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Plain Spoken
John Mellencamp
Plain Spoken, Universal Music, 2018
John MellencampVocals, Guitar
Mike WanchicGuitars & Backing Vocals
Andy YorkGuitars & Backing Vocals
Miriam StormFiddle
Dane ClarkDrums
John GunnellBass Guitar
Troye KinnettKeyboards, Accordion & Harmonica
Special Guest:
Carlene CarterVocals on My Soul's Got Wings
Produziert von: Barry Ehrmann Länge: (DVD) 160 Min 00 Sek Medium: CD & DVD
CD/DVD:
01. Lawless Times09. The Full Catastrophe
02. Troubled Man10. My Soul's Got Wings
03. Minutes To Memories11. Overture
04. Small Town12. Rain On The Scarecrow
05. Stones In My Passway13. Paper In Fire
06. Pop Singer14. Authority Song
07. Check It Out15. Pink Houses
08. Longest Days16. Cherry Bomb

Manchmal hat dieser ganze Social-Media-Kram schon ein paar Vorteile oder verschafft einem zumindest die Möglichkeit sich mit Leuten auf der ganzen Welt auszutauschen. So bekam ich auch mit, wie kontrovers seine letzte Amerikatour diskutiert wurde. Die Ewig-Gestrigen beschwerten sich aufgebracht – und in teils schon recht harten Worten – darüber, dass Mellencamp nicht einfach die Hits von vor ein paar Jahrzehnten gespielt und ansonsten die Klappe gehalten hat. Die Leute, die heute noch von John “Cougar“ sprechen, wollten nichts hören, von dessen gesprochenen Worten, wollten kein Gehirn einschalten und zuhören, was der Autor (!) über seine Songs und sonstige Dinge zu erzählen hatte. Schließlich hatte man ja für den Abend bezahlt!
Die echten Fans, die Johns musikalisches Werk mit offenen Augen und Ohren (und Herzen) durchgängig begleitet hatten, waren sehr wohl angetan, von dieser Art von Konzert und wenn nicht, dann gestanden sie es dem Künstler zumindest zu, seine Kunst so zu präsentieren, wie er es sich vorgestellt hat.
Nun, diese Konzert hier wurde bereits im Oktober 2016 mitgeschnitten, aber in dem “Concert With Commentary“ ist John trotzdem wortreich zu hören. Wer sich Johns Erzählungen nicht anhören mag, für den hat die DVD die Möglichkeit parat, sich das Konzert ohne diese zu geben. Dadurch erklärt sich auch die Spielzeit von gut 160 Minuten: Das Konzert ist sozusagen doppelt vorhanden.
Und natürlich auch auf der beiliegenden CD, ohne Kommentar, zu finden.
Wenn schon Bildmaterial vorhanden ist, bevorzugen wir das. Logo.
John schlappt auf die Bühne, wie der Zeremonienmeister einer fahrenden Zirkustruppe und Lawless Times passt da auch musikalisch perfekt dazu. Stimmlich erinnert er hier etwas an Tom Waits und auch das passt zu Song und dem Outfit von John und Band. Überhaupt diese Band! Seit Jahren eingespielt und in ihrem Metier sicher mit das Beste, was man kriegen kann. Da spielt sich Keine/r unnötig in den Vordergrund, da greift alles ineinander, da passt einfach jeder Ton.

Netter Weise wurde zu den Songs auf der CD-Rückseite das zugehörige Album vermerkt. Bei deutlich über 20 Alben könnte man ja schon mal in Schwierigkeiten geraten. An Minutes To Memories sollte man sich aber auch so erinnern, denn “Scarecrow“ gehört zu Johns wichtigsten und besten Alben. Vielleicht das erste, mit dem er sich vom Cougar-Image so richtig freigeschwommen hat.
Und gleich folgt der Hit jenes Albums: Small Town. Sozusagen Mellencamps Visitenkarte. Der klingt heutzutage wesentlich roots-rockiger und das passt besonders gut, da mit Stones In My Passway ein richtiger “Roots-Song“ folgt. Ich kann mich immer aufs Neue an an dem Band-Sound begeistern. Wenn das Akkordeon im Vordergrund stehen soll, dann tut es das. Ebenso die Geige von Miriam Storm. Ganz locker, ohne große Aktion und doch so stimmig. Richtig gut, kommen diese Instrumente in Check It Out. Als sollte der Song schon immer so klingen.
Aber nur auf “Greatest Hits“, darauf hat Mellencamp keinen Bock und so finden sich auch eher weniger gehörte Nummern in der Setlist, wie das sehr intim gehalteneLongest Days (von “Life, Death, Love And Freedom“), The Full Catastrophe (vom “Mr. Happy Go Lucky“-Album), bei dem man sich wie im Varieté wähnt, oder My Soul's Got Wings, vom letztjährigen “Sad Clowns And Hillbillies“-Album. Letztgenannte Nummer bekommt die Krönung, wie schon auf der Studio-Aufnahme, durch die Beteiligung von Carlene Carter. Genial.

Das Intermezzo von Violine und Akkordeon, welches letztlich in Rain On The Scarecrow überleitet, ist nichts weniger als betörend. Und der Song selbst kommt dann herrlich düster und gleichzeitig sphärisch, einfühlsam und gleichzeitig aggressiv.
Klar, auch ein John Mellencamp weiß wie eine Show zu gestalten ist und gegen Ende kommen die ersehnten, Paper In Fire, Authority Song (hier wird’s richtig wild!), Pink Houses - aber kein Jack And Diane. Hätt' ich's nicht erwähnt, wäre das auch gar nicht aufgefallen, weil die Performance der dargebrachten Nummern so gut ist. Mit Mike Wanchic und Andy York sind hier zwei Gitarristen beteiligt, die jeder für sich alleine schon jeder Band zu einem Schritt nach Vorne verhelfen würden.
Die machen objektiv vielleicht nicht viel, aber wenn sie ins Rampenlicht treten, dann brennt die Luft und im Hintergrund agieren sie in bestmöglicher, Band-dienlicher Weise. Endlich das Live-Album, welches eigentlich jeder Musiker aufweisen möchte? Jein. Dafür fehlen mir dann doch einige kaum verzichtbare Songs (ja, auch Jack And Diane) und es hätte dann eine Doppel-CD werden wüssen, aber auf jeden Fall ist Mellencamp immer noch voll auf der Höhe und mit ihm seine Band und hervorragende Songs hat er grad genug.
Am Schluss vielleicht noch ein Zitat aus dem Booklet, in dem John auch nicht mit Worten spart.
“I think somebody should take the microphone away from me because I will say exactly what's on my mind and have no filter. You're asking me what I think so if you want to know what I think you better be prepared to hear something that you may not want to hear.“ Nur mal so für alle Konsumenten dieser DVD/CD oder Konzertgängern. In welchem Land auch immer.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.05.2018