausforderung, die die Band mit Bravour meisterte. Denn “Chemical Invasion“ sollte für die Band einen ordentlichen Popularitätsschub bedeuten. Aufgenommen wurde das Werk wieder zusammen mit Harris Johns in den Berliner Musiclab Studios.

Schon beim Erscheinen 1987 war die Begeisterung groß, die beiden großen Fachpublikationen Rock Hard und Metal Hammer überschütteten die Band mit Lob. Und das vollkommen zu Recht. Denn auch aus heutiger Sicht gehört “Chemical Invasion“ zu den Alben, die man als Thrash Metal-Fan kennen muss. Noch humoriger ging Andreas „Gerre“ Geremia an seine Texte, ohne damals die Kritik der Moral-Polizei fürchten zu müssen, denn ein Text wie Farewell To A Slut wäre in heutigen Zeiten undenkbar. Und so behandelte er wieder hingebungsvoll sein Lieblingsthema, den Alkohol. Nur bei den Stücken Don't Panic (über die damalige Situation auf der Erde vor dem Hintergrund der jüngst passierten Tschernobyl-Katastrophe sowie der damals grassierenden AIDS-Epidemie) und Traitor (darüber, wie Metal-Bands damals von der Musikindustrie ausgenutzt wurden) weicht er davon ab.

Musikalisch zeigte sich die Band zudem durch die Erfahrungen deutlich verbessert. Sie beherrschten ihre Instrumente noch souveräner und wussten auch was kompositorisch am besten zu TANKARD passte, so dass am Ende eine Scheibe wie aus einem Guss stand. Nicht technisch-versiert sondern punkig-aggressiv ist der Trash, für den TANKARD schon in ihren Anfangstagen stehen und den sie hier in Reinform präsentieren. Dabei gehen sie jedoch niemals stumpf zu Werke, sondern sind auch mal für kleine Experimente gut, zum Beispiel wenn im Titeltrack auf einmal ziemlich überraschend mitten im Song eine Orgel zum Einsatz kommt – und das eben überaus passend. Ebenso beim mehr als siebenminütigen Instrumental For A Thousand Beers, etwas was man sonst nur von METALLICA kannte. Aber ansonsten ist manische Raserei das vorherrschende Qualitätsmerkmal von Songs wie Tantrum, Don't Panic, Farewell To A Slut oder Traitor. “Chemical Invasion“ ist genau die richtige Scheibe für alle, die ihren Thrash sehr roh und unbändig mögen. Und Dank der erneuten Zusammenarbeit mit Harris Johns klang das Ganze auch wieder sehr dreckig und doch schon etwas ausgereifter und manches Mal eben auch ausgeklügelter als auf dem Debüt.

Lediglich ein Jahr nachdem sie mit “Chemical Invasion“ den nächsten Karriere-Schritt gemacht hatten, da meldeten sich die Hessen schon mit ihrem nächsten Studio-Schlag zurück: “The Morning After“ etablierte die Band als eine der treibenden Kräfte nicht nur in der deutschen sondern zumindest auch in der europäischen Szene. TANKARD blieben sich selbst treu und legten das dritte Album in Folge vor, das vom Rock Hard in die Liste der 250 Thrash-Alben aufgenommen wurde, die man gehört haben muss.

Und diese Einschätzung gilt auch heute noch. Denn TANKARD gelang es auf dem dritten Album, ihre Kompositionen zu verfeinern, ohne ihnen das Feuer und die unbändige Leidenschaft zu rauben, die die Band ja bis zu diesem Punkt geführt hatten. Und dennoch würde man falsch liegen, “The Morning After“ als Abklatsch seiner beiden Vorgänger zu sehen. Denn eigentlich machten es TANKARD hier genau richtig. Die Veränderungen kamen eher graduell und nicht schlagartig. So bot TV Hero nach dem rasanten Eröffnungs-Doppel zunächst auch mal einen etwas langsameren Einstieg, bevor auch hier die Post abging. Auch der Einsatz von Gang-Vocals war in diesem Ausmaß neu für TANKARD, sorgte aber dafür, dass das Material noch etwas leichter ins Ohr ging.

Aber auch ihre Spaß-orientierte Seite kommt auf “The Morning After“ noch deutlicher zum Vorschein – und zwar sowohl in dem treffend betitelten Track F.U.N. als auch in der SPERMBIRD-Cover-Version Try Again, die eine ordentliche Portion RAMONES-Feeling mitbringt. In dieser Kombination ergibt das eben ein Werk, das Veränderungen beinhaltet und dadurch auch die Bereitschaft der Band unterstreicht, ihren Sound und Stil sich sukzessive und maßvoll weiterentwickeln zu lassen, das aber die Fans der Band nicht vor den Kopf stößt, so wie es bei zahlreichen anderen Gruppen der Fall war, wenn diese ihren Klang zu schnell und drastisch veränderten.

Als Bonus hat die Plattenfirma hier die 1989er-EP “Alien“ mit der gleichnamigen „Hit-Single“ sowie den nicht minder gelungenen Tracks 666 Packs, Live To Die und Remedy sowie einer Neu-Aufnahme des Fan-Favoriten (Empty) Tankard beigefügt. Diese nimmt schon die klangliche Entwicklung der Band zu einem volleren, basslastigeren, vielleicht auch sonoren Sounds vorweg. Etwas, was der Band aber aus meiner Sicht nicht schlecht zu Gesicht stand.

Aber Veränderungen sind nun einmal ein gewichtiger Teil der Menschheitsgeschichte und es gibt auch kaum eine Band – vielleicht einmal abgesehen von AC/DC –, die ohne das eine oder andere akustische Facelifting durch eine ganze Karriere geht. Und so war es auch bei TANKARD, die mit dem vierten Album, “The Meaning Of Life“, das 1990 erschien. Der Klang der Scheibe unterscheidet sich dabei deutlich von den vorhergegangenen und ähnelt nun eher dem von OVERKILL auf “Years Of Decay“, eher düster und Bass-lastig. Und dennoch passte das ganz hervorragend zu den Songs, die die Frankfurter für das Werk komponiert hatten.

Das Werk beinhaltet aus meiner Sicht einige der stärksten Songs, die TANKARD in ihrer Karriere geschrieben haben: Open All Night, We Are Us, Dancing On Our Grave, Beermuda oder Space Beer. Das mag auch daran liegen, dass ich TANKARD damals mit “The Meaning Of Life“ für mich entdeckt habe und mir diese Lieder daher besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Zudem finde ich den „neuen“ Sound etwas zugänglicher, erinnerte er mich doch an den Klang einiger Bay Area-Bands wie EXODUS, SACRED REICH aber eben auch eine Ostküsten-Gruppe à la OVERKILL.

Diese Neu-Auflage kommt denn auch als erste der Reihe mit einer Reihe an Bonus-Tracks heraus. Die Songs The Morning After, Commandments, Alien, Open All Night und Maniac Forces wurden beim so genannten „Thrashing-East-Festival“ im damals noch so genannten Ost-Berlin am 4 März 1990 mitgeschnitten. Sie zeigen die Band vor einer Meute an Thrash-Fans aus dem Osten Deutschlands, die TANKARD wohl zum größten Teil erstmals live erleben durften. Die Qualität des Klangs bewegt sich auf dem eines guten Soundboard-Bootlegs. Hier dürfte außer Rauschunterdrückung wohl kaum großartig nachbearbeitet worden sein. Die Band und die Fans sind auf jeden Fall gut drauf und feuern sich gegenseitig ordentlich an. Für Fans der Band dürfte das auf jeden Fall ein lohnenswerter Bonus sein, um sich das Werk erneut in den Schrank zu stellen.

Wie zahlreiche andere Bands aus dem Bereich des Heavy Metal wurden auch TANKARD dann Anfang der 1990er Jahre von der Grunge- und Alternative-Welle überrollt, die die Absatzzahlen der Bands aus diesem Bereich negativ beeinflusste. Daher erwies es sich im Nachhinein als eine weise Entscheidung der Band, sich bereits zu Beginn ihrer Karriere bewusst gegen den Schritt zum Vollzeit-Profi-Musiker zu entscheiden. Dies ermöglichte es TANKARD sich treu zu bleiben, während zahlreiche andere Bands versuchten, gegen den vorherrschenden Zeitgeist anzukämpfen oder sich diesem aber ein Stück weit anzupassen.

Das nächste TANKARD-Album, “Stone Cold Sober“, von 1992 war zumindest musikalisch aber noch vollkommen unbetroffen von der aktuellen Entwicklung, die zur gleichen Zeit vor sich ging, und zeigt TANKARD gewohnt Old-School-thrashig wenn auch vielleicht nicht ganz so eingängig und zwingend wie auf dem direkten Vorgänger. Das bedeutet aber nicht, dass man an Liedern wie Jurisdiction, Mindwild, Behind The Back, dem Titeltrack oder auch dem gelungenen J. GEILS BAND-Cover Centerfold seine Freude haben kann, aber ganz so leicht wie noch bei dem Vorgänger fiel mir das hier nicht. Selbst wenn TANKARD hier mit dem Beginn von Lost And Found (Tantrum Part 2) ein wenig PRONG-Groove-Metal-Feeling in den deutschen Thrash integrieren. Und somit ist auch “Stone Cold Sober“ ein weiteres ordentliches Album in der TANKARD-Historie, zudem es mit Freibier das erste deutsche Lied der Band beinhaltet.

Der Klang der Scheibe wurde mit etwas mehr Höhen als bei “The Meaning Of Life“ versehen, was in gewisser Weise eine Rückbesinnung auf die ersten drei Scheiben darstellt. Dadurch erscheinen auch die Feinheiten gerade im Gitarrenspiel noch etwas besser wahrnehmbar, auch der Bass kommt – wie etwa sehr gut nachzuhören bei Mindwild - etwas deutlicher zum Vorschein. Insgesamt ist der Sound der Scheibe wohl der beste der bisherigen Produktionen und hebt die Frankfurter Band auf absolut internationales Niveau. Als Boni gibt es hier erneut ein paar Tracks vom schon weiter oben beschriebenen „Thrashing-East-Festival“, dieses Mal sind es Don't Panic, 666 Packs sowie Shit-Faced, die das Album würdig abrunden. Allerdings gehört “Stone Cold Sober“ nicht zu den besten Alben der Frankfurter Band, ist aber auch auf gar keinen Fall ein schlechtes Werk.

Weitere zwei Jahre später machten TANKARD diesen kleineren Durchhänger jedoch wieder wett. Denn mit “Two-Faced“ kehrte das Frankfurter Quintett zumindest kompositorisch wieder auf das von ihnen gewohnte Niveau zurück. Angeführt von dem Opener Death Penalty über R.T.V., Nation Over Nation, Days Of The Gun und Cities In Flames bietet die Band wieder überwiegend klassischen, immer latent punkigen Thrash Metal mit einer Menge Wucht und Wut im Bauch. Dabei wendet sich die Band hier inhaltlich hauptsächlich – wenn auch nicht ausschließlich - von ihrem Leib- und Magen-Thema „Alkohol, wie man ihn am besten konsumiert und seine Nachwirkungen“ ab.

Diese ernstere Ausrichtung traf bei den Anhängern leider nicht auf die entsprechende Gegenliebe, weswegen es ein kurzes Intermezzo bleiben sollte, das bis heute keine Wiederholung fand. Und es stimmt ja auch, eine Nummer wie Betrayed ist textlich nicht gerade Preis-verdächtig. Aber TANKARD hatten schon in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage waren, auch abseits des Alkoholkonsums und insbesondere gesellschaftskritische anspruchsvolle und gelungene Texte zu verfassen, wie zum Beispiel bei Dancing On Our Grave.

Als Bonus-Stücke findet man auf dieser Wiederveröffentlichung dann die verbliebenen Stücke vom „Thrashing-East-Festival“, nämlich Space Beer, Zombie Attack, Alcohol, Chemical Invasion und (Empty) Tankard. So hat man dann das historische Konzert zusammen, wenn man sich die drei Re-Releases von “The Meaning Of Life“, “Stone Cold Sober“ und “Two-Faced“ zulegt. Aber gerade jeder Fan des Old School Thrash Metals ist ohnehin sehr gut beraten, sich dieses Album noch einmal genau anzuhören, denn aus meiner Sicht ist es ein sträflich übersehener „hidden gem“ in der Diskographie der Band.

Den Abschluss dieser Wiederveröffentlichungen bildet das Werk “The Tankard“, mit dem im Jahr 1995 auch die Zusammenarbeit zwischen den Frankfurter Thrashern und dem Label Noise Records zu Ende ging – im Gegensatz zu einigen anderen Bands allerdings nicht im Streit, sondern einfach weil man von beiden Seiten aus nach sieben Scheiben der Meinung war, eine Veränderung zu wollen. Nachzulesen ist das übrigens in dem sehr empfehlenswerten Buch “Systemstörung – Die Geschichte von Noise Records“, das zu jeder Band ein eigenes Kapitel bietet.

Das letzte Kapitel der Beziehung zwischen TANKARD und ihrer Plattenfirma sollte auf jeden Fall ein musikalisches Happy End finden, denn die Frankfurter verabschieden sich mit einem Knaller-Album von ihrem Berliner Label. Grave New World, The Story Of Mr. Cruel, Close Encounter, Poshor Golovar, Mess In The West oder Positive sind abwechslungsreicher, gelungener Thrash Metal und definitiv kein hingehuschter Schnellschuss, oder eine Ansammlung von B-Seiten nur um aus einem unliebsamen Plattenvertrag rauszukommen.

Als Bonus gibt es auch noch was ganz was Feines. Die unter dem Namen TANKWART veröffentlichte Scheibe “Aufgetankt“. Darauf enthalten sind neun deutschsprachige Cover-Versionen von Punk-, Neue Deutsche Welle- und Pop-Favoriten der Band. Dabei vertreten sind Songs wie Liebesspieler (DIE TOTEN HOSEN), Hurra, Hurra, Die Schule Brennt (EXTRABREIT), Herr D. (Marius Müller-Westernhagen), Sternenhimmel (Hubert Kah), König Von Deutschland (Rio Reiser), Elke (DIE ÄRZTE) und Skandal Im Sperrbezirk (SPIDER MURPHY GANG). Diese Lieder werden alle mit der richtigen Punk-Attitüde vorgetragen und machen eine Menge Laune – und darum geht es ja auch ganz offenbar bei dieser Kollektion.

Damit endete nach knapp zehn Jahren und sieben Scheiben sowie zwei EPs die Zusammenarbeit zwischen TANKARD und Noise Records. Und auch wenn es TANKARD nie ganz gelingen sollte, zu den großen Drei des deutschen Thrash KREATOR, SODOM und DESTRUCTION aufzuschließen, so ist es dennoch mittlerweile eigentlich Usus von den „Big Teutonic 4“ zu sprechen – eine Ehre, die sich TANKARD durch die anhaltend hohe Qualität ihrer Veröffentlichungen definitiv verdient haben. Und mit diesen Wiederveröffentlichungen aus der „Noise Lebt“-Serie kann das jeder Metal-Fan bestens nachempfinden. Die ersten drei Scheiben sind bereits seit Ende November 2017 erhältlich, die übrigen folgen dann Ende Januar 2018.

Marc Langels, (Artikelliste), 09.01.2018