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Comeblack
Scorpions
Comeblack, Sony Music, 2011
Klause MeineLead Vocals, Backing Vocals
Rudolf SchenkerRhythm Guitars, Lead Guitars, Backing Vocals
Matthias JabsLead Guitars, Rhythm Guitars, Acoustic Guitars, Talk Box
Pavel MaciwodaBass
James KottackDrums, Backing Vocals
Produziert von: Mikael Nord Andersson & Martin Hansen Länge: 54 Min 20 Sek Medium: CD
01. Rhythm Of Love08.Tainted Love
02. No One Like You09. Children Of The Revolution
03. The Zoo10. Across The Universe
04. Rock You Like A Hurricane11. Tin Soldier
05. Blackout12. All Day And All Of The Night
06. Wind Of Change13. Ruby Tuesday
07. Still Loving You

Logo Scorpions

Die wird man einfach nicht los! Die Abschiedstournee ist noch nicht 'rum, da stehen die schon wieder vor der Tür und winken mit einem "neuen" Album: "Comeblack". Das ist kein Schreibfehler, sonder die Definition einer Wiederkehr vor der Abkehr. Ein vorheriger "Blackout" ist natürlich Voraussetzung für diese besondere Geisteshaltung.
Der Kollege Ralf Frank hat es in seinem Beitrag zum "letzten Album" "Sting In The Tail" bereits geahnt, dass da noch kein Ende abzusehen ist und schon haben die Hannoveraner sich ein paar alte Songs - und ein paar noch ältere - geschnappt und neu eingespielt. Wer braucht das? Na, hören wir mal rein.
Tatsächlich klingt Rhythm Of Love - entmüllt vom spätachtziger Sound - gar nicht mal so schlecht. Das war damals die letzte Tour der Band, die ich mir zugemutet habe, und alle Versuche der zugehörigen LP ("Savage Amusement") einen höheren Stellenwert in meiner Sammlung zu verschaffen - sogar das Songbuch zur Scheibe habe ich gekauft! - sind letztlich gescheitert. Das hier ist immerhin erträglich. No One Like You war damals schon gut und der Frische jener Tage kann auch diese Neueinspielung nicht verdrängen, klingt gut, klar, ist auch ein guter Song, die Gitarren sind sicherlich zeitgemäßer, aber letztlich fragt man sich doch: warum?

The Zoo war die Knallernummer von "Animal Magnetism". So erdig kannte man die Band vorher kaum. Jetzt sind sie praktisch "noch erdiger", aber bei Klaus Meines Gesang scheint etwas Erschöpfung sich breitzumachen. Auch wenn das vielleicht den Text in den Strophen widerspiegeln soll, es dient dem Song nicht. Klingt wie eine gut gemachte Cover-Version, was es letztlich ja ist.
Rock You Like A Hurricane hat gehörig Power, damals wie heute, jedenfalls, bis irgendwelche Keyboards im Hintergrund mittackern. Sorry, aber da greif ich auch heute noch lieber aufs Original zurück. Blackout kommt dagegen im aktualisierten Sound ziemlich gut. Der etwas durchsichtigere Gitarrensound setzt sich gut durch und lediglich die kurz auftauchende Akustikgitarre trübt den Eindruck etwas. Wind Of Change ... das bleibt einem einfach nicht erspart. Wer es mag, der wird auch das hier mögen. Mir kommt's längst zu den Ohren raus. Dagegen kann ich mir Still Loving You immer noch anhören und selbst mit dieser Variante komm ich zurecht. Auch hier klingen die Gitarren präsenter, irgendwie "klarer", als beim Ursprungslied. Hat etwas mehr Drive in der Strophe, fällt dafür im Refrain etwas zurück. Naja.
Dann gleich sechs Coverversionen von "Einflüssen und Lieblingsliedern". Marc Almonds Tainted Love macht im Hard Rock-Stampf-Gewand gar keine so schlechte Figur. Der Song war schon immer ein toller Dance-Groover, nur durfte man das als aufrechter Rocker damals nicht zugeben. Vielleicht liefert diese Version manchem Hörer eine Legitimation. Etwas unnötig "aufgeblasen", aber ansonsten ganz okay.

Auch Marc Bolans Children Of The Revolution kommt recht gut und wird dem Glam Rock Charakter der Vorlage gerecht. Mit Across The Universe erfüllte die Band wohl Klaus Meine einen Wunsch. Sicher einer der schönsten BEATLES/John Lennon-Songs, aber… das hier braucht wirklich niemand. Da ist nichts Besonderes dran und gesanglich auch kein Bringer. Das trifft auch auf Tin Soldier zu. Wenn man Steve Marriott im Ohr hat, kann einen diese Version - trotz bemühter Power-Einspritzung - nicht begeistern.
All Day And All Of The Night, von den KINKS kommt etwas besser weg, aber hat's auch schon bessere Coverversionen davon gegeben. Nicht übel, aber auch nichts, was man sich gezielt noch mal anhören möchte. Vermeiden wird man ziemlich sicher einen weiteren, unnötigen, Durchlauf von Ruby Tuesday, auch wenn ich da schon die Feuerzeug- und Armschwenkmeere nächstes Jahr in Wacken vor mir sehe. Hier klingt es wie eine Mischung aus BEATLES und Power-Pop."Still I'm gonna miss you", verklingen Song und Album. Der Schmerz hält sich durch "Comeblack" in Grenzen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 06.11.2011

Zuerst der angekündigte Abschied, dann die langangelegte Farewell- Tournee und nun schon das Comeback? Nein, so schnell geht das auch bei den Hannoveranern nicht. Denn a) heißt das neue Album ja “Comeblack“ (was für ein großartiges Wortspiel) und b) befinden sich hier fast ausschließlich Klassiker im aufgemotzten Sound-Gewand und ein paar Cover-Versionen auf diesem Werk.

Und da stellt sich die alte Frage: Wer braucht das, wer ist die Zielgruppe? Sollen SCORPIONS-Fans sich tatsächlich eine nahezu identische Version von No One Like You, Rock You Like A Hurricane, The Zoo oder Still Loving You neben das Klassiker-Original stellen? Und zwar bloß deswegen, weil man den Liedern jetzt einen modern, crunchigen Sound verpasst hat, den man in den 1980er Jahren so im Studio nicht hinbekommen hat? Will man mit dieser Zusammenstellung neue Kunden für die SCORPIONS gewinnen? Und wenn man die Songs schon selber neu aufnimmt, sollte man dann nicht für wirkliche Abwechslung sorgen anstatt nur halbherzig Kleinigkeiten zu verändern? All das fehlt hier und damit auch die Antwort auf die einleitende Frage.

Zumal die Cover-Versionen von SOFT CELLs Tainted Love (die Version hätte auch genau so gut von MARILYN MANSON sein können), Children Of The Revolution (T. REX), Across The Universe (THE BEATLES), TIn Soldier (SMALL FACES), All Day And All Of The Night (THE KINKS)und Ruby Tuesday (ROLLING STONES) ähnlich begeisternd ausfallen wie das damalige THE WHO-Cover Can’t Explain auf “Rockers & Ballads“. Insgesamt bleibt ein fader Geschmack bei dieser lauwarm aufgekochten Suppe aus alten Songs und uninspiriert gezockten Covern. Ein Album so unnütz wie ein Comeback dieser einstmals großen Band.

Marc Langels, (Artikelliste), 07.11.2011

Was soll man dazu sagen, ist das jetzt der im Grunde von Allen erwartete Rücktritt vom Rücktritt, was kommt als Nächstes, ein Weihnachtsalbum?

Natürlich möchte man den SCORPIONS im ersten Moment reflexartig die totale Kommerzialisierung vorwerfen und dies möglicherweise zu Recht, aber schließlich wird ja niemand gezwungen irgendein Album zu kaufen, wenn es ihm keinen Spaß macht und da liegt der Hase im Pfeffer, "Comeblack" macht nämlich teilweise richtig Spaß.
Es fehlt zwar hier und da der gewohnte Charme der jugendlichen Krautrocker, aber andererseits hat die fette, moderne Produktion dem ein oder anderen Song durchaus gut getan. Die Auswahl hätte man auch anders gestalten können, aber in der ersten Hälfte des Albums machen die SCORPS keine Experimente und man findet natürlich sowohl Oggersheimer Night wie auch Blackout friedlich nebeneinander, und das ist auch gut so.

Aber was soll man denn bitteschön von Coversongs wie Tainted Love oder der Vergewaltigung von Children Of The Revolution und den anderen Klassikern in der zweiten Hälfte des Albums halten, da hört der Spaß dann ganz schnell wieder auf.

Ralf Frank, (Artikelliste), 08.11.2011

Faszinierend, welch hohen Stellenwert die Band immer noch genießt, obwohl in kreativer Hinsicht seit 20 Jahren nicht mehr viel Erwähnenswertes passiert ist.

Nach dem angekündigten Rückzug aufs Altenteil startet mit "Comeblack" die befürchtete Großoffensive an Best of-, Greatest Hits-, Cheasiest Ballads-, Livealben und ähnlichem, um die Geldströme am fließen zu halten.

Stop! Bleiben wir fair. Die Neueinspielungen der rockigen Klassiker klingen frisch und unverbraucht. Die Arrangements unterscheiden sich von den Originalen und in der Form kann man den Hannoveranern wirklich nicht an den Karren fahren. Davon hätte es gerne mehr sein dürfen. Die Neuaufnahmen der Balladen braucht allerdings kein Borstenvieh.

Ob man die Coverversionen haben muss steht auf einem anderen Blatt. Tainted Love kommt ganz gut, der Rest ist verzichtbar. Mit Across The Universe, dem nächsten, peinlichen Schmachtfetzen, sorgen die Scorps dafür, dass der Autor dieser Zeilen garantiert keine Träne über das viel zu späte Ende (s)einer einstigen Lieblingsband vergießen wird.

Unter dem Strich: Sechs hörenswerte Nummern, vier unspektakuläre Füller, drei Mal entsetzlicher Müll. "Comeblack" kann man mögen, muss man aber nicht.

Martin Schneider, (Artikelliste), 10.11.2011