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Ruf Records
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Black Wind Howlin'
Samantha Fish
Black Wind Howlin', Ruf Records, 2013
Samantha FishGuitar and Vocals
Yonrico ScottDrums and Percussion
Charlie WootonBass
Mike ZitoGuitar and Vocals
Paul ThornVocals
Johnny SansoneHarmonica
Bo ThomasFiddle
Produziert von: Mike Zito Länge: 54 Min 24 Sek Medium: CD
01. Miles To Go07. Lay It Down
02. Kick Around08. Let's Have Some Fun
03. Go To Hell09. Heartbreaker
04. Sucker Born10. Foolin' Me
05. Over You11. Black Wind Howlin'
06. Who's Been Talking12. Last September

Wenn der "schwarze Wind heult", dann zieht man sich besser warm an und schlägt den Kragen nach oben. Und das scheint durchaus angebracht, denn direkt furios legt Samantha Fish beim ersten Song ihres neuen Albums los. Die Eile, mit der die blonde Sängerin und Gitarristin seit ihrem Debütalbum vor zwei Jahren durch Clubs und Hallen zieht und nebenbei noch im Aufnahmestudio steht, ist für einen relativen Newcomer sehr beeindruckend. Zumal sie dabei so ganz locker auch noch ein paar Auszeichnungen mitnimmt.
Manchmal stimmt der erste Eindruck also doch und so wie sie mich vor ein paar Jahren schon beim BLUES CARAVAN - jährlich von Deutschlands Vorzeige-Blues-Label RUF Records veranstaltet - angetörnt hat, so kann sie mich auch mit ihrem "Zweitling" überzeugen.

Wie gesagt, das geht mit reichlich Drive los und Samantha drückt mit ihrem Slide-Spiel zusätzlich aufs Tempo."12 hours to Reno, 10 hours til the next show", singt sie. Da heißt es Gas geben und am Ball bleiben. Die "Show" geht dann auch prächtig los mit einem dieser unschlagbaren Runka-Runka-Keith-meets-Chuck-Rhythmen, die man bei einem Dan Baird so gern hört und liebt. Ich denke da an der GEORGIA SATELLITES' Mon Cheri, passt aber auch zu mindestens zwei Dutzend anderer Titel aus Bairds Feder. Kommt jedenfalls geil und der hier an der zweiten Gitarre lärmt, ist Mike Zito, der auch dieses Album produziert hat und sich mittlerweile zum Mann für alle Fälle im Hause RUF aufschwingt.
Ein weiterer Gast steht gleich hintendran, denn in dem heftigen Roots'n'Blues-Stampfer Go To Hell ist Paul Thorn Samanthas Partner an Gitarre und Gesang. Auch das ist nichts für Zartbesaitete, denn auch das kommt kernig und derb. Drei Knaller am Stück - das geht doch schon verdammt gut los und mit dem rauen Slide-Blues Sucker Born gehtís grad so weiter. Zunächst etwas gezügelt und recht traditionell, pumpt "Jumpin' Johnny" Sansone an der Blues Harp das Ding bald auf ein höheres Level. Ja, auch dieser Gast setzt eine tolle Duftmarke. Ich hab während des Autofahrens sogar angehalten, um zu sehen, wer diese rattenscharfe Blues Harp bläst! Klingt ein bisschen wie Mick Jagger meets Charlie Musselwhite und das will in meinen Ohren was heißen!
Das Spiel wiederholt sich kurz darauf bei Who's Been Talking in ähnlicher Form, nur dass man hier einen schmissigen -Jump-Blues pflegt

Dazwischen mit Over You eine stimmungsvolle Ballade mit leichten Soul-Anteilen, die unterstreicht, dass Mrs. Fish auch stimmlich einen Schritt nach vorn gemacht. Für mich ist ihre Entwicklung auf der Gitarre aber noch weitergehend und wenn man nach einem gewissen 'Trademark' in der Musik von Samantha Fish sucht, dann sollte Lay It Down als Anspieltipp herhalten. Das hat schon einen gewissen Wiedererkennungswert, wie zwischen Single-Note-Spiel und rauen Riffs gewechselt wird und stimmlich zwischen hintergründig lasziv und anzüglich-frech.
Wenn die Sängerin zu Let's Have Some Fun auffordert, greift sie sich auch mal die Akustische, um ganz allein den Mississippi-Blues zu zelebrieren. Hat auch irgendwo was Klagendes, aber "Spaß" hat eben auch oft ein bisschen mit Schmerz zu tun.
Eher ein wohliger Schmerz ist es, den die Slide-Gitarre in Heartbreaker im Ohr verursacht. Der Titel erinnert nicht nur mit dem Namen an LED ZEPPELIN, sondern hat auch sonst einiges vom groben Blues-Verständnis der einstigen Rock-Größen. Und der Schlagzeug-Schluss verweist doch nicht zufällig auf Bonham, oder?
Foolin' Me ist als Song nicht überspektakulär, doch die Lead-Gitarre klingt wieder richtig klasse. Da darf man in den kommenden Jahren und vor allem bei den Konzerten schon einiges an gerechtfertigter Vorfreude ansammeln. Wie sich das in so einem Konzert anhören könnte, offenbart der Titelsong dieses Album. Das klingt so richtig nach live eingespielt und im Studio abgerockt und sich dabei immer mehr in diesen Blues-Groover reingesteigert. Immer dann, wenn man denkt, jetzt ist der Höhepunkt erreicht, setzt Samantha noch einen drauf und dreht noch weiter auf und ab. Vielleicht mehr was für Gitarren- und Lärm-Fetischisten, aber: Geil!
Als bräuchte es einen Gegensatz nach dieser Orgie, wird das Album von dem folkigen Country-Rock in Last September beschlossen. Da gibtís dann sogar noch eine stilgerechte Fiddle und einen schönen On-the-road-Drive, der letztlich den Kreis schließt und auf den Eingangssong verweist. Nur noch zehn Stunden bis zur nächsten Show? Dann aber los!
Wertet man jetzt das Debütalbum ab, wenn diese gelungene Weiterentwicklung zu sehr lobt? Ich denke nicht, denn beide Scheiben sind zu empfehlen. Außerdem hat das Cover beim Vorgängeralbum besser zur Musik gepasst.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 09.10.2013