imagine john yoko
John Lennon
imagine john yoko, edel/ear books, 2018
von: Yoko Ono
ISBN: 978-3-8419-0637-3
Umfang: 320 Seiten
Preis: 49,95 € zzgl. Versandkosten

Während ich mich so durch dieses wunderschöne Buch lese, denke ich mir öfter, so ein Buch sollte es über andere Alben auch geben. Diese Einblicke, diese Fülle an Informationen, es ist für den Fan fast, als entdecke er dieses Album zum zweiten Mal. Andererseits stellt sich natürlich die Frage, wie viele Alben so ein Buch rechtfertigten? Da wird die Auswahl dann doch eher gering ausfallen. “Imagine“ rechtfertigt diese Veröffentlichung allemal.
Was macht das Buch so einzigartig? Schon allein die Liebe, mit der es gemacht ist.
Nicht mehr lange und es sind 50 Jahre, seit die LP erschienen ist und immer noch ist der Zauber, der davon ausgeht präsent. Womöglich hätte die Scheibe auch einfach “Love“ heißen können und wäre damit auch zutreffend betitelt. Denn “Liebe“ ist es, was aus dem Album und aus diesen Seiten strömt. Allein schon durch diese tiefe Verbundenheit zwischen John und Yoko, die auch heute noch fast spürbar ist.

“Mit Beiträge von allen, die dabei waren“, steht auf dem Cover, und das ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der das Buch so toll macht.
Hier kommen sie alle zu Wort: Von den Hauptprotagonisten bei den Aufnahmen im Landsitz Tittenhurst bis zum Hausmeister in den Record Plant Studios in New York und alle und alles was dazwischen, davor und danach liegt. Praktisch jeder, der irgendwie mit “Imagine“ eine Verbindung hat, ist hier vertreten. Die Musiker sowieso. Wie viele an den Aufnahmen mitgewirkt haben, ist erstaunlich. Johns alter Bandkollege George Harrison war dabei, WISHBONE ASHs Ted Turner spielte Akustikgitarre auf ein paar Songs, Musiker von BADFINGER , Jim Keltner, Alan White, Jim Gordon – allesamt Schlagzeuger, Klaus Voorman am Bass und, und, und...
...und bei allen wird deutlich, wie beeindruckt sie von diesen Sessions waren und immer noch sind. Von der Art, wie Lennon äußerst zielstrebig an die Aufnahmen heranging. Auch mal ungeduldig, aber praktisch nie ärgerlich gegenüber den Musikkollegen. Selbst mit dem oft als schwierig verschrienen Phil Spector gab es so gut wie keine Probleme. Die Anwesenheit des Ex-Beatle sorgte da ebenso für eine gute Atmosphäre, wie die liebevolle Partnerschaft zwischen John und Yoko, für die von den Beteiligten ausnahmslos bewundernde Worte gefunden wird. Das Image der “Hexe, die die BEATLES zerstörte“, wird hier wohl endgültig zerstört. Klar, man kann annehmen, dass Yoko eventuelle Kritik an ihrer Person hier nicht reingeschrieben hätte, aber die offensichtlich authentischen Zitate sprechen eine deutliche Sprache: Love & Peace.

Auch wenn die Erinnerung sich manchmal unterscheidet. Wer jetzt mit den Drum-Sticks Klaus Voormans Stand-Up Bass bei Crippled Inside bearbeitet hat, differiert bei manchen Beteiligten. Doch überwiegend ist die Erinnerung klar und detailliert.
Auch Personen, die mehr indirekt mit dem Album in Verbindung stehen, wie Allen Klein oder der ewige Beatles-Roadie Rod Evans kommen zu Wort und auch etliche Personen, die nach der Produktion noch mit Management, Werbung, dem Film oder einfach als Assistenten für John und Yoko tätig waren. Einen besseren Einblick kann man sich nicht wünschen.
Dazu natürlich zahllose Bilder, oft großformatig, oft selten, oft aufschlussreich – immer beeindruckend. Immer wieder Schnappschüsse, die die Atmosphäre bei den Aufnahmen dokumentieren.
Dann noch Zeichnungen, handgeschriebene Songtexte von John und Artwork zum Album. Die Ausmaße von Tittenhurst werden einem erst so richtig deutlich, wenn man den Plan, Bilder und Luftaufnahmen des Anwesens sieht..
Was mich aber eigentlich am meisten beeindruckt, ist, dass Yoko Ono nach all den Jahren immer noch eine Kämpferin für den Frieden, gegen den Hunger und Ungerechtigkeit in der Welt ist. Das zeigt sich in ihrem Vorwort, das zeigen die Anmerkungen im Verlauf des Buches, ihre aktuellen Aktivitäten – der “Peace Tower“ strahlt auch dieses Jahr vom 9. Oktober (Johns Geburtstag) bis zum 8. Dezember (seinem Todestag) auf der Insel Viöey auf Reykjavik – und das beschließt auch dieses Buch. “Vorstellen“ kann man sich vieles. Warum nicht Frieden?
Wie Yoko im Vorwort sagt: “Stellt euch den Dominoeffekt vor und fangt einfach an FRIEDEN zu denken.“
Oder John Lennon sang:
Imagine all the people living life in peace
Der Versuch wär‘s eigentlich wert.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 03.11.2018