Pampered Menial / At The Sound Of The Bell
Pavlov's Dog
Pampered Menial / At The Sound Of The Bell, Cherry Red Records, 2013
David Surkamp (*#)Lead Vocals, Guitar
Douglas Rayburn (*#)Mellotron, Bass, Percussion, Flute
Stephen Scorfina (*#)Lead Guitar
David Hamilton (*#)Keyboards
Richard Stockton (*#)Bass
Richard Nadler (aka Siegfrid Carver) (*)Violin, Vitar, Viola
Mike Safron (*)Drums, Percussion
Thomas Nickeson (#)Accoustic Guitar, Harmonies
Bill Bruford (#)Drums
Guests on ATSOTB (#)
Mike AbeneOrgan
Michael BreckerSaxophone
George GerichOrgan
Andy MackaySaxophone
Les NicolGuitar
Paul PrestopinoMandolin
Elliot RandallGuitar
Gavyn WrightViolin
Hubert LawsFlute
High Wycombe Boys ChoirVocals
Mountain Fjord OrchestraStrings
Produziert von: Murray Krugman & Sandy Pearlman Länge: 67 Min 40 Sek Medium: 2CD
"Pampered Menial" (*)(1975) 33:58
01. Julia06. Theme From Subway Sue
02. Late November07. Episode
03. Song Dance08. Prelludin
04. Fast Gun09. Of Once And Future Kings
05. Natchez Trace
"At The Sound Of The Bell" (#)(1976) 33:42
01. She Came Shining06. Gold Nuggets
02. Standing Here With You07. She Breaks Like A Morning Sky
03. Mersey08. Early Morning On
04. Valkerie09. Did You See Him Cry
05. Try To Hang On

Logo Pavlov's Dog

1974 hing der Himmel über St. Louis für PAVLOV'S DOG buchstäblich voller Geigen. Obwohl bisher nur ein Bootleg Demo kursierte, buhlten Major Labels wie ABC und Columbia um die aufstrebenden Prog Rocker, der bekannte Rockpromoter Ron Powell übernahm das Management und verschaffte der Newcomer-Band Mega-Deals, als Produzenten konnte man die Erfolgsgaranten von BLUE ÖYSTER CULT gewinnen, was sollte da also noch schiefgehen?

Im Prinzip alles. 1974 hatten PAVLOS'S DOG ihren ersten Plattenvertrag für sage und schreibe 650.000 $ mit ABC in der Tasche, 1975 kam ihr Debut "Pampered Menial" auf den Markt, gleichzeitig unterschrieb die Band für weitere 600.000 $ bei Columbia, welche die Band bei ABC auslöste und dadurch auch die Rechte an "Pampered Menial" übernahm, das Album erschien quasi zeitgleich bei beiden Labels.
Ein Jahr später erschien das Nachfolgealbum "At The Sound Of The Bell" und ein drittes Album verschwand im nächsten Jahr für geraume Zeit im Giftschrank. Die Plattenverträge wurden gekündigt und die Band löste sich auf, obwohl sie von Fans und Kritikern hoch gelobt wurden, wie konnte das passieren?

Murphys Gesetz besagt: "Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen." Bereits zu den Aufnahmen zu "Pampered Menial" war die Band heillos zerstritten und in Fraktionen geteilt, der vermeintliche Bandleader Mike Safron überwarf sich wegen musikalischer Differenzen mit den Produzenten und wurde entmachtet, das Management brachte seine Schäfchen ins Trockene und die Plattenbosse waren mit der Gesamtsituation unzufrieden.
Dreh und Angelpunkt der Misere war Ausnahmesänger David Surkamp, dessen unglaublicher Falsettstimme sowohl Segen als auch Fluch war, an der sich die Geister scheideten. Die Bandmitglieder neideten ihm seine Ausnahmestellung und die landesweiten Radiostationen verweigerten die Ausstrahlung der Songs, angeblich war der Gesang unvermittelbar, was die erhofften Plattenverkäufe erheblich minderte.

Nachdem sich sowohl ABC als auch Columbia für viel Geld in die Nesseln gesetzt hatten, waren PAVLOV'S DOG für andere große Labels zu Persona non grata geworden, der Karrieretraum war zu Ende, bevor er richtig angefangen hatte. In Fankreisen erlangte die Band jedoch Kultstatus, besonders in Europa waren die beiden Alben sehr begehrt und wurden als Sammlerstücke teuer gehandelt.
Als CDs gab es über die Jahre verschiedenen Editionen, einzelne Standardausgaben, beide zusammen im Doppelpack oder als aufwendiges Deluxe-Boxset aus Japan. Beide Alben erscheinen nun neu remasterd, mit restaurierter Original-Artwork und umfangreichen Booklets.

"Pampered Menial" gilt heute schlichtweg als Meilenstein des Progressiv Rocks, wobei Surkamp den Großteil des Songwritings bestritten hat. Seine Songs sind kleine, versponnene Meisterwerke mit fantasievollen Texten, eingebettet in einen klassischen Ansatz mit Jazz- und Blueselementen, bestimmt durch den Einsatz von Piano, Geigen und Flöte und getragen durch die markante Stimme. Rockige Gitarren und Soli halten sich dezent im Hintergrund, außer bei Songdance und Natchez Trace, die bezeichnenderweise aus der Feder von Safron und Scorfina stammen, neben dem Opener Julia aber als Klassiker gelten.

Als die Aufnahmen zu "At the Sound of the Bell" 1976 in den Record Plant Studios, New York begannen, waren drei der kreativen Gründer, Hamilton, Carver und Safron breits nicht mehr mit an Board, obwohl Hamilton noch im Line Up genannt wird. Die Songs stammen alle von Surkamp, hier und da assistiert von Rayburn und Scorfina. Für die Aufnahmen wurden eine ganze Reihe Studiomusiker engagiert, darunter u. a. Bill Bruford (YES), Andy Mackay (ROXY MUSIC), Elliot Randall (STEELY DAN) oder Mike Brecker (Billy Cobham), die eigentlichen Bandmitglieder waren dabei beinahe schon überflüssig.
Ohne die kreativen Köpfe des Debuts dümpelt das Album recht seicht vor sich hin, wer allerdings die ruhigen Stücke des Vorgängers bevorzugt, kommt auch hier auf seine Kosten. Die Kritiken fielen jedoch bescheiden aus, genau wie die Verkaufszahlen, das Ende von PAVLOV'S DOG war besiegelt.

Nach 1977 gingen die Mitglieder ihre eigenen Wege, verabschiedeten sich zum Teil ganz oder zeitweise vom Musikgeschäft oder versuchten sich Solo oder traten anderen Projekten bei. Mitte der 1980er gab es eine kurzfristige Reunion die 1990 zu dem vierten Longplayer "Lost in America" führen sollte.
Seit 2003 ist die Band wieder regelmäßig unterwegs und auch mit diversen Outputs am Start, sowohl Live wie Studio, die Klasse ihres Debuts wurde aber nie mehr erreicht, insofern sind die Neuauflagen essenziell, ansonsten zehrt man mehr oder weniger von der Legende.

Ralf Frank, (Artikelliste), 12.05.2013