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Koncert V Praze - In Prague Live
Johnny Cash
Koncert V Praze - In Prague Live, Sony Music, 2016 (1983)
Johnny CashVocals, Guitar
The Carter Family/Jan HowardChorus
Marshall GrantBass Guitar
W.S. "Fluke HollandDrums
Bob WoottonGuitar
Jerry HensleyGuitar
Earl BallPiano
Produziert von: Michal Bukovic Länge: 45 Min 11 Sek Medium: CD
01. Ring Of Fire07. I Walk The Line
02. Folsom Prison Blues08. Last Date
03. I Still Miss Someone09. City Of New Orleans
04. Big River10. Railroad Medley: Hey Porter / Wreck Of The Old '97 / Casey Jones / Orange Blossom Special
05. Cowboy Medley: I Ride An Old Paint / The Streets Of Laredo11. Wabash Cannonball
06. Sunday Mornin' Comin' Down12. Wabash Cannonball (Conclusion)

Nein, wir müssen auch in diesem Jahr nicht auf eine Johnny Cash-Veröffentlichung verzichten. Die Country-Ikone war zeitlebens ein äußerst umtriebiger Geselle und so wird uns in schöner Regelmäßigkeit etwas aus seinem Schaffen kredenzt werden._
DVD, sodass wir uns da nicht näher mit befassen müssen. Der Fan ist mit dem Visuellen eh besser bedient.
Bei dieser Scheibe hier sieht's schon anders aus. Zwar war Cash es gewohnt vor "Eingesperrten" und hinter "schwedischen Gardinen" aufzutreten, aber hinter den "Eisernen Vorhang" haben doch relativ wenige westliche Stars geblickt. Und dass etwas so ur-amerikanisches wie Country-Musik in der damaligen CSSR auf großartigen Zuspruch stößt, damit hat nicht einmal der "Man in Black" gerechnet. Tatsächlich waren hier, wir sprechen vom 11.4.1978, sogar einige sehr textsichere Anhänger in der Prager Konzerthalle und manche Songs wurden schon beim Intro erkannt und frenetisch begrüßt. Bisher war diese, einst nur für den tschechischen Markt produzierte, Scheibe nur in der 2012 veröffentlichten “The Complete Columbia Album Collection“-Box erhältlich. Nun ist das Teil auch als gesonderte CD erhältlich.

Cashs eingespielte Begleitband lässt das "Folsom Prison-Thema" als Einleitung erklingen und schon stürzt man sich in Ring Of Fire, von der Carter Family mit dem üblichen Backgroundgesang untermalt – was mir manchmal etwas zu süßlich klingt - und der Band richtig flott und kompetent gespielt. Cash steigt direkt mit dem Refrain ein. Unachtsamkeit oder meint er das Publikum erkennt ihn so schneller?
Statt Trompeten gibt’s Gitarren und das wird noch deutlicher in Folsom Prison Blues. Dass mit Jerry Hensley ein zweiter Gitarrist neben dem langjährigen Bob Wootton auf der Bühne steht, ermöglicht eine ausgereiftere Begleitung und das ein oder andere zusätzliche Lick. Zudem sitzt mit Earl Ball ein hervorragender Pianist an den Tasten, der sich mit einem überraschenden Solo in I Still Miss Someone einführt und von Cash dazu gleich namentlich vorgestellt wird. Über Dynamik muss man diesen Leuten ohnehin nichts erzählen, das läuft einfach. Gewohnt mitteilungsfreudig erzählt Cash den Anwesenden von seinen Anfängen bei Sun Records, inkl. Würdigung des im Jahr zuvor verstorbenen Elvis Presley, und über Rockabilly und veranschaulicht die Musik, die er damals geschrieben hat, mit einem flotten Big River.
Seiner Erzählleidenschaft kann der Sänger in dem “Cowboy-Medley“ frönen und mit so einer Stimme gesegnet, kommt das auch richtig gut. The Streets Of Laredo wurde ja auch später für ”The Man Comes Around”, dem vierten Teil der “American Recordings”, noch einmal aufgenommen. Mir gefallen beide Varianten.

Gefallen tut mir überhaupt die Setlist hier, die unter anderem Kris Kristoffersons Sunday Mornin’ Comin’ Down enthält – auch das wird vom Publikum sofort erkannt und beklatscht – sowie Arlo Guthries City Of New Orleans. Letzteres kommt mehr so, wie es wohl Willie Nelson singen würde. Immer leicht neben dem Beat.
Einem Eisenbahn-Freak, wie Johnny Cash, macht das über 10 Minuten lange “Railroad-Medley“ besonders Spaß und das überträgt sich auch auf das Publikum. Auch hier agiert die Band sehr dynamisch, nimmt Tempo raus und legt dann wieder gehörig zu.
Generös vergisst Cash nicht, seinen Bassisten Marshall Grant besonders zu erwähnen, als er im Intro zu Last Date die Band vorstellt, der zu dem Zeitpunkt bereits 23 Jahre an seiner Seite stand, und nicht weniger großzügig überlässt er der CARTER FAMILY den Schluss dieser Aufnahmen, mit dem Folkklassiker Wabash Cannonball, den er selbst für das Finale noch einmal kurz anstimmt.
Sicher hätte ein längeres Konzert noch mehr Spaß gemacht, aber nachdem diese Aufnahmen bisher nicht so leicht zu bekommen waren, macht diese Scheibe für mich durchaus Sinn. Wird sich bei mir noch öfter drehen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.02.2016