Golden Hour
Kacey Musgraves
Golden Hour, MCA Records, 2018
Kacey MusgravesVocals, Acoustic Guitar
Ian FitchukKeyboards, Bass, Piano, Backing Vocals
Daniel TashianGuitars, Keyboards, Bass, Drums, Banjo, Celeste
Todd LombardoElectric & Acoustic Guitars
Russ Pahl, Dan DugmorePedal Steel
David DavidsonViolin, Viola
Produziert von: Ian Fitchuk, Daniel Tashian, Kacey Musgraves Länge: 44 Min 22 Sek Medium: CD
01. Slow Burn08. Happy & Sad
02. Lonely Weekend09. Velvet Elvis
03. Butterflies10. Wonder Woman
04. Oh, What A World11. High Horse
05. Mother12. Golden Hour
06. Love Is A Wild Thing13. Rainbow
07. Space Cowboy

Darf man ein modernes Nashville New Country-Album mit einem so irreführenden Song wie Slow burn beginnen? Die in den letzten Jahren mit Preisen (Grammy, CMA Awards) überhäufte Kacey Musgraves jedenfalls eröffnet ihr aktuelles Album "Golden Hour" mit einer wunderbar introspektiven, abgespeckten Ballade im Geiste des 1995 von Daniel Lanois produzierten Emmylou Harris Albums "Wrecking Ball". Wow, ist die süße, kleine Musgraves nach ihrem doch recht traditionell und reif klingenden letzten Longplayer "Pageant Material" jetzt komplett erwachsen geworden, mit 29?

Doch im nächsten Titel zieht die Lady aus Texas schon ihre Tanzschuhe an und lässt ihr Röckchen fliegen. Kaceys Co-Autoren und Co-Produzenten Daniel Tashian und Ian Fitchuk statten das luftig- lockere, beschwingte Lonely Weekend mit einem fluffigen Dancefloor-Beat aus, die Keyboards flirren auf bezirzende Weise und wir drehen uns im Kreis zum nächsten Radiohit von Mrs. Musgraves. Eine süße, eingängige Pop-Melodie mit hohem Wiedererkennungswert. Sehr nett und schnuckelig, obwohl der Text eher von persönlicher Tristesse dominiert wird.

Und in der nächsten Nummer (Butterflies) schwebt die liebliche Dame dann auch Richtung 7. Himmel. Und man freut sich mit ihr. Musgraves erinnert hier ein wenig an Sade. Na, vielleicht nicht ganz so sexy. Ihre Stimme klingt jedenfalls zum Verlieben attraktiv und der Synthie haut 'ne coole Ohrwurmmelodie raus. So klingen moderne Radiohits heutzutage. New Country meets Pop, oder umgekehrt. Da wird die Tradition zunächst ad acta gelegt.

Das bittersüße Oh What A World wartet mit Vocoder-Gimmicks und ätherischem Alibi-Banjo auf, beklagt den Abwärtsstrudel unserer Welt und erinnert - wie auch manche der kommenden Tracks (Happy & sad) - an die Atmosphäre der guten alten WILSON PHILLIPS Lp's aus den Neunzigern. Eingängige und sympathische Pop-Musik auf hohem Niveau. Ein potentieller Hit folgt auf den anderen. Das anschmiegsame Liebeslied Golden Hour könnte beispielsweise auch als Duett mit Josh Rouse gut funktionieren.

Und am Ende dieses vorzüglichen Pop-Albums (das Wörtchen Country ist hier völlig fehl am Platze) resümiert Kacey Musgraves ihren nie enden wollenden Optimusmus folgendermaßen: "'Cause the sky is finally opened, the rain and wind stopped blowin', but you're stuck out in the same old storm again. You hold tight to your umbrella, oh darlin' I'm just tryin' to tell ya that there's always been a rainbow hangin' over your head".

Auch wenn Kacey Musgraves' vorzügliches Slow Burn uns zu Beginn des Albums zunächst auf die falsche Fährte lockt, verzeihen wir ihr das. Denn es bleibt unterm Strich doch ein sehr schönes (im wahrsten Sinne des Wortes) Pop-Album übrig. Dem Charme dieser jungen Frau kann man sich kaum entziehen.

Frank Ipach, (Artikelliste), 01.04.2018