When Giants Walked The Earth
Led Zeppelin
When Giants Walked The Earth, Overamstel Verlag, 2018
von: Mick Wall
ISBN: 978-3-9624-1010-0
Umfang: 573 Seiten
Preis: 22,00 € zzgl. Versandkosten

Dieses Buch ist bereits vor knapp 10 Jahren schon einmal erschienen. Damals in der englischen Originalausgabe. Dass ausgerechnet jetzt die deutsche Übersetzung folgt, liegt daran, dass man 50 Jahre LED ZEPPELIN feiert. Und mittlerweile kann auf den Titel auch das Zizat von Jason Bonham drucken: “Die einzige Led Zeppelin Biografie, die ich in meinem Haus habe!“
Das sagt jetzt nichts darüber aus, dass er sie auch gelesen hat, aber wollen wir es ihm mal zu Gute halten. Auf jeden Fall hat er sich nicht über Übersetzungsfehler ärgern müssen, aber dazu später mehr.
Geschrieben hat dieses Buch Mick Wall, der nicht gerade für Untertreibungen bekannt ist und dessen vorlaute Art ihm auch schon den ein oder anderen Rüffel eingebracht hat. Fragen Sie mal Axl Rose. Ansonsten muss man sagen, hat sich Wall schon Mühe gegeben und ziemlich akribisch gearbeitet.
Eine gewisse Verliebtheit in die Band – insbesondere in Jimmy Page – lässt zwar nicht auf komplette Objektivität schließen, aber das wird wiederum jeder anders beurteilen. Vieles weiß man natürlich, denn in den gut 40 Jahren in denen es die Band im Prinzip nicht mehr gab, hielten sich die herausragenden Begebenheiten ja in Grenzen.

Im Gegensatz zu den ersten 10 Jahren und auch davor tat sich, zumindest bei Page und Bassist/Keyboarder John Paul Jones schon einiges. Jimmy war immerhin Mitglied bei den YARDBIRDS und erfolgreicher Session-Gitarrist. Gerade aus der YARDBIRDS-Spätphase, die Page ja erheblich mitbestimmte, fand Vieles seinen Weg in die erste Platte von ZEPPELIN. So weit, so legitim, aber zumindest zu Beginn war die Band längst nicht so innovativ, wie gerne verbreitet wird. Das kann und will auch Mick Wall nicht leugnen. Also durchaus interessant, wann Page mit dem Geigenbogen anfing, oder wo Plant seine Inspration für den “Gesang“ in Dazed And Confused her hat.
Wer gehofft hat, hier Sex, Drugs & Rock'n'Roll mit ausführlichen Exzessen zu finden, der muss entäuscht werden. Da schweifen schon ein paar Ausschweifungen durch die Seiten aber zu detailliert wird es nie. Auch Manger Peter Grant war entweder nicht dass Arschloch, als das er teilweise schon beschrieben wurde, und eher der liebende Band-Vater, oder die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Was wohl wahrscheinlich ist.
So ein Buch ist immer in erster Linie was für die Fans und die wird es nicht stören, wenn sich Wall, in einer Art Brief-Form, zwischendurch an jedes einzelne Bandmitglied wendet und dessen Werdegang beleuchtet. Mir persönlich wird’s da zu lobhudelnd.

Lobenswert sei angemerkt, dass wirklich eine Fülle an Informationen geboten wird, man einiges übers Musikgeschäft der späten 60er und frühen 70er erfährt, dass Mick Wall durchaus anspricht, wenn etwa bei musikalische Ideen bei Kollegen geklaut wurden, oder dass sich nicht alle Alben wir warme Semmeln verkauft haben. Wie intensiv sich Wall mit der Band beschäftigt hat, merkt man unter anderem an all den Informationen, die man über Alister Crowley erhält.
Dass ZEPPELIN auch zu Lebzeiten gehörig Kritik der schreibenden und hörenden Zunft einstecken mussten, nun, dass ging und geht jeder Bands. Besonders den erfolgreichen. Auch davon wird man reichlich in Kenntnis gesetzt.
Letztlich liest sich dieses Buch überwiegend sehr angenehm und wenn man nicht alles auf Goldwaage legt, erhält man einen guten Einblick in den Werdegang von LED ZEPPELIN und auch die Zeit nach ihrer Trennung. Wer wissen will, warum Steven Tyler von ein paar Jahren dann doch nicht der Sänger von LED ZEPPELIN wurde, auch das erfährt er hier.
Zum unrühmlichen Abschluss muss ich allerdings noch einen schweren Vorwurf an den Übersetzer richten: Liest denn heutzutage keiner mehr Korrektur?! Wenn man schon eine “Übersetzungsmaschine“ drüberlaufen lässt, dann sollte man doch darauf achten, dass nicht fälschlich vom Englischen ins Deutsche übersetzt wird. Konkret: Das englische “by“ wurde konsquent ins deutsche “von“ übersetzt. Was dann solche Stilblüten ergibt, wie Songtitel, die Bavon Please Don't Go, My Bavon Left Me heißen und – in seiner Krönung – Bandnamen zu CROSVON, STILLS & NASH machen. Solche Fehler zeugen dann doch von fehlender Liebe zur Arbeit und schmälern die Freude am Lesen nicht unwesentlich. Wer damit leben kann, der kann sich hiermit gut ein paar Abende vertreiben, bzw. vielleicht wird das in künftigen Auflagen ja noch korrigiert.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.11.2018