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The Small Hours
Robin tom Rink
The Small Hours, Make My Day Records, 2017
Robin tom Rinkvocals, piano, guitars
Ekki Maasguitar, bass, trombone, percussion
Christian Wübbendrums
Peter Protschkatrumpet
Agnes Latoszewskibackground vocals
Tanja Sanderbackground vocals
Julia Randbackground vocals
Produziert von: Ekki Maas Länge: 45 Min 51 Sek Medium: CD
01. Face Underwater09. Le Feu Follet
02. Foxes10. Measures
03. Ocean Wanderer11. To A City
04. Curtains12. Such A Foggy Morning
05. Appointment Of A Different Kind13. Jagoda
06. Hotel Floors #214. Spring Came At Last
07. Out Of The Haze15. Field Of Forest
08. House By The Sea

Caspar David Friedrich, Henri Toulouse-Lautrec, Vincent Van Gogh, Paul Cezanne – Robin tom Rink hat einen erlesenen Geschmack in Sachen Kunst. Das ist gut für die Gestaltung seines neuen Albums; kaum jemand macht sich noch so viel Mühe, das Booklet einer CD mit ausgesuchten Gemälden zu bestücken. Auch die Wahl von ERDMÖBEL-Gründer Ekki Maas als Produzent deutet die Ambitionen des Wahl-Kölners und Songwriters an. Und dann?

Als eine tiefe und schwarze Finsternis mit kleiner Hoffnung in Moll kündigt der Werbezettel Robin tom Rinks neues Werk "The Small Hours" an, und der Sänger selbst wird zitiert mit den eher entmutigenden Worten: „Den Glauben an die Menschheit habe ich verloren, aber nicht den ans Individuum.“ Und überhaupt, ist doch Paris, der Ort für alle Nachtnostalgiker und vom Leben gebeutelten Künstler – siehe Toulouse-Lautrec - das Lieblings-Refuguim von Robin tom Rink. Dort wo man Rimbaud und James Joyce noch immer gleichermaßen schätzt. Sollte hier also gar ein neuer Leonard Cohen, ein neuer Held des "You want it darker" am Werke sein?

Schön wär's ja. Aber leider hat Robin tom Rink zwar ein paar schöne Melodien – aber keine wirklich guten Songs. Die meisten der 15 Stücke auf „The Small Hours“ sind eher Skizzen denn wirklich stimmungsvolle Lieder. Das ist für die Dämmerstunden am Morgen auch ok, mehr verkraftet der Organismus zwischen 3 und 4 Uhr häufig ohnehin nicht. Nur: Von einer abgrundtiefen Finsternis und „düsterer Platte, die sich nach Einsamkeit sehnt“ ist nicht viel zu hören. Es sei denn, eine versprenkelt erklingende Trompete mit leichtem Jazz-Einschlag reicht schon aus, um sich einsam zu fühlen...

Das wirklich große Manko der Platte ist allerdings, dass Robin tom Rink zwar passabel englisch singt – aber eben doch deutlich hörbar kein Muttersprachler ist. Das wird ausgerechnet gleich im ersten Song Face Underwater überdeutlich; es klingt, als habe jemand versucht, den Text ganz besonders deutlich wie ein Engländer zu singen – entsprechend steif hört sich die Stimme an. Besser wird's erst in der zweiten Hälfte des Albums, als hätte Robin tom Rink hier sich mehr in seiner Musik treiben lassen und weniger an die große Bedeutsamkeit seiner Einsamkeitsbetrachtungen und sein Schulenglisch gedacht.

"The Small Hours" hat einige schöne Momente, etwa wenn Multiinstrumentalist Ekki Maas seinen Bass gegen die hohe Stimme von tom Rink anlaufen lässt, wie in Measures. Oder wenn der Melancholiker mal einen etwas flotteren Rhythmus findet (Appointment Of A Different Kind). Das reicht aber nicht aus, um die frühen Morgenstunden wirklich zu füllen, selbst wenn noch genügend Rotwein in der Flasche sein sollte. Schon gar nicht, wenn auf dem Plattenteller nebenan noch ein Album wie "In The Wee Small Hours" von Frank Sinatra liegt...

Holger Müller, (Artikelliste), 22.01.2017