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Rare & Timeless
Ken Hensley
Rare & Timeless, BMG, 2018
Ken HensleyVocals, Keyboards, Guitar
Various Musicians
Produziert von: Ken Hensley Länge: 69 Min 56 Sek Medium: CD
01. Free Me (rare Russian release)09. Take & Take
02. Send Me An Angel10. The Return
03. If I Had The Time11. Beyond The Starz
04. Guilty12. Fortune
05. The Last Dance (previously unreleased)13. Lady In Black (Tommy Lopez Re-Mix)
06. Mine (newly recorded for this anthology)14. The Longest Night (newly recorded for this anthology)
07. I Did It All15. Epilogue (newly recorded for this anthology)
08. I Close My Eyes (rare release)

Für eine “Anthology“ fällt eine einzelne CD im Falle von Ken Hensley schon etwas dürftig aus und so richtig unter diesem Banner läuft “Rare & Timeless“ ja auch nicht, aber hinter vorgehaltener Hand (und im Presseinfo) redet man dann doch von Anthologie. Auch wenn es da schon ein paar gab...
Soll es jeder selbst nennen, wie er mag, jedenfalls hat der einstige HEEP-Keyboarder hier Songs aus seiner Karriere ausgewählt – teils rar, teils unveröffentlicht, teils neu eingespielt – und diese sehr liebevoll zusammengepackt. Dem schönen Digi-Pack liegt ein nicht minder schönes Booklet bei, in dem Hensley handschriftlich zu allen Titeln Stellung nimmt und etliche Bilder, auch aus seinem privaten Archiv, ergänzen die feine Aufmachung.

Dass er hauptsächlich mit seiner Zeit bei URIAH HEEP identifiziert bleiben wird, daran ändert auch diese Zusammenstellung nichts. Was ihm wohl auch bewusst ist, schließlich eröffnet er den Reigen mit einem der Hits der Pro Rocker. Free Mee hört man hier in einer raren Version, die ursprünglich auf dem in Russland aufgenommenen “The Wizar‘s Diary“ erschien. Dem Alter angepasst (das war 2004) ist die Nummer einen Ganzton tiefer als das Original, hat dafür etwas mehr E-Gitarren-Licks zu bieten. Kein übler Einstieg.
Hensley ist ein Fan von Tommy Lopez, der den Re-Mix von Send Me An Angel übernahm. Das klingt nicht nur im Songtitel nach den SCORPIONS, sondern könnte auch stilmäßig bei den Hannoveranern beheimatet sein. Okay, etwas mehr Tiefe hat Hensley schon zu bieten.
If I Had The Time kennt man natürlich vom HEEP-Album “Sweet Freedom“ (1973), aber diese Demo-Version hat neben Hensleys wundervollem Piano-Spiel mit den Gästen Simon Kirke und Paul Kossoff aufzuwarten, und der FREE-Gitarrist dreht denn gegen Ende auch schon ein bisschen auf.
Im Booklet offenbart Hensley, dass Guilty fast von Barbra Streisand aufgenommen worden wäre. Fast. Naja, die Schmacht-Ballade wäre da vielleicht besser aufgehoben gewesen. The Last Dance, vom Solo-Album “Blood On The Highway“, findet sich hier in der Duett-Fassung, bei der sich Ken die Vocals mit Glenn Hughes teilt. Ist wohl nicht nur Hensley, dem diese Version besser gefällt.

Mit Mine gibt es einen komplett neuen Song, der zwar als “Demo“ gilt, aber das klingt nicht übel. Die Stimme ist immer noch kraftvoll und das gilt auch für das Pianospiel. Wenn er seinem Hang zum Bombast widersteht, bleibt das auch eine schöne Ballade.
Schön, auch I Did It All ist eine gute Nummer – und ein passender Rückblick - , aber so langsam wird mir das schwülstig-balladeske etwas zu viel.
Die Geschichte zu I Close My Eyes ist fast der Erwerb diese Albums wert. Der Song selber.. naja, streicherbeladen und melancholisch schon fast erdrückend.
Da bringt uns Take & Take, von Kens zweitem Solo-Album (1975), wenigstens etwas mehr 70‘s Feeling, und auch etwas Prog Rock, aber die Melancholie weicht nicht so ganz.
Woraus uns The Return nicht wirklich hilft, auch wenn Kens “Glaubensbekenntnis“ gut zum Nachdenken anregen kann. Zurück in den Prog Rock-Strudel der 70er mit Beyond The Starz. Das hat zum Glück etwas mehr Schwung, Kens Trademark-Hammond und eine singende Lead-Gitarre. Für sich genommen, richtig gut.
Leider folgt mit Fortune wieder so eine sich dahinschleppende Ballade. Von historischen Wert – da vom ersten Soloalbum – aber außer dass MARRILLION das wohl einst täglich zum Frühstück gehört haben, reißt mich das im Kontext der anderen Songs hier nicht mehr vom Hocker. Und, bei aller Liebe, auch wenn Hensley noch so begeistert von dem Re-Mixen von Tommy Lopez ist, mit dieser Loop- und Groove-Fassung von Lady In Black kann man höchstens noch ein paar Raver begeistern. Oder ein paar Fans vergraulen.
Die Solo-Piano-Nummer The Longest Night ist ein guter Schluss (Epilogue sind nur ein paar drangehängte Sekunden, die den Song erweitern) für jede Show und jedes Album. Auch wenn man dieses nur in besonderen Stunden und der entsprechenden Stimmung auflegen wird. Wer mit seinem Musikgeschmack vorwiegend in den progressiven 70ern verwurzelt ist, tut sich da sicher leichter.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.03.2018