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Here I Am
Oli Brown
Here I Am, Ruf Records, 2012
Oli BrownGuitar & Vocals
Scott BarnesBass
Wayne ProctorDrums & Percussion
Joel WhieHammond & Rhodes
Special Guests:
Dani WildeVocals on Like a Feather
Paul JonesHarmonica on Solid Ground
Produziert von: Wayne Proctor Länge: 51 Min 31 Sek Medium: CD
01. Here I Am07. Devil In Me
02. Thinking About Her08. I Love You More Than You'll Ever Know
03. Manic Bloom09. Remedy
04. All We Had To Give10. Mr. Wilson
05. You Can Only Blame Yourself11. Like A Feather
06. Start It Again12. Solid Ground

Kaum sind die ersten Takte von Oli Browns neuem Album erklungen, ärgere ich mich schon, dass ich den Knaben immer noch nicht live auf der Bühne gesehen habe. Haben mich doch bereits seine ersten beiden Alben schon richtig begeistert. Somit wäre die "Kampfansage" Here I Am, zu Beginn dieses gleichnamigen Albums, gar nicht mehr nötig gewesen. Wenn sie aber mit so viel Druck und Power rüberkommt - ich fühle mich streckenweise gar an LED ZEPPELIN erinnert - dann kommt das einem "Weckruf" doch recht nahe. Das hat jetzt mehr mit Blues Rock, denn mit der reinen Blues-Lehre, zu tun und ein bisschen Southern-Flair - ich denke da an BROTHER CANE (wir erinnern uns: deren Lead-Sänger/-Gitarrist, Damon Johnson, greift zur Zeit bei THIN LIZZY in die Saiten) - klingt auch mit rein.
Nun aber weiter mit Oli Brown, und rückt mit Thinking About Her dann deutlich näher an seine Blues-Wurzeln, mit einem fetten Sound und einem schleppend-groovigen Rhythmus. Darüber seine äußerst angenehme Stimme, die hervorragend zu seiner Musik passt. Ein kleiner Richtungswechsel hält die Spannung aufrecht und mit seinen solistischen Fähigkeiten braucht Brown nicht groß anzugeben: die sind auch kurz angespielt immer ein Lichtblick.

Im Laufe dieses Albums kam mir auch öfter Olis Landsmann Aynsley Lister in den Sinn. Ähnlich wie dieser, überschreitet Brown gern die Grenze vom Blues zum Rock. Ganz im Sinne des Ruf Records Mottos: "Where the blues crosses over". Das drückt sich in Manic Bloom genauso aus, wie in dem, leicht funky, groovigen All We Had To Give. Ein richtiger Ohrwurm, mit einem modernen Rhythmus, schön "unterfütternder" Hammond, und einem großartigen Sänger und Gitarristen. Die Nummer kriegt man nach zwei Durchläufen nicht mehr aus dem Kopf!
Etwas derber, schwerer, folgt You Can Only Blame Yourself. Richtig feiner Blues Rock, mit tiefen Swamp-Wurzeln, dynamisch gespielt und von einer - das muss man auch mal sagen - großartigen Band interpretiert.
Dass die OLI BROWN BAND bei den "British Blues Awards 2011" den Preis für die beste "British Blues Band" ergatterte ist für mich schon keine Überraschung mehr. Den Preis für das beste Album, "Heads I Win, Tails You Lose", nahmen sie auch gleich noch mit.
Solche anmachenden "Stampfer", wie Start It Again, dürften sie auch für 2012 im Rennen halten. Nach wie vor gefällt mir das hervorragende und dennoch unprätentiöse Gitarrenspiel von Brown. Völlig locker, wie kurz mal hingeworfen, kommen seine Licks und Soli und sein Rhythmus ist immer knackig und treibend.

Seine Band hat der Sänger/Gitarrist in den letzten Jahren öfter auswechselt und so hoffe ich, dass die aktuelle Truppe länger zusammenbleibt, denn es macht richtig Spaß, wie die miteinander agieren und, wie in Devil In Me, einen herrlichen Groove-Teppich weben. Wie gehabt, dynamisch und verführerisch kommt das und bringt einen zum Mitwippen.
Das geht auch in so einer einfühlsamen Blues-Ballade, wie I Love You More Than You'll Ever Know, die etwas nach Gary Moore klingt, ohne unnötig "aufgeblasen" zu werden.
Gegen Ende gibtís noch zwei kleine Highlights: Für die Coverversion von Like A Feather hat er die großartige (bald wird man schon sagen müssen: "die große"!) Dani Wilde mit ans Mikrofon gebeten und die beiden ergänzen sich bestens in diesem modernen Blues, der mit leichten Rap- und Hip-Hop-Anteilen richtig Laune macht.
Auf seine alten Tage hat auch Paul Jones nochmal einen Titel bei erwähnten "British Blues Awards" abgesahnt: der beste "British Harmonica Player" wird er wohl noch eine ganze Zeit bleiben und von seinen Fähigkeiten kann man sich auch auf Oli Browns Album überzeugen, wenn für Solid Ground ins Geschehen eingreift. Zunächst eher verhalten im Hintergrund und um den Rhythmus bemüht, wird er doch immer präsenter und die ganze Band scheint sich dieser fulminanten Schlussnummer noch einmal ins Zeug zu werfen.
Der "Überraschungsbonus" geht Oli Brown mittlerweile verloren, doch dafür überzeugt er jetzt mit ausgereiftem Songwriting, einem weiter verbesserten Gesang und einer fast schon abgeklärten für Reife, was sein Gitarrenspiel angeht. Und das alles auf einem absolut unterhaltsamen Album. Das können Leute die weit älter als dieser 22-jährige sind selten von sich behaupten. Nun hoffe ich auch bald mal sagen zu können: "Here i am", und zwar vor der Bühne, wenn diese Band demnächst auf Tour ist.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 21.04.2012