The Ballad Of The Broken Few
Seth Lakeman
The Ballad Of The Broken Few, Cooking Vinyl, 2017
Seth LakemanVocals, Guitar, Violin
Beth KeyVocals, Percussion
Emilie KeyVocals
Meghann LoneyVocals, Percussion
Ethan JohnsPercussion, Guitars
Ben NichollsDouble Bass
Produziert von: Ethan Johns Länge: 40 Min 36 Sek Medium: CD
01. Willow Tree07. Anna Lee
02. Silence Reigns08. Innocent Child
03. Meet Me In The Twilight09. Whenever I'm Home
04. Stranger10. Silver Threads
05. Fading Sound11. Pulling Hard Against The Stream
06. Ballad Of The Broken Few

In einer Kirche wurde ja schon so manches Rock-, Pop- und Folk-Album aufgenommen, in einer alten Kupfermine jedoch eher selten und in der Empfangshalle eines alten jakobinischen Gutshauses sicherlich auch noch nicht so häufig. Seth Lakeman, der Folk-Barde aus West Devon wird so abermals seinem Anspruch gerecht, die Örtlichkeiten für seine Recording Sessions sorgfältig zu wählen.

Mercury Prize Gewinner Seth Lakeman, der schon vor einigen Jahren von der englischen Presse als Heilsbringer einer neuen und frischen britischen Folk-Bewegung ernannt wurde, verschanzt sich also tatsächlich mit seinem Erfolgsproduzenten Ethan Johns (Ryan Adams, Kings Of Leon, Ray LaMontagne, Paul McCartney) und dem aus der gemeinsamen Heimat stammenden weiblichen Gesangs-Trio namens WILDWOOD KIN in eben jenem weiträumigen, kühlen Gemäuer, um ein intensiv wirkendes, sehr pures, fast ausschließlich auf Lead- und Harmony-Vocals, Akustikgitarren und Percussion reduziertes Folk-Album aufzunehmen. Lakeman's Violine kommt natürlich auch zum Einsatz und gelegentlich wirft Producer Ethan Johns eine E-Gitarre, einen Kontrabass oder eine Mandoline ins Geschehen.

"The Ballad Of The Broken Few" beeindruckt und verzaubert den geneigten Folk-Music Fan mit seinem live-haftigen Charakter, der neben aller akustischen Authentizität auch den traditionellen Kern dieser Musik widerspiegelt. Das wirkt mitunter recht karg und auch ein wenig schroff, doch dadurch auch stets sehr lebendig und schließlich auch völlig zeitlos. Nicht selten ertappt man sich bei dem Gedanken an andere Jahrzehnte oder Jahrhunderte und erliegt dem Glauben man lausche dem Soundtrack eines Dokumentarfilms über das schottische Hochland oder den kantigen Steilklippen der irischen Atlantikküste.

Seth Lakemans schlichte, traditionell geerdete und gleichsam sehr zupackende Musik und die einhergehenden Visionen und Emotionen markieren die komplette Marschroute dieses kompromisslosen Albums und schenken dem Hörer inspirierende und intensive Minuten unverfälschten Musikgenusses. Demnächst dann nicht mehr im jakobinischen Gutshaus, sondern im Konzertsaal eurer Wahl in Deutschland.

Frank Ipach, (Artikelliste), 04.02.2017