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Montrose (Deluxe Edition) - Paper Money (Deluxe Edition)
Montrose
Montrose (Deluxe Edition) - Paper Money (Deluxe Edition), Warner Music, 2017
Sammy HagarGesang
Ronnie MontroseGitarre & Gesang
Bill ChurchBass ("Montrose")
Denny CarmassiSchlagzeug
Alan FitzgeraldBass ("Paper Money")
Mark JordanPiano (Connection)
Nick DeCaroMellotron (We're Going Home)
Produziert von: Ted Templeman Länge: 182 Min 22 Sek Medium: CD
Disc 1: Montrose (32:14)
01. Rock The Nation05. Good Rockin' Tonight
02. Bad Motor Scooter06. Rock Candy
03. Space Station #507. One Thing On My Mind
04. I Don't Want It08. Make It Last
Disc 2: Demos & Live (68:51)
01. One Thing On My Mind (Demo)10. Bad Motor Scooter (Live)
02. Shoot Us Down (Demo)11. Shoot Us Down (Live)
03. Rock Candy (Demo)12. One Thing On My Mind (Live)
04. Good Rockin' Tonight (Demo)13. Rock The Nation (Live)
05. I Don't Want It (Demo)14. Make It Last (Live)
06. Make It Last (Demo)15. You're Out Of Time (Live)
07. Intro (Live)16. Roll Over Beethoven (Live)
08. Good Rockin' Tonight (Live)17. I Don't Want It (Live)
09. Rock Candy (Live)
Disc 3: Paper Money (35:12)
01. Underground05. I Got The Fire
02. Connection06. Spaceage Sacrifice
03. The Dreamer07. We're Going Home
04. Starliner08. Paper Money
Disc 4: Live (46:05)
01. Intro06. One And A Half
02. I Got The Fire07. Roll Over Beethoven
03. Rock Candy08. Trouble
04. Bad Motor Scooter09. Space Station #5
05. Spaceage Sacrifice

In Europa mag man MONTROSE vor allen Dingen daher kennen, dass es die Band war, in der Sammy Hagar seine ersten Schritte tat, bevor er später mit VAN HALEN zu weltweitem Hard Rock-Ruhm und Platin-prämierten Plattenverkäufen ansetzte. Aber in den USA gehörte das Quartett insbesondere mit seinen ersten beiden Scheiben zu der Gründer-Generation des Hard Rock “Made in USA“. Benannt ist die Gruppe nach Gitarrist Ronnie Montrose, der sich schon vor dem Debüt einen Namen als Session-Musiker, unter anderem für Van Morrison und Boz Scaggs sowie als Mitglied der Edgar Winter Group machen konnte. Zusammen mit Hagar, Bill Schurch (Bass) und Denny Carmassi (Schlagzeug) bildete er das Quartett, das mit seinem Debüt der bis dato meist britisch dominierten Rock-Szene ein US-Äquivalent entgegensetzte.

Nahezu 45 Jahren nach dem ersten Erscheinen gilt “Montrose“ heute – insbesondere aber nicht nur in den USA - als Rock-Klassiker. Das britische Hard Rock- und Heavy Metal-Magazin Kerrang! wählte das Album im Jahr 1989 zum viertbesten Metal-Album aller Zeiten (verständlicherweise bis zu dem damaligen Zeitpunkt). Das liegt natürlich vor allen Dingen an den Hits, die das Album recht reichlich zu bieten hatte. Mit Rock The Nation, Bad Motor Scooter, Space Station #5 und Rock Candy gehören vier der insgesamt acht Songs in die Kategorie „Kracher“ und zur Grundversorgung eines jeden Rockers. Aber auch Nummern wie I Don’t Want It sowie das abschließende Make It Last sind feinste Rocker.

Mit ihrer druckvollen Art des Rock ‘n‘ Roll legten MONTROSE dann auch die Grundlage für viele folgende Bands wie etwa VAN HALEN oder auch MÖTLEY CRÜE (man höre sich nur das Ende von Bad Motor Scooter an und weiß dann sofort, wo Mick Mars die Inspiration für den Beginn von Kickstart My Heart hergenommen hat). Und solche unwiderstehlichen Hymnen wie die bereits angesprochenen Rock The Nation, Bad Motor Scooter, Space Station #5 und insbesondere das herrliche Rock Candy haben damals nicht viele andere US-Bands hinlegen können. Montrose konnte sich dabei auch als sehr versierter Gitarrist präsentieren, der den Nummern mit seinen Soli zusätzlich Highlights verpasste. Und mit Hagar als Sänger hatten sie eine sofort wiedererkennbare Stimme, die nicht klang wie ein Robert Plant-Klon.

In Deutschland erschien das Album übrigens unter dem Titel “Rock The Nation“ – und statt des Band-Fotos zierte das Bild einer Blondine in einer engen pinken Bluse das Cover. Ob das vielleicht die Wahrnehmung vieler Rock-Fans hier getrübt haben mag? Denn „Amerikas Antwort auf LED ZEPPELIN“ hätten es natürlich auch auf dieser Seite des atlantischen Ozeans verdient gehabt, eine größere Hausnummer zu werden. Wieso das so ist, das kann man vielleicht am besten an den Live-Songs hören, die auf der zweiten CD dieser “Deluxe Edition“ enthalten sind. Noch bevor MONTROSE einen offiziellen Namen und ein veröffentlichungsfähiges Album hatten, sprangen sie für Van Morrison bei einer Live-Show der Radio-Station KSAN ein und rockten das Studio in den Boden. Angetrieben von der sehr agilen Rhythmus-Sektion und einem aufgedrehten Ronnie Montrose groovte und rockte die Band durch den Set und Sammy Hagar erwies sich als leidenschaftlicher Frontmann, der auch live zu überzeugen wusste.

“Montrose“ ist ein vollkommen zu Unrecht weitestgehend übersehenes frühes Meisterwerk des amerikanischen Hard Rock. Noch bevor andere Bands, wie etwa KISS, bekannt wurden waren es MONTROSE, die der amerikanischen Jugend einen eigenen Rock-Sound gaben. Kein Wunder, dass das Debüt so einen fast schon kultischen Status für viele US-Rocker besitzt. Aber auch in Europa gibt es Anhänger. So nahmen IRON MAIDEN eine Cover-Version von Space Station #5 für die B-Seite ihrer Single Be Quick Or Be Dead (vom Album “Fear Of The Dark“) auf. Diese “Deluxe Edition“ ist eine hervorragende und umfassende Möglichkeit, Verpasstes aufzuholen. Schließlich bekommt der Hörer neben dem remasterten Album hier auch noch sechs Demo-Versionen sowie zehn Live-Songs geboten.

Lediglich ein Jahr nach dem Erstling meldeten sich MONTROSE auch schon mit dem Nachfolgewerk zurück, namens “Paper Money“. Wer nun eine einfache Fortsetzung des Erfolgs-Rezeptes vom Debüt erwartet hatte, der sah sich schnell eines Besseren belehrt. Denn Ronnie Montrose hatte schon nach einem Album genug von dem aus seiner Sicht eindimensionalen, limitierten Hard Rock/Heavy Metal-Sound. Hinzu kam, dass sich das Album nicht gerade in Massen verkaufte (dafür aber wie sich herausstellte sehr konstant, so dass es eben doch mehr als eine Million Mal in den USA über die Ladentheke ging und eine Platin-Auszeichnung erhielt). Also sollte das Zweitwerk stilistisch wesentlich breiter aufgestellt sein und der Band neue Sounds und Rhythmen ermöglichen.

Die Freiheit nahm er sich dann auch weidlich und komponierte ein Album, das nur noch wenig mit dem Klang des Debüts gemein hatte. Einzig I Got The Fire und The Dreamer erinnerten noch mit den kräftigen, packenden Riffs an den Erstling. Ansonsten boten MONTROSE – sehr zum Missfallen von Sänger Sammy Hagar – eine bunte Palette an Stil-Richtungen. Das beginnt gleich mit dem Opener Underground an, einer Cover-Versionmit leichten STEELY DAN-Flair, die musikalisch ein sehr popiges Flair verbreitet, in den Lyrics jedoch extrem düster daherkommt. Und als zweiten Song präsentieren MONTROSE ihren Fans gleich das nächste Cover, die fast schon Country-mäßige ROLLING STONES-Nummer Connection.

Erst anschließend hat man wegen der beiden bereits erwähnten Songs, The Dreamer, dem Instrumental Starliner und I Got The Fire, das Gefühl wieder die richtigen MONTROSE – also die vom Debüt – zu hören zu bekommen. Doch danach schlägt wieder die abwechslungsreiche Seite der Scheibe durch: Spaceage Sacrifice (mit einem latent vorhandenen Glam-Faktor) und We’re Going Home (mit einem tollen Gitarren-Solo von Montrose) sind eher etwas ruhigere Nummern, ehe das Album mit dem Titeltrack noch einmal schmissig zu Ende geht. Und dennoch bleibt ein Album, das eben auch wegen der Anordnung der Lieder (zwei Cover zum Auftakt, später zwei ruhige Nummern hintereinander) einen eher zwiespältigen Eindruck beim Hörer hinterlässt. Und auch die Produktion – für die wie beim Debüt der spätere VAN HALEN-Sound-Guru Ted Templeman verantwortlich war – scheint etwas weniger druckvoll und klar.

Auf der Bonus-CD findet sich wieder ein Live-Mitschnitt der Band bei KSAN, bei dem die Band acht Songs performt. Darunter sind jedoch nur zwei Stücke vom aktuellen Album, sowie der Chuck Berry-Evergreen Roll Over Beethoven und ein Song, One And A Half, der erst auf dem folgenden Album “Warner Brothers Presents … MONTROSE!“ erscheinen sollte. Da bei diesem Werk dann schon Hagar nicht mehr an Bord war, ist es die einzige (zumindest mir bekannte) Version des Songs mit dem Ur-Sänger der Band, denn wie bereits weiter oben angedeutet, nahmen die Spannungen zwischen Montrose und Hagar dermaßen zu, dass der Vokalist die Band im Februar 1975 verließ.

Auch wenn “Paper Money“ sicherlich ein gutes Stück weit schwächer ausgefallen ist als das Debüt, so ist das Album doch nicht schlecht. Das mag im ersten moment wie ein Widerspruch klingen, ist aber zwei Umständen geschuldet. Zum einen liegt es natürlich daran, dass “Montrose“ ein echter Klassiker ist. Zum anderen sind die Lieder für sich betrachtet natürlich nicht schlecht, aber die Anordnung der Songs und die musikalisch doch recht große Divergenz innerhalb der Platte sorgen jedoch dafür, dass sie gegen den Erstling keine Chance hat. Der interessierte Musik-Fan kann jedoch mit beiden “Deluxe Editionen“ nicht viel falsch machen, denn sowohl “Paper Money“ aber insbesondere eben “Montrose“ sind echte Kleinode der harten amerikanischen Rock-Musik der 70er Jahre. In dieser klanglich überarbeiteten und aufgewerteten Fassung sind sie definitiv eine Anschaffung wert.

Marc Langels, (Artikelliste), 19.10.2017