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British Blues Explosion Live
Joe Bonamassa
British Blues Explosion Live, Mascot Label Group, 2018
Joe BonamassaGesang & Gitarre
Michael RhodesBass
Reese WynansOrgel & Keyboards
Anton FigSchlagzeug
Russ IrwinGitarre & Gesang
Produziert von: Kevin Shirley Länge: 126 Min 10 Sek Medium: CD & DVD
DVD 1 & CD 1 (48:06)DVD 1 & CD 2 (48:55)
01. Beck's Bolero/Rice Pudding01. SWLABR
02. Mainline Florida02. Tea For One/I Can't Quit You Baby
03. Boogie With Stu03. Little Girl
04. Let Me Love You Baby04. Pretending
05. Plynth (Water Down The Drain)05. Black Water/Django
06. Spanish Boots06. How Many More Times
07. Double Crossing Time
08. Motherless Children
DVD 2 (21:54)
01. Taxman (Live At The Cavern Club)03. The British Blues Explosion Explained Explained By Mick Wall
02. Joe Honored With A "Brick In The Wall"04. Photo Gallery - BBE UK Tour

Den Blues verbindet man automatisch mit den USA. Dort, auf den Feldern des Südens aber auch in den Städten wie Chicago wurde die Musik der Afroamerikaner groß und populär und fand ein immer breiter werdendes Publikum, das schnell auch die Schwarz/Weiß-Brille beiseite legte. Aber Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre begeisterte der Blues dann schließlich auch eine stetig wachsende Anzahl an Jugendlichen in Europa und insbesondere in Großbritannien, die den Einfluss begierig aufsaugten und daraus ihre eigene Version entstehen ließen. Die British Blues Explosion brachte so erfolgreiche Bands wie John Mayall und seinen BLUES BREAKERS, die ROLLING STONES aber auch insbesondere die YARDBIRDS hervor, in deren Reihen gleich drei junge Männer zu wahren Gitarrengöttern aufstiegen: Eric Clapton, Jeff Beck und Jimmy Page. Und speziell diesen drei Musikern erwies der wohl derzeit erfolgreichste Blueser, Joe Bonamassa, im Sommer 2016 mit einer kleinen Konzert-Reihe seine Ehre.

Die Show beim Greenwich Music Time Festival am 07. Juli 2016 im Innenhof des vornehmen Old Royal Naval College in Greenwich, London, wurde schließlich aufgezeichnet und liegt nun unter dem Titel "British Blues Explosion Live" vor. Das Konzert beginnt - im Video-Mitschnitt - noch bei Sonnenschein und verschafft dem Zuschauer damit einen Eindruck vom Setting, es entfaltet aber rein visuell erst dann seine volle Wirkung, wenn zur Hälfte etwa die Dunkelheit sich durchsetzt und auch die sehr stimmungsvolle Lichtshow zur atmosphärischen Untermalung der fantastischen Musik beiträgt.

Dabei hat es sich Bonamassa noch nicht einmal "leicht" gemacht und einfach nur die großen Hits der Vorbilder, zum Beispiel von LED ZEPPELIN oder Eric Clapton, ausgesucht. Also nicht etwa Since I've Been Lovin' You sondern Boogie With Stu und Tea For One. Und anstatt Layla dann eher Mainline Florida oder die superbe aber vielleicht häufig übersehene BLUES BREAKERS-Nummer Double Crossing Time vom berühmten "Beano"-Album, die Bonamassa mit einem wahrlich furiosen Solo zu einem Highlight des Albums ausarbeitet.

Aber natürlich gibt es hier dennoch Klassiker en masse, wie etwa Beck's Bolero, Spanish Boots, Rice Pudding, Plynth (Water Down The Drain), für die aber überwiegend Jeff Beck mit seinen frühen Alben Pate stand. Aber eben auch Pretending von Clapton und die LED ZEPPELIN-Klassiker I Can't Quit You, How Many More Times sowie die Variation von Black Mountain Side und White Summer, die sich hier in dem Song Black Winter wiederfinden, kann man in diese Kategorie packen. Aber wie schon bei dem Live-Bericht aus Frankfurt erwähnt, ist es eigentlich ein Stück weit egal, welche Komposition da gerade gespielt wird, es kommt auf das "Wie" an - und da gibt es rein technisch betrachtet momentan wohl kaum einen besseren als Bonamassa.

Der hatte sich für diese Tournee eine fünfköpfigen Backing-Band zusammengestellt, die aus seinen mittlerweile langjährigen Mitstreitern Michael Rhodes am Bass, Rock And Roll Hall Of Fame-Mitglied Reese Wynans an den Keyboards sowie Schlagzeuger Anton Fig bestand - aber mit Russ Irwin an der Rhythmusgitarre, dem Klavier und dem Backgroundgesang eine klangliche Bereicherung und musikalische Unterstützung fand. Zusammen lassen sie die Bühne erbeben unter den mächtigen Schritten der Spanish Boots, bringen bei I Can't Quit You Baby die Luft zum flirren und bei Pretending die anwesende Menschenmenge zum schwelgen und mit den Gitarren-Soli schafft es Bonamassa immer wieder die Zuschauer zum staunen zu bringen. Insofern sind die knapp zwei Stunden ein echtes Hochamt für alle Fans des klassischen britischen Blues und dessen heiliger Dreifaltigkeit Beck, Clapton & Page.

Auf der DVD sowie der BluRay ist wieder einmal eindrucksvolles Bonusmaterial enthalten, wie etwa Bonamassas extrem bluesige Performance des BEATLES-Klassikers Taxman im Cavern Club in Liverpool, seine Auszeichnung mit einem "Brick In The Wall" sowie eine Fotogalerie der "British Blues Explosion"-UK-Tour. Der britische Musikjournalist Mick Wall erklärt außerdem die Geschichte der Musikbewegung, die ja schlußendlich den klassischen Hard Rock und Heavy Metal mit hervorbrachte. Dabei ist es einzig und alleine schade, dass nicht mehr Songs von dem intimen Gig in Liverpool beigefügt wurden, denn diese hätten ein herrliches Kontrast-Programm zu dem hochpolierten, perfektionistischen Haupt-Auftritt gegeben. Bonamassa im T-Shirt und mit zerzaustem Haar gibt es eben nicht so oft. Das erinnert dann schon fast wieder an die frühen Live-DVDs wie die aus der Rockpalast-Reihe als er noch in Trio-Besetzung auftrat.

Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich bei dem großen Auftritt in London. Obwohl die zugrundeliegende Musik schon ein halbes Jahrhundert "auf dem Buckel" hat, glaubt Bonamassa nach wie vor daran, dass diese und auch zukünftige Generationen von Bluesmusikern weiterhin die Musik dieser drei Ikonen erforschen müssen. “Wenn es diese Drei nicht gegeben hätte, wäre aus dem Blues vielleicht nie die Rockmusik entstanden, wie wir sie heute kennen. Sie sind in die Geschichte eingegangen.“, sagt Joe. Diese anhaltende Ehrfurcht vor dem Werk dieser drei Gitarren-Götter merkt man Bonamassa auf dieser DVD/CD an, aber es lähmt ihn nicht, ganz im Gegenteil, es motiviert ihn, spornt ihn an, bis an die Grenzen seiner eigenen wahrlich nicht limitierten Spielkunst zu gehen und diesen Fremdkompositionen eine Begeisterung zu geben, wie es nicht jeder andere Bluesmusiker vermag. So ist "British Blues Explosion Live" eine weitere fantastische Live-Scheibe eines begnadeten Musikers, der hier aber - wie schon bei "Muddy Wolf At Red Rocks" - bei seinen Idolen ein weiteres Denkmal setzt. Akustisch wie auch optisch gibt es hier wirklich rein gar nichts zu kritisieren.

Marc Langels, (Artikelliste), 14.05.2018