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Koma
Null Positiv
Koma, Triplebase Records, 2017
Elli BerlinGesang
keine Angabe zu den beteiligten Musikern
Produziert von: Oliver Pinelli Länge: 56 Min 48 Sek Medium: CD
01. Unvergessen07. Unschlagbar
02. Koma08. Labyrinth
03. Das Virus In Dir09. Hoffnung Ist Ein Süßes Gift
04. Krieger10. Hundstage
05. Hass11. Zukunft Ungewiss
06. Monster12. Wo Rauch Ist Ist Auch Feuer

Die erste Welle der so genannten Neuen Deutschen Härte mit Bands wie SCHWEISSER, RAMMSTEIN oder OOMPH existiert nun schon nahezu 30 Jahre. Ich kann mich noch gut erinnern, wie rat- und fassungslos einige Musikkritiker gerade den Berlinern RAMMSTEIN, mit deren dauerprovokanten Texten immer am Rande des gerade noch erlaubten Geschmacks und manches Mal auch deutlich darüber, begegneten.

Aber mittlerweile ist diese Musikrichtung etabliert und feiert weltweite Erfolge. Zahlreiche Bands haben sich den Sound angeeignet. Eine der jüngsten ist dabei NULL POSITIV aus Brandenburg. Und es ist sicherlich nicht zu weit hergeholt, ihnen ein ähnliches Schicksal zu prophezeien. Aber wo RAMMSTEIN eher durch gezielte - insbesondere sexuelle - Geschmacklosigkeiten auffielen, da ist es bei NULL POSITIV eher der Unterton einiger ihrer Texte, der gewisse Interpretationsspielräume zulässt, wie man sie von Gruppen wie FREI.WILD etc. kennt.

Wenn Sängerin Elli Berlin zum Beispiel in Unvergessen proklamiert: "Unsere Wurzeln sind längst vergessen! Unsere Ahnen sind längst vergessen! Unsere Götter sind längst vergessen! Unsere Bestimmung wird nie vergessen sein!" dann kann man sich schon vorstellen, welche Gruppe Menschen das wohl zumindest inhaltlich besonders anspricht. Denn welche Wurzeln, Ahnen oder Götter sind schon vergessen? Es gibt eher welche, an die man sich vielleicht aus gutem Grund nicht mehr erinnern will. Und im Gegenzug: welche gemeinsame Bestimmung sollen wir denn bitte haben? Ich möchte der Band nichts unterstellen, aber dieses hier vermittelte Weltbild ist mir gelinde gesagt suspekt.

Und diese "Wir gegen die"-Mentalität wird hier noch einige weitere Male aufgegriffen, unter anderem noch in Unschlagbar und Zukunft Ungewiss. Dabei wird die Welt immer aufgeteilt in Schwarz und Weiß oder Gut und Böse. Das Mittel der Wahl ist immer der Krieg Tod oder Freiheit. Da erscheint es dann schon fast unglaubwürdig, wenn die Band in dem Lied Hass einfordert: "Befrei dich vom Hass!". Vielmehr möchte man der Band dann entgegnen, dass sie ruhig schon mal damit anfangen könnten. Auch um künftigen Kontroversen zu entgehen. Denn dabei gehen positive Beispiele, wie Ansätze in Krieger (darüber, dass die Menschheit fast an ihrem eigenen Dreck und Müll erstickt) leider unter.

Und musikalisch ist die Scheibe ja auch durchaus ganz ok. Allerdings setzen die Musiker hier auch kaum wirklich neue Akzente. Lediglich zum Auftakt treiben NULL POSITIV die Härte auf die Spitze und integrieren leichte Death Metal-Anleihen auch im Gesangsstil in ihren Sound Parallelen zu ARCH ENEMY sind hier durchaus zu erkennen. Aber ansonsten ist das eher vorhersehbar und wenig überraschend aber eben auch überaus solide. Die Songs sind definitiv nicht schlechter als die der Konkurrenz. Aber auch das kann eben die Fragwürdigkeiten in der Message der Band nicht kaschieren. Und die sind eben sehr ambivalent frei nach dem Motto des abschließenden Songs Wo Rauch Ist Ist Auch Feuer.

Marc Langels, (Artikelliste), 11.04.2017