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Live In Atlantic City
Lynyrd Skynyrd
Live In Atlantic City, ear music, 2018
Gary RossingtonGuitar
Johnny Van ZantLead Vocals
Billy PowellPiano, Organ
Rickey MedlockeGuitar
Michael CartelloneDrums
Mark MatejkaGuitar
Ean EvansBass
Dale Rossington, Carol ChaseBackground Vocals
Jim HornSaxophone
John GuideBaritone Saxophone
Jim WeirdTrumpet
plus Special Guests:
Bo BiceVocals
Kris BellGuitar
Hank Williams Jr.Vocals
3 DOORS DOWN:
Brad ArnoldVocals
Matt RobertsGuitar
Todd HarrellBass
Chris HendersonGuitar
Greg UpchurchDrums
Produziert von: Eike Freese Länge: (CD) 69 Min 08 Sek Medium: CD & DVD
01. Workin For MCA08. That Smell
02. Red White And Blue (Love It Or Leave It)09. Kryptonite
03. Gimme Three Steps10. Saturday Night Special
04. The Real Thing11. Call Me The Breeze
05. Gimme Back My Bullets12. Sweet Home Alabama
06. Down South Jukin'13. Free Bird
07. Born To Boogie

“I wish that I knew what I know now, when I was younger“, singt Rod Stewart (eigentlich war es in diesem Fall sogar Ron Wood, aber das lassen wir jetzt mal so stehen…) im FACES-Klassiker Oh La La und diese Worte schwirren bei manchen Interpreten immer mal durch den Kopf. Teilweise bin ich allerdings ganz froh darüber, manche Dinge früher nicht gewusst zu haben. Heutzutage kann ich mir beispielsweise Ted Nugent nicht mehr anhören, weil ich weiß welcher politischen Gesinnung der anhängt und mit welcher Lust er auf die Jagd geht und wundervolle Tiere nur des Tötens willen abschießt. Und so hab ich meine Probleme mit manch anderer Band.
Mit LYNYRD SKYNYRD – deren Songs ich selbst immer noch mit unterschiedlichen Bands spiele und deren Musik ich liebe – war lange Zeit mein einziges Problem, dass die mich mit ihren ewig gleichen Setlists zu Tode langweilten. Da sind seit Beginn der 90er ein paar richtig gute Scheiben veröffentlicht worden (“1991“ - geile Scheibe, “The Last Rebel“ - paar verdammt gute Songs drauf, “Twenty“ - ich erinnere hier nur an We Ain‘t Much Different!, auch die “Edge Of Forever“…), aber es fanden immer nur mal zwei, drei Pflichtsongs für kurze Zeit den Weg ins Rampenlicht.
Nun also wieder ein Live-Album. Gab‘s ja auch schon öfter die letzten Jahre. Mit der angekündigten Abschiedstour hat diese Aufnahme allerdings nichts zu tun (keine Sorge, da wird‘s im Anschluss sicher noch Material davon geben), denn “Live In Atlantic City“ wurde bereits 2007 aufgenommen, im Rahmen der “Decades Rock Live“-Serie, die ab 2006 in den Staaten auf VH1 Classic lief.

Entsprechend sind hier noch die mittlerweile verstorbenen Billy Powell und Ean Evans am Piano, bzw. am Bass dabei. Und dem gelackten TV-Umfeld entsprechend, ist hier alles auf Hochglanz poliert, was in der mir vorliegenden CD/Blu-ray-Fassung noch deutlicher wird. Laufsteg um den inneren Fan-Circle, Kameras allerorten, Videoleinwände… Für was braucht Van Zant eigentlich den Teleprompter? Den Text von Workin‘ On MCA kann jeder Southern-Rock‘n‘Roller im Schlaf mit flüstern. Mit der Nummer wurde bereits das legendäre “One More From The Road“ Live-Album eröffnet und das tut auch hier gute Dienste. Zumal der Sound ebenfalls Hochglanz-mäßig getrimmt ist. Das klingt glasklar und prägnant, mir stellenweise zu glatt und von dem Drums zu sehr geknüppelt. Aber die Gitarren kommen gut durch und klingen richtig knackig.
Gleich als Zweites das kaum erträgliche pathetische Red White And Blue, welches man noch patriotischer angestrichen hat, indem man in Klammern noch (Love It Or Leave It) angehängt hat. Wenn dann noch Strophen wie

Yeah we love our families, we love our kids
you know it is love that makes us all so rich
That's where were at,
If they don't like it they can just
get the HELL out!

ertönen, da frag ich mich schon, ob die glauben, anderswo als in den Südstaaten von Amerika würden die Menschen ihre Familien und Kinder nicht lieben?
Naja, mit dem unverwüstlichen Gimme Three Steps komm ich wieder etwas in Stimmung und Van Zant verkneift sich ja hier (weil's im Fernsehen zu sehen war?) die unnötige “I didn‘t even stick her“-Textänderung. Ja, kommt gut, aber für mich passt Mark Matejka nicht so recht in die Band. Mit seinem permanenten Sunnyboy-Grinsen und Pop-Rock-Charisma könnte der bei, sagen wir, BON JOVI spielen, aber hier wirkt der auf mich wie ein Fremdkörper. Da doch lieber Ricky Medlocke, der jeden Ton aus seinem Gitarrenhals würgt, als würde er seine Explorer dabei erdrosseln und die entsprechende Miene dazu präsentiert. Auch Rossington klingt gut und schaut aus wie immer: Ruhender Blick, ruhender Bauch, Hut und Sakko legt er wahrscheinlich auch im Bett nicht ab. Nur die Les Paul wechselt ab und an.
Hat man es als LYNYRD SKYNYRD nötig, einen Amercian Idol-Teilnehmer, wie Bo Bice in die Show zu laden? Anscheinend. Immerhin klingt dessen The Real Thing zusammen mit den Southern Rockern nicht so glatt wie im Original. Brauchen tut es hier kein Mensch. Oder vielleicht doch, denn zu diesem, für mich zu glatten, SKYNYRD-Sound und dem Mainstream-Puiblikum passt es dann doch irgendwie. Wer sich es absolut nicht verkneifen kann, kann sich ja mal anschauen, wie der Whipping Post bei “American Idol“ singt. Ich find‘s peinlich.

Ja, mitsamt den Bläsern hat der Sound eine gewisse Dichte und gerade Medlocke und Rossington erinnern an alte Zeiten, aber die Hinzunahme von Hank Williams Jr. für Down South Jukin‘ und dessen Born To Boogie bringt auch nicht unbedingt die von mir erhoffte Rückbesinnung einstige Werte im Southern-Sound. Das kommt mir alles etwas zu glatt und berechenbar vor. Vielleicht muss(te) das fürs Fernsehen so sein und vielleicht sind deswegen auch 3 DOORS DOWN mit dabei. Ihr könnt euch ja einmal den (zweifelhaften) Spaß machen und deren Kyptonite anhören. Will man das in einem SKYNYRD-Konzert hören? Da wird man nicht gefragt, aber die Anwesenden Zuschauern scheint es ja zu freuen. Will man dann diese Band auch noch Saturday Night Special spielen hören? Ganz ohne die SKYNYRD-Mannschaft? Geht ja ja relativ druckvoll und mit Power los, aber spätestens im Refrain haben sie es vergeigt. Gerade das prägnante Gitarren-Riff spielen sie nicht. Oder nicht richtig. Oder wollen es nicht. Aber so fehlt einfach ein wichtiges Element in dem Song.
Na schön, dann dürfen alle Beteiligten bei Call Me The Breeze mitrühren. Die Bläser kommen da schon ziemlich gut...
Das Finale, da kann man seit gefühlten 200 Jahren drauf wetten, besteht natürlich aus Sweet Home Alabama und Free Bird. Natürlich verfehlen diese Songs ihre Wirkung nicht. Allein Powells Piano-Spiel in beiden Songs ist ein Genus und kaum wegzudenken. Wenn Rossington noch mehr hinterher hängt, ist er irgendwann mal in einem anderen Song.
Ansonsten kommt da aber natürlich schon Stimmung auf. Ich persönlich bevorzuge frühere Live-Mitschnitte der Band, aber wer‘s auf den American Way mag, der hat hier sicher Spaß mit.
Da ich mit einem Zitat begonnen habe, will ich auch mit einem enden. In leicht abgewandelter Form. “Von Zeit zu Zeit seh‘ ich die Alten gern“.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 30.09.2018