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Who Came First - 45th Anniversary Expanded Edition
Pete Townshend
Who Came First - 45th Anniversary Expanded Edition, UMC, 2018
Pete TownshendAll Vocals and Instruments
Produziert von: Pete Townshend Länge: 110 Min 44 Sek Medium: CD
Disc One:
01. Pure & Easy06. There's A Heartache Following Me
02. Evolution07. Sheraton Gibson
03. Forever's No Time At All08. Content
04. Let's See Action09. Parvadigar
05. Time Is Passing
Disc Two:
01. His Hands10. Content (Stage A)
02. The Seeker (2017 Edit)11. Day Of Silence (Alternate Version)
03. Day Of Silence12. Parvadigar (Alternate Take)
04. Sleeping Dog13. Nothing Is Everything
05. Mary Jane (Stage A)14. There Is A Fortune In Those Hills
06. I Always Say (2017 Edit)15. Meher Baba In Italy
07. Begin The Beguine (2017 Mix)16. Drowned (Live In India)
08. Baba O'Riley (Instrumental)17. Evolution (Live at Ronnie Lane Memorial)
09. The Love Man (Stage C)

Bevor hier ein Aufschrei durch den Äther geht: Natürlich war es bereits im letzten Jahr, dass Pete Townshends erstes Soloalbum seinen 45. feierte. Aber wenn er Anlass zu so einer schönen Ausgabe gereicht, dann kann man das Geschenk auch noch nachreichen.
Peter Dennis Blandford Townshend brachte 1972 mit “Who Came First“ sein erstes Soloalbum auf einem (dem?) Höhepunkt seiner Band THE WHO heraus: Zwischen den Alben “Who's Next“ und Quadrophenia'“. Die Produktivität des Gitarristen schien kaum Grenzen zu kennen, was sich auch auf “Who Came First“ widerspiegelt, denn Townshend spielte das wirklich komplett allein – alle Vocals, alle Instrumente – ein. Ein echtes Soloalbum!
Wobei die Arbeitsweise für Townshend kein Neuland war, denn – wie wir von seinen “Scoop“-Alben wissen – er hat seit jeher Demos angefertigt, an denen sich seine WHO-Kollegen orientieren konnten, wenn er einen Song präsentierte. Großen Anteil an seinem Songwriting und dem kreativen Prozess hatte zweifellos sein Guru Meher Baba. Darüber gibt’s genug im Netz zu finden und muss uns hier nur am Rande beschäftigen.

Die erste Disc hier präsentiert das eigentliche Album, welches durch Pure & Easy gleich mit einem von Petes besten Solo-Tracks eröffnet wird. THE WHO haben den Song auch aufgenommen (zu finden unter anderem auf dem Sampler “Odds & Sods“), aber mir gefällt Petes Version in der Tat besser. Schöner kann Musik nicht klingen.
Was man fast schon über das ganze Album sagen kann. Evolution, mit seinem Country-Flair, Forever‘s No Time At All mit seinem Folk-Jam-Charakter dürfte auch CSN&Y gefallen haben, dann Let‘s See Action, eigentlich für THE WHO (genauer: für das “Lifehouse“ Projekt) gedacht, aber dann doch als erstes von Pete veröffentlicht, einer der tollsten Songs überhaupt. Sowohl mit überragendem Drive, als auch strahlender Schönheit. Ich denke mal, Ray Davies hat da eifersüchtig um die Ecke geblickt.
Time Is Passing, was soll ich sagen? Ein weiterer Geniestreich von Townshend. Einfach und schlicht und trotzdem einer jener Songs, die einem sofort ins Ohr gehen und wert sind, genauer gehört zu werden. Und so auch There‘s A Heartache Following Me - beides im Country-Lager beheimatet.
Sein Akustikgitarrenspiel – und gerade der Wechsel zwischen Strumming und Fingerpicking – gehörte seit jeher zu Townshends Markenzeichen und Stärken und das demonstriert er einmal mehr in Sheraton Gibson. Auch das ein Highlight auf diesem Album. Das hymnische Evolution erfreut ebenso wie Parvadigar am Schluss. Überall schimmern Klänge durch, die man bei THE WHO kennen und lieben gelernt hat und trotzdem bringt sie Pete in seiner eigenen, etwas subtileren, Weise. Für mich ist das Original-Album genauso stark, wie nahezu jedes WHO-Album.

Die zweite CD beschert uns Outtakes, Alternate Takes, Unveröffentlichtes. Das erinnert natürlich wieder an Petes “Scoop“-Alben und ebenso natürlich ist sein unverwechselbarer Stil zu hören, der bei THE WHO so richtig Power bekam. Die gibt es hier nicht so, aber Elemente aus His Hands meint man in “Tommy“ schon gehört zu haben. The Seeker kennt man klar. Zwar mit mehr Druck – einen Keith Moon kann man nicht ersetzen - , aber die Qualität der Nummer zeigt sich auch hier.
Das beiliegende Booklet beinhaltet nicht nur viele Bilder von Meher Baba, sondern auch Petes Notizen zu jedem einzelnen Song. So erfährt man, dass Townshend nicht an einen Himmel glaubt (im Zusammenhang mit I Always Say), man hört seine Version von Cole Portes Begin The Beguine. Angeblich ein Lieblingslied von Meher Baba. Meines von Pete Tonshend wird’s eher nicht. Unter “Interessant“ fällt auch die Instrumental-Version von Baba O'Riley. Ohne Roger Daltreys ausdrucksstarken Gesang, kann man sich besser auf die instrumentale Ausgefuchstheit des Songs einlassen. Wie Townshend selbst sagt: Ein Meisterstück.
Würde er es nicht erwähnen, würde man die Pedal Steel in The Love Man wohl gar nicht so wahrnehmen, aber man kann sich sehr gut vorstellen, wie Roger Daltrey diesen Song singen würde. Hätte ich gern mal gehört.
Parvadigar ist auch in dieser eher “rohen“ Vesion ein wunderschöner Song. Nur Pete und seine Gitarre – traumhaft. Let's See Action finde ich von je her einen der besten WHO-Songs und auch diese ganz frühe Fassung hat ihre Magie. Auch wenn sie “incomplete“ ist. Für einen Film über Meher Baba wurde die – sehr schnell gespielte Solo-Version – von Drowned von einer australischen Filmcrew 1976 in Indien aufgenommen. Auch hier weiß Townshend mit seinem dynamischen Gitarrenspiel zu überzeugen.
Am Ende gibt’s noch eine Live-Fassung von Evolution beim Memorial für Ronny Lane 2004 aufgenommen. Der Vorliebe Lanes für Country absolut würdig.
Hier hat man also die vielleicht bestmögliche Würdigung für Pete Townshends erstes Soloalbum, welches die Hoffnung schürt, dass mit seinen nachfolgenden in gleicher Weise verfahren wird.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.05.2018