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The Tree Of Forgiveness
John Prine
The Tree Of Forgiveness, Oh Boy Records, 2018
Produziert von: Dave Cobb Länge: 36 Min 06 Sek Medium: CD
01. Knockin' On Your Screen Door06. Lonesome Friends Of Science
02. I Have Met My Love Today07. No Ordinary Blue
03. Egg & Daughter Nite, Lincoln, Nebraska08. Boundless Love
04. Summer's End09. God Only Knows
05. Caravan Of Fools10. When I Get To Heaven

Für jemanden, der schon schon zweimal einer verflixten Krebserkrankung ein Schnippchen schlagen konnte, besitzt John Prine immer noch (oder auch gerade deswegen) jede Menge Energie, Zuversicht und Humor. Der sowohl im Fan- als auch im Kritikerlager gleichermaßen geschätzte Prine, gilt als einer der letzten großen amerikanischen Country- und Folk-Barden. Seit Prines Debutalbum aus dem Jahre 1971, sind fast fünf Dekaden ins Land gezogen, die der Mann aus Illinois stets mit wachsamen Augen beobachtete, um daraus seine treffsicheren Songs zu destillieren.

Was dem einen oder anderen Beobachter womöglich als simpel gestrickter Countrysong erscheint, entwickelt sich spätestens bei genauerem Hinhören zum Juwel großartiger Songkunst. Die karge, akustisch orientierte Instrumentierung zeichnet auch auf "The Tree Of Forgiveness" mit wenigen Pinselstrichen wieder wundervolle Bilder. Die geschärften Sinne des annähernd 72-jährigen Troubadours lassen wie eh und je Texte zu, die stilsicher zwischen Humorigem, Satirischem, Bitterbösem und Lieblichem pendeln und dem eifrigen Bewunderer höchsten Respekt abringen. Nicht umsonst hat der ehemalige Postbote, der einst von Kris Kristofferson protegiert wurde, im aktuellen Americana-Segment namhafte Bewunderer wie Jason Isbell und Chris Stapleton. Und nicht zuletzt stellt sich auch ein angesagter Nashville-Produzent wie Dave Cobb ehrfurchtsvoll zur Verfügung, um Prines Songideen klanglich zu veredeln.

Die Ideen zu seinem "The Tree Of Forgiveness" Werk entwickelte Prine innerhalb einer Woche in einem eigens dafür angemieteten Hotelzimmer in Nashville. Nach fast fünfzig Jahren 'on the road' bietet sich ein feines Hotelzimmer nebst Swimming Pool als Singer-Songwriter Komfortzone ja nahezu an, gibt uns der verschmitzte Prine zu verstehen.

Das hintergründig Humorige liegt dem Altgedienten sowieso ganz wunderbar. Hört man sich seinen von einer glitzernden Harfe eingeleiteten Schwanengesang When I Get To Heaven an, weiß man wie der Meister-Troubadour tickt. Er schüttelt dem Lieben Gott die Hand, dankt ihm augenzwinkernd für die mehr als ausreichenden, gnadenreichen Segnungen, schnappt sich kurzerhand eine Gitarre und ruft eine Rock'n'Roll Band ins Leben, watschelt zum nächsten Hotel, knallt sich dort 'nen Cocktail und eine ellenlange Zigarette in den Hals. So entwickelt Prine eine gutgelaunte Posse, die all jenen, die sich womöglich schon im letzten Drittel ihres Lebens befinden besonders gut gefallen dürfte. Köstlich.

So kann man schließlich auch verstehen, warum der grammy-geehrte Künstler den Gedanken, dies könne sein letztes Album sein, nun doch wieder ins Reich der Fabel verweist. Mit solch einem Elan im Nacken kann Mr. Prine uns wohl noch mindestens ein weiteres Album schenken, bevor er seine ultimative Reise antritt. Abgemacht.

Frank Ipach, (Artikelliste), 11.04.2018