Link Homepage:
Offizielle Nebula Homepage
Link Facebook:
Nebula @ Facebook
Link Plattenfirma:
Heavy Psych Records
Link Promo:
Gordeon Music
Link Kaufen:
www.amazon.de
Let It Burn - To The Center - Dos EPs
Nebula
Let It Burn - To The Center - Dos EPs, Heavy Psych Records, 2018
Eddie GlassGesang & Gitarre
Ruben RomanoSchlagzeug
Mark AbshireBass
Produziert von: Jack Endino & NEBULA Länge: 160 Min 00 Sek Medium: CD
Let It Burn
01. Elevation06. Rage In The Bloodshot Pyramid
02. Down The Highway07. Sonic Titan
03. Let It Burn08. Devil's Liquid
04. Vulcan Bomber09. Devil's Liquid (live)
05. Dragon Eye10. Let It Burn (Demo)
To The Center
01. To The Center08. So Low
02. Come Down09. Synthetic Dream
03. Watcha Lookin' For10. Fields Of Psilocybin
04. Clearlight11. Between Time
05. Freedom12. You Mean Nothing
06. Antigone13. So Low (live)
07. I Need Somebody14. To The Center (live)
Dos EPs
01. Anything From You08. Fly On
02. Full Throttle09. Rocket
03. Back To The Dawn10. Long Day
04. Fall Of Icarus11. Bardo Airways
05. Rollin' My Way To Freedom12. Anything From You (live)
06. Sun Creature13. Rollin' My Way To Freedom (live)
07. Smokin' Woman

Das Trio NEBULA entstieg aus den Nebeln der Stoner Rock-Ursuppe als sich 1997 Gitarrist Eddie Glass und Schlagzeuger Ruben Romano von den Wüsten-Rockern FU MANCHU verabschiedeten und ihre eigene Band ins Leben riefen. Schnell gesellte sich Bassist Mark Abshire hinzu und fertig war die Original-Besetzung von NEBULA. Diese hielt bis 2003, dann nahm Abshire seinen Hut, vier Jahre später gefolgt von Romano, aber hier soll es ja natürlich nur um die ersten Veröffentlichungen der Band gehen, die nun von Heavy Psych Records wieder aufgelegt werden und die sind eben in dieser ersten Besetzung entstanden.

Den Beginn macht “Let It Burn“, das im Original 1998 auf Relapse Records erschien. Dabei handelt es sich um ein klassisches Stoner Rock-Album im besten Sinne des Wortes. Und das bedeutet Fuzz, Fuzz, Fuzz. Weniger energisch als stellenweise ihre ehemalige Band FU MANCHU gehen Glass und Romano hier zu Werke sondern mit deutlich mehr „klassischem Rock“-Anteil im Sound und im Songwriting. Dabei zeigen sie aber auch schon in dieser frühen Phase ein Faible für Experimente und auch einen Blick über den manchmal ja doch recht engen musikalischen Tellerrand des puren Stoner Rock hinaus. Dabei schielen sie insbesondere in die Richtung Psychedelic Rock.

Dabei gelingt es NEBULA hier schon sogleich ein paar Ohrwürmer zu kreieren, die den Freund des Stoner-Sounds lange gefangen halten, wie etwa Elevation, Down The Highway, der Titel-Track sowie Dragon Eye oder Rage In The Bloodshot Pyramid. Bei dem zuletzt genannten Song erinnert das orientalische Flair ein wenig an die BEATLES und deren Experimentierdrang oder auch an LED ZEPPELIN und deren folkloristische Ausflüge. Aber auch BLACK SABBATH klingen in dem Monolithen Sonic Titan sehr dominant an, so dass man durchaus von einer kleinen musikhistorischen Zeitreise sprechen kann. Der Drive mancher Stück erinnert gar an dreckingen Up-Tempo-Rock à la THE HELLACOPTERS.

Dieser Re-Release dieser ja eher EP als eines vollwertigen Albums kommt für Fans mit zwei Bonus-Live-Stücken daher. Zum einen zu Devil's Liquid als auch zu Let It Burn vom Roskilde Festival aus dem Jahr 2001. Diese sind natürlich eher für Sammler denn für Einsteiger interessant und stellen aus meiner Sicht nicht den großen Mehrwert dar, der eine erneute Anschaffung dieser CD rechtfertigt (für all jene, die diese CD/Scheibe bereits besitzen). Ansonsten ist das Album allerdings ein prima Genre-Repräsentant, der sicherlich einige Interessierte für den Stoner-Sound begeistern kann. Denn sehr viel unverfälschter als auf “Let It Burn“ findet man diesen nicht allzu häufig.

Nach diesem durchaus als furios zu bezeichnenden Einstand stand dann die Produktion der ersten vollwertigen LP an. Diese erschien 1999 unter dem Titel “To The Center“ und klingt wie der vertonte Ausflug zum Mittelpunkt des Universums. Bereits zu Beginn des Openers und Titeltracks treten dabei die psychedelischen Elemente in den Vordergrund, ehe eine fuzzige Riffwand wie eine startende Rakete einsetzt und den Hörer mit auf den musikalischen Trip nimmt. Am exemplarischsten mag dafür der Track Synthetic Dream stehen, der zwischen Stoner Rock und Psychedelic alles zu bieten hat.

Dabei offenbart das Album nämlich eine Abkehr von der reinen Lehre des Stoner Rock, so wie sie noch auf der Debüt-EP zu hören war, und zeigt unter anderem eine musikalische Nähe zum Grunge à la NIRVANA oder auch MUDHONEY im Opener, der auch stark vom Blues beeinflusst wurde. Clearlight hingegen wandelt zwischen Punk und Grunge (der Schluss) der Marke SOUNDGARDEN . Auch Alternative Rock-Einsprengsel von etwa JANE'S ADDICTION werden Genre-Fans in Freedom ausmachen können, während So Low nicht verhehlen kann, dass hier klassischer Blues die Grundlage bildet. Und dennoch werden hier Stoner-Freunde an Tracks wie Come Down, Antigone und Between Time sowie You Mean Nothing auch ausreichend straighte Fuzz-Sound-Freude finden, um die Experimente in den anderen Songs zu goutieren.

Abgerundet wird auch diese Neu-Auflage von zwei Live-Songs, nämlich So Low und To The Center. Dabei stammt erstere Aufnahme aus dem Jahr 1999 und entstand beim damaligen Auftritt im Berliner Club Knaack, der leider seit 2010 nicht mehr existiert. To The Center wurde zwei Jahre später in Chicago mitgeschnitten. Leider ist die Qualität dieser Aufnahmen auch eher als prähistorisch zu bezeichnen. Der Sound ist so dumpf, dass man das jeweilige Lied kaum erkennen kann. Da hätte man sich besser etwas anderes als Bonus ausgesucht. So dient das nicht als Kauf-Anreiz für diejenigen, die das Album bereits besitzen.

Den Abschluss dieser Re-Release-Reihe bildet das Werk “Dos EPs“, das – wie es der Titel schon andeutet – überwiegend aus den Songs zweier EPs besteht. Das wäre zum einen “Sun Creature“ (Rollin' My Way To Freedom, Sun Creature, Smokin' Woman und Fly On) aber auch die Split-EP, die die Band zusammen mit LOWRIDER auflegte (Anything From You, Full Throttle, Back To The Dawn sowie Fall Of Icarus). Hinzu kommen noch drei Stücke, die bei der Erst-Auflage der Scheibe neu waren. Dies sind Anything From You, Full Throttle sowie Back To The Dawn.

Dabei erscheint mir beim Opener erneut die musikalische Nähe zu der damals ja bereits abgeebbten Grunge-Welle erneut überdeutlich. Dieses mal erinnert mich der Aufbau von etwa Anything From You an die SCREAMING TREES. Das anschließende Full Throttle gibt – analog zum Namen – absolut Vollgas und kann dadurch vollauf überzeugen. Back To The Dawn hingegen zeigt die psychedelisch-transzendentale Seite der Musik von NEBULA. Anschließend kommen dann auch wieder klassische Stoner-Sounds zum Einsatz, etwa bei Fall Of Icarus, das Grundriff von Rollin' My Way To Freedom könnte mit einem trockeneren Gitarren-Sound auch als AC/DC -Nummer durchgehen, wohingegen Sun Creature wie ein frühes Werk der Alice Cooper Band klingt. Etwas klassischer – im reinen Stoner Rock-Sinne – ist hingegen Fly On ausgefallen, das sowohl zu FU MANCHU oder auch KYUSS gepasst hätte.

Die neuen Stücke weisen zum einen einen überdeutlichen Blues-Einschlag (Rocket) auf, sind aber auch herrlich doomig (Long Day) oder fuzzig (Bardo Airways) ausgefallen und gefallen mir persönlich – gerade auch wegen ihres Abwechslungsreichtums - von den enthaltenen Songs auf dieser Scheibe am besten. Zumal sie eigenständiger klingen als viele der anderen Lieder. Obendrauf servieren Band und Label noch zwei weitere Live-Aufnahmen, zum einen Anything From You und auch noch Rollin' My Way To Freedom, die zwar immer noch recht dumpf sind aber meilenweit besser als die von “To The Center“.

“Dos Eps“ präsentiert also die mannigfaltigen Seiten von NEBULA, sowohl vom Sound als auch von der musikalischen Ausrichtung, die deutlich offener zu Werke gingen als es viele ihrer Genre-Kollegen machen. Dies mag vielleicht auch einer der Gründe sein, warum es NEBULA in ihrer bisherigen Karriere, die ja immer noch andauert, nie wirklich geschafft haben, zu den ganz Großen und Einflussreichen der Stoner Rock-Szene gezählt zu werden. Dennoch lohnen sich insbesondere diese Frühwerke der Band, auch heute noch entdeckt zu werden.

Marc Langels, (Artikelliste), 19.02.2018