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Return To Forever
Scorpions
Return To Forever, Sony Music, 2015
Klaus MeineVocals
Rudolf SchenkerGuitar
Matthias JabsGuitar
James KottakDrums
Pawel MaciwodaBass
Produziert von: Mikael Nord Andersson / Martin Hansen Länge: 47 Min 47 Sek Medium: CD
01. Going Out With A Bang07. Catch Your Luck And Play
02. We Built This House08. Rollin' Home
03. Rock My Car09. Hard Rockin' The Place
04. House Of Cards10. Eye Of The Storm
05. All For One11. The Scratch
06. Rock'n'Roll Band12. Gypsy Life

Die Lektion des ausglimmenden Winters 2014/15: Was der Hannoveraner auch spricht – glaub‘ ihm nicht. Das ist vielleicht jetzt etwas pauschal ausgedrückt, aber einst dachten wir ja auch, dass Ol‘ Bierflasche sich fürderhin aus der Politik heraus- von unnötigen Sprüchen fernhalten würde. Denkste.
Das taten wir auch vor Jahren und bei den einen waren es die Freuden- bei den anderen die Wehmutstränen, als sich “unsere SCORPIONS” vom Acker machen wollten. Is’ ja auch schon wieder fünf Jahre her und auch wenn man vom damaligen “Stachel” heute kaum noch was spurt, waren sie in der Zeit doch aktiver wie schon lange nicht mehr. Torschlusspanik? Man könnte es meinen. Oder will man sich und der Welt einfach beweisen, dass man doch noch nicht zum alten Eisen gehört? Schließlich war ja nicht alles schlecht und Millionen Plattenkäufer in den 80ern können sich ja nicht gänzlich geirrt haben. Also her mit dem neuen Album und ich muss sagen: Klingt zum Teil gar nicht so übel…

Was ist das, denk‘ ich mir beim Eingangsriff? Machen Meine, Schenker und Jabs jetzt einen auf Roots-Rock? Aber schnell geht es in den üblichen SCORPS-Drive über und Klaus Meine klingt tatsächlich nahezu wie zu den erwähnten Glanzzeiten. Der Refrain erscheint mir zwar etwas albern, aber das abgenudelte Riff tut seine Wirkung immer noch.
Rock My Car strotzt auch nicht gerade vor Innovation. Dieses “pedal to the metal“-Klische gab’s ja wahrhaft schon zur Genüge. Immer erlauben sie sich mit dem “Big City Nights“-Zitat einen kleinen Spaß und Verweis auf die alten Tage.
Die Feuerzeug-Ballade gleich als drittes Lied? Hm, naja, die Fan-Basis wird dem nicht zürnen, aber mir leiert House Of Cards zu sehr dahin. Ob das mal nicht einstürzt? Ok, ein Still Loving You schreibt man halt nicht jedes Jahrzehnt. Vielleicht sollte man manchmal auch Fünfe gerade sein lassen. Füller, wie All For One gab’s früher wohl auch schon und Rock’n’Roll Band rockt ja eigentlich nahezu wie manch alter Up-Beat-Kracher der Band und dürfte live gut abgehen. Kommt jedenfalls deutlich besser, als die Akustikversion auf “MTV Unplugged In Athens“. Ob’s für die legendäre Pyramide reicht?

Definitiv ist eine Ballade zu viel auf dem Album, zumal die sich bei den SCORPIONS ja immer recht ähnlich anhören. Also entweder Gypsy Life oder Eye Of The Storm hätte man sich sparen können, zumal Rollin‘ Home ja auch eher was zum Mitschunkeln ist. Manche Nummern, wie The Scratch sind – trotz ein paar netter Gimmicks – auch nicht der Bringer, aber man weiß, was gemeint ist.
Letztlich muss man Klaus Meine für seinen Gesang loben und die Band dafür, eine Brücke zu ihren Glanzzeiten schlagen zu können, wobei dir recht schmal gerät und nicht bis zum Ziel reicht.Der Sound des Albums passt auch. Ich denke, wer sich seit “Love At First Sting“ ein Album der Band gegönnt hat und daran Gefallen gefunden, der dürfte auch hiermit nicht enttäuscht werden und ein oder zwei Songs wird’s auf der anstehenden Tour sicher auch live geben.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.02.2015

Ich muss eines vorweg gestehen: Als bekannt wurde, dass die SCORPIONS bald erneut ein komplettes Studioalbum herausbringen werden, machte sich Skepsis in mir breit. Beinahe sofort erschien die Frage nach dem Sinn des Ganzen vor meinem inneren Auge. Auslöser dafür dürfte in allererster Linie das nicht eben überwältigende Rückkehr-vom-Ruhestand-Werk “Comeblack“ aus dem Jahr 2011 gewesen sein. Nun hauen die Hannoveraner uns also ihren nächsten Longplayer “Return To Forever“ um die Ohren.

Um eventuell aufkommenden Missverständnissen sogleich jedwede Grundlage zu entziehen: Diese Band wird vollkommen berechtigterweise auch heute noch weltweit für frühere Taten (in anderer Besetzung, im Studio und auf der Bühne) verehrt. Ich kann mir eine gescheite musikalische Sozialisation ohne ihre Platten “Fly To The Rainbow“, “Virgin Killer“, “Taken By Force“, “Tokyo Tapes“, “Lovedrive“, “Animal Magnetism“, “Blackout“, “Love At First Sting“ oder “World Wide Live“ gar nicht so richtig vorstellen. Mit Abstrichen vermochten mich auch “Savage Amusement“ und (mit noch mehr Abstrichen) “Crazy World“ (am übelsten: Winds Of Change) alles in allem ziemlich zu überzeugen (danach brachen alle Dämme und die totale Anbiederung an das Massenpublikum nahm ihren Lauf. Ab da war Schluss mit Lustig). Meine Erwartungen an ihre Arbeit gründen sich eben gerade deshalb auch auf diesen von ihnen selbst gesetzten durchaus doch recht hohen Standards. Das hat überhaupt nichts mit Neid, Verkennung oder gar Verachtung zu tun. Selber schuld, kann ich da nur sagen, wenn sie mit der Zeit ihren eigenen Qualitätsvorgaben nicht mehr gerecht werden konnten.

Nach mehrmaligem Durchhören der immerhin zwölf Nummern, die “Return To Forever“ zu bieten hat, kann ich feststellen, dass meine allerschlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten sind. Mir gefallen die, zum Glück nicht all ihrer Ecken und Kanten beraubten, kraftvolleren Rocker All For One, Rock’n’Roll Band, Catch Your Luck And Play, Hard Rockin’ The Place und The Scratch, die Powerballade Rollin’ Home sowie die starke Ballade Eye Of The Storm. Die übrigen fünf Stücke sind nicht mein Ding.

Den SCORPIONS ist mit ihrer neuesten Studioproduktion kein wirklich großer Wurf, dafür aber eine zumindest halbwegs überzeugende Langrille gelungen. Das mag mit daran liegen, dass auch Songmaterial aus früheren Karrierephasen Verwendung gefunden hat.

Michael Koenig, (Artikelliste), 17.02.2015

Eigentlich wollten die Herren Scorpiones ja seit geraumer Zeit in den wohlverdienten Altersruhestand gegangen sein, aber seit sie dies verkündeten, zieht sich die Abschiedstournee Jahr über Jahr und auch das ein oder andere Studioalbum erblickte das Licht der Welt, nun also "Return To Forever", wenn das mal keine Drohung ist.
Waren die Vorgänger doch eher von bescheidener Natur, so hat man sich die Kritiken offensichtlich zu Herzen genommen und möchte sich nun mit einem Knall zurückmelden, so dann auch der Titel des durchaus krachledernen Openers Going Out With A Bang und es sollen tatsächlich weitere akzeptable Rocker folgen. Nicht das man auf die notorischen Schmachtfetzen gänzlich verzichtet hat, aber die Waage neigt sich eindeutig in die richtige Richtung. Auffällig sind einige schöne Riffideen und Soli, die den üblichen Mainstream sprengen.
Fazit: Die SCORPS erfinden das Rad hier sicherlich nicht neu, pumpen es aber vergleichsweise praller auf als üblich.

Ralf Frank, (Artikelliste), 19.02.2015