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Bi-Polar Tour
Kinky Friedman
Bi-Polar Tour, Continental Coast, 2013
Kinky FriedmanVocals and Guitar
Produziert von: Kinky Friedman Länge: 60 Min 09 Sek Medium: CD
01. We Reserve The Right To Refuse Service To You09. Wild Man From Borneo
02. Nashville Casualty & Life10. Rapid city, South Dakota
03. Autograph11. The Ballad Of Charles Whitman
04. Waitret Intro12. Kevin Barry Intro
05. Waitret, Please. Waitret13. The Ballad Of Kevin Barry
06. Biscuits And Buns Intro14. Tom Friedman The Navigator
07. Get Your Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed15. Solid American
08. Yom Kipper Clipper16. They Ain't Making Jews Like Jesus Anymore

Vor einem guten Monat hatte man die seltene Gelegenheit Kinky Friedman in Deutschland auftreten zu sehen. Leider habe auch ich das Konzert in Mainz verpasst, denn mit "außergewöhnlich" wäre Kinky noch höchst unzureichend beschrieben. Dafür bräuchte man ohnehin ein ganzes Buch, denn der jüdische Texaner ist beileibe nicht nur Musiker. Buchautor, Politker - er kandidierte 2006 für den Posten als Gouverneur von Texas und erhielt über 13% der Stimmen -, Liebhaber und Vertreiber seiner eigenen Zigarren- und Kaffee-Marken, Gründer der „Utopia Animal Rescue Ranch“ (eine Art Tierheim, die misshandelte und streunende Tiere aufnimmt und vermittelt) und der Jameson-Whiskey kommt natürlich auch nicht nur in seinen Büchern vor.
Zu seinen Fans kann Kinky Größen wie Bob Dylan zählen, in dessen Vorprogramm er schon auf Tournee war.

Wer also, wie ich, den Auftritt in Main oder anderswo verpasst hat, der kann sich mit diesem Album zumindest einen Eindruck von Kinkys Bühnenpräsenz verschaffen. Aufgenommen im Bearsville Theater in Woodstock NY während seiner Bi-Polar Tour, die im Frühjahr Sommer 2012 stattfand. Kinky steht ganz allein auf der Bühne und der Hut suggeriert den Unkundigen schon, dass es im weiteren Sinn um Country geht, aber es ist sicher nicht verkehrt, wenn man eine Vorliebe für schwarzen Humor und Sarkasmus hegt. So sind seine Ansagen und Witze schon alleine so köstlich, dass man auf die Musik nahezu verzichten könnte. Aber natürlich sind sowohl seine kleinen Geschichten, als auch Songs wie Get You Biscuits In The Oven And Your Buns In The Bed, gleichermaßen dafür verantwortlich, wenn ihm die Nationale Frauenorganisation in Amerika den Titel "Chauvinist Pig Of The Year" verleiht. Das war allerdings bereits 1974 und Kinky ist mit dem Alter nicht sanfter geworden.
Ob die Tipps von Willie Nelson über Sex mit Tieren, oder Was nicht heißt, dass der Sänger nicht auch sehr gefühlvoll agieren kann, wie er in dem, an diesem Abend Levon Helm gewidmeten, Song Autograph offenbart.

Dass seine Stimme inzwischen etwas brüchiger geworden ist - geschuldet sicher auch seinem Zigarrenverbrauch - macht seinen Vortrag eher noch authentischer und verleiht ihm in gewisser Weise noch mehr "street credibility".
Ein ums andere Mal muss man über seine Texte schmunzeln und der oft aufkommende Zwischenapplaus unterstreicht seine Witze. Da darf man natürlich nicht zimperlich sein und ganz ernst ist es ja nicht gemeint, wenn er sagt: "Germans are my second favourite people. My first is everybody else".
Musikalisch erinnern mich die Lieder öfter an oben genannten Willie Nelson, natürlich ohne dessen technischen Finesse, aber mit einem großen Schuss großen, schwarzen - manchmal fast kabarettistischen - Texas-Humor. Hier findet sich eine Auswahl seiner besten Songs und natürlich auch einer seiner größten Hits: They Ain't Making Jews Like Jesus Anymore.
Wer Leute wie Mojo Nixon oder Country Dick Montana liebt, der wird auch Kinky Friedman ins Herz schließen. Die Lektüre eines oder mehrerer seiner Bücher ist anschließend kaum zu vermeiden.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 30.05.2013