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Edel
Inside Out - Meine Geschichte mit Pink Floyd
Nick Mason
Inside Out - Meine Geschichte mit Pink Floyd, Edel, 2018
von: Nick Mason
ISBN: 978-3-8419-06397
Umfang: 450 Seiten
Preis: 19,95 € zzgl. Versandkosten

Dieses Buch ist in seiner Erstausgabe bereits 2004 erschienen, so viel mal vorne weg. Aber natürlich wurde es für diese Neuauflage durch den Autor mit den nötigen Ereignissen erweitert. Und vielleicht wird er das in ein paar Jahren noch einmal machen müssen, denn, wie Nick Mason selbst häufiger – vor allem am Ende des Buches - schreibt: “ABER man weiß ja nie...“.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Mason seit der Erstausgabe öfter in einem Rennwagen – oder auch Oldtimer – gesessen hat, als hinter einem Drum-Kit ist nicht so sehr gering und in der Tat, bei Schlagzeugern genießt der PINK FLOYD-Drummer jetzt nicht höchstes Ansehen. Wobei das auch Nicks eigener Einschätzung entspricht, denn, wie er selbst befürchtet – als Roger Waters in den Anfangstagen der Band von der Rhythmusgitarre zum Bass wechseln musste und dies mit “Gott sei Dank bin ich nicht bis zum Schlagzeug abgesunken“ kommentierte - “Wenn Roger den Drummer abgegeben hätte, wäre ich vermutlich als Roadie geendet“.
Anhand diese kleinen Anekdote wird schon deutlich, dass dieses Buch voll bestem britischen Humor steckt und somit absolut unterhaltsam zu lesen ist. Für Schlagzeug-Freaks ist hier eher weniger zu holen, aber wer sich für PINK FLOYD interessiert, ist hier bestens aufgehoben. Zumal der Rest der Band mit seinen Erinnerungen eher geizt.

Nachdem Mason von den harten Drogen und dem Alkohol nie verfallen war und auch seine Rennsport-Leidenschaft keine Schäden bei ihm hinterlassen hat, darf man von recht ungetrübter Wahrnehmung ausgehen und die Tatsache, dass in der Band zwar gern und häufig gestritten wurde, es von Seiten Masons aber nie zum “Kampf bis aufs Messer“ gekommen ist, war bei dieser Geschichtsschreibung ebenfalls wertvoll.
Weiterhin empfinde ich es als erfreulich, dass Nick nicht zulange in Kindheitserinnerungen weilt – die bei den in den letzten Kriegsjahren geborenen späteren Rockmusikern ja doch oft ähnlich sind – und man relativ bald in die frühen Sechziger einsteigt und mitkriegt, wie sich das Phänomen PINK FLOYD entwickelte. Eine Gruppe von Architekturstudenten und ein inspirierter Gitarrist namens Syd Barrett die praktisch von Beginn mehr Wert auf die optische Darstellung ihrer Musik legte, als jede andere Band und damit einen ganz eigenen Kosmos schuf.
Noch Jahrzehnte später verzichtete die Band auf die Videoleinwände, auf denen üblicherweise bei Open Airs/Konzerten die Musiker groß zu sehen sind. Wie die Musiker aussehen, war nebensächlich (durchaus ein Vorteil bei der Flucht vor Paparazzi).
Es ging immer um die bestmögliche visuelle Umsetzung der Musik, wozu auch die Plattencover, die in der Regel von “Hipgnosis“ stammten (siehe Buch-Review) gehörten, und so arbeitete man für gewöhnlich mit hervorragenden Designern und anderen Künstlern zusammen. Wobei auch schonmal Kondome für “die besten polarisierten Stressmuster“ herhalten mussten.

Die eigenwillige Arbeitsweise von PINK FLOYD (oft nur mit Fragmenten anstatt fast fertiger Songs im Studio zu beginnen) bekommt man hier ebenso gut mit, wie die unzähligen Streitigkeiten, die häufig – wenn auch nicht immer – mit dem Namen Roger Waters verbunden sind.
Und jede Menge Anekdoten! Mit THE WHO auf Tour in Amerika. Wie Jimi Hendrix ihnen mit Equipment aushalf und so die Tour rettete. Wie sie “eine Truppe vergammelter Typen“ aus ihrer Umkleide werfen ließen, die sich später als THE BAND entpuppte. Wie Songs aus einer Ansammlung von Geräuschen namens “Nothings 1 – 24“ entstanden. Wie im Studio Schlagzeug-Koryphäen, wie Jim Keltner und Carmin Appice, eingesetzt wurden, mit dem Resultat, dass der arme Nick die Parts für die Konzerte doch lernen musste. Die Freundschaft mit dem Schriftsteller Douglas Adams, der einst äußerte “ich liebe das Geräusch von vorbeirauschenden Abgabeterminen“, was durchaus auch auf PINK FLOYD zutreffen könnte...
Und immer wieder kleine Zwistigkeiten. Wie der Moment, als Rick Wright bei den Vorbereitungen zu “Live 8“ einen Basslauf erwähnte, den Guy Pratt (Bassist der Band nach Waters Ausstieg und Ehemann von Wrights Tochter Gala) auf einer Tour gespielt hatte. In unnachahmlicher Weise kam die Antwort von Roger Waters: “Rick, was du und dein Schwiegersohn privat so treibt, geht mich nichts an.“
Was Rick Wright angeht, so wird dieser zitiert für dem Spruch “Technik ist gegenüber Ideen so zweitrangig“. Und das trifft es eigentlich für die ganze Band und ihre Musik auf den Punkt.
Die Ideen hatten sie meistens früher als irgendwer sonst und die Muse diese zu entwickeln und umzusetzen. Mit Masons Biografie ist man meist hautnah dabei und wird manche Scheibe der Band mit anderen/neuen Ohren hören.
Was mich angeht, so hat mich diese Lektüre bewogen, mir in Kürze doch einmal das ein oder andere Album der Band zuzulegen. Und dann hier noch einmal nachzublättern.
Viel Spaß dabei!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 23.09.2018