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The Tattooed Lady And The Alligator Man
Marcia Ball
The Tattooed Lady And The Alligator Man, Alligator Records, 2014
Marcia BallVocals, Piano
Michael SchermerGuitar
Don BennettBass
Damien LlanesDrums
Thad ScottSax
Special Guests:
Delbert McClintonHarmonica on Can't Blame Nobody But Myself
Roscoe BeckBass on The Last To Know
Red YoungB-3 on Get You A Woman, Human Kindess and Hot Springs
u.v.m.
Produziert von: Tom Hambridge Länge: 43 Min 39 Sek Medium: CD
01. The Tattooed Lady And The Alligator Man07. Hot Springs
02. Clean My House08. Human Kindness
03. Just Keep Holding On09. Can't Blame Nobody But Myself
04. Like There's No Tomorrow10. Lazy Blues
05. He's The One11. Get You A Woman
06. The Squeeze Is On12. The Last To Know

Flashback: 1993 Dan Baird auf der Bühne in Frankfurt. Beim Erläutern, wie sich die Partystruktur in die südlichen Bundesstaaten darstellt, je weiter südlich man kommt. "You go to Tennessee and they have a party every saturday night. Then you go a bit further, to Mississippi, and they have a party every friday and saturday night. And then you go a little bit further and you come to Louisina and THEY have a party all the time! Und das ist so die Kante, wo meine Lieblings-Swamp-Boogie-Queen - oder sollte ich, den doch schon angegrauten Haaren angemessen: Südstaaten-Lady - herkommt. Und da wird einfach zur Party geläutet. Jederzeit! Und besonders, wenn sich Marcia Ball ans Klavier setzt. Keine fünf Sekunden dauert es da und die Füße scharren, die Gläser wackeln auf dem Tisch und die Hüften beginnen zu kreisen. Sicher gibt es ähnliche Kaliber, die eine Feier ordentlich anleiern können, aber besser, sympathischer, fröhlicher geht's nicht. Am ehesten fällt mir da noch Candye Kane ein, die einem ein ebenbürtiges Grinsen ins Gesicht zaubert und tatsächlich klingt die auch häufig wie Marcia hier beim Titelsong, welcher das Album mit einer kurzen “Zirkus-Ouvertüre“ einleitet. Womit schon klar wäre, dass hier immer ein kleines Augenzwinkern mit im Spiel ist.

Es ist zweifellos auch der Sound, der einen hier so gefangen nimmt. Produzent Tom Hambridge hat erst unlängst Devon Allman zu einem verdammt gut klingendem Album verholfen und schiebt auch hier die Regler in die richtigen Positionen, damit man sich vor allem an den herrlichen Klavierklängen erfreuen kann.
Es wird aber nicht nur geklimpert, sondern es gibt auch ordentliche Gitarrensalven, die Michael Schermer dazwischen feuert. Und das bereits im zweiten Song, Clean My House. Sauber, sag ich!
Marcia Ball hat zwar vornehmlich den Boogie in den Fingern, jedoch kommt gegebenenfalls auch ein herrlicher Soul-Gesang aus ihrer Kehle und der kommt - für meinen Geschmack – mit den Jahren sogar noch besser. Da spricht jede Menge Lebenserfahrung aus der Stimme, wenn die Sängerin rät Just Keep Holding On und das leicht Brüchige in Lazy Blues kommt gleichfalls herrlich bluesig.
Ein ums andere Mal, macht bereits das Songintro, wenn Marcia in die Tasten haut, so richtig Lust auf ein schwungvolles BBQ.
Wie es sich für eine spontane Party gehört, finden sich auch reichlich Gäste ein, die in erster Linie schmissige Blechblas-Linien einstreuen und so den New Orleans-Flair noch vergrößern. Zu den Namhaftesten unter ihnen gehört sicher Delbert McClinton, der dem flotten Boogie von Can’t Blame Nobody But Myself mit seiner Mundharmonika noch einen mitgibt. Es sind allerdings zu viele Gäste um sie alle aufzulisten.

Die New Orleans-Queen hat natürlich auch die jazzig angehauchte Late-Night-Piano-Bar-Ballade perfekt drauf, wie The Last To Know demonstriert. Selbstverständlich sind auch hier Blechbläser mit von der Partie. Letztlich scheint mir dieses Album mehr Drive, als sein Vorgänger zu haben, obwohl bei Marcia eigentlich immer Stimmung in der Bude ist. Man braucht kein Freund von Pianoklängen zu sein, um hieran Gefallen zu finden, aber wenn man das ist, wird man sich von diesen Songs nicht so schnell trennen können.
Es also ziemlich egal, an welchem Wochentag die Party steigt – mit Marcia Ball an Bord, wird die Stimmung so schnell nicht nachlassen. Wer auf flotten Boogie-Woogie und ab und an eine gefühlvolle Südstaaten-Ballade steht, ist hiermit hervorragend bedient.

Thorsten Philipp, (Artikelliste), 15.11.2014