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A Passion Play - An Extended Performance
A Passion Play - An Extended Performance
Jethro Tull
A Passion Play - An Extended Performance, Chrysalis, 2014 (1973)
Ian AndersonVocals, Flute, Guitar, Saxophone
Martin BarreGuitar, Speech
John EvanPiano, Organ, Synthesizer, Speech
Jeffrey Hammond-HammondBass, Vocals, Speech
Barriemore BarlowDrums, Timpani, Glockenspiel, Marimba, Percussion
Produziert von: Ian Anderson Länge: 116 Min 30 Sek Medium: CD & DVD
CD 1:"A new Steven Wilson stereo remix"
01. Lifebeats/Prelude09. Forest Dance #2
02. The Silver Cord10. The Foot Of Our Stairs
03. Re-Assuring Tune11. Overseer Overture
04. Memory Bank12. Flight From Lucifer
05. Best Friends13. 10.08 To Paddington
06. Critique Oblique14. Magus Perde
07. Forest Dance #115. Epilogue
08. The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles
CD 2:"The Chateau d'Herouville Sessions"
01. The Big Top09. Critique Oblique (Part 1)
02. Scenario10. Critique Oblique (Part 2)
03. Audition11. Animelee (1st Dance)
04. Skating Away On The Thin Ice Of The New Day12. Animelee (2nd Dance)
05. Sailor13. Law Of The Bungle (Part 1)
06. No Rehearsal14. Tiger Toon
07. Left Right15. Law Of The Bungle (Part 2)
08. Only Solitaire
DVD 1 (Audio & Video)DVD 2 (Audio)
"A Passion Play" remixed to DTS 96/24 5.1 Surround, Dolby Digital AC3 5.1 Surround and 96/24 Stereo PCM."The Chateau d'Herouville Sessions" remixed to DTS 96/24 5.1 Surround, Dolby Digital AC3 5.1 Surround and 96/24 Stereo PCM.
A flat transfer from the original master at 96/24 PCM and video clips of "The Story of the Hare who lost his Spectacles" and "Intro" and "Outro" film footage used in the PP Tour of 1973.DVDs NTSC. Aspect Ratio 16:9 & 4:3, Region 0.

Logo Jethro Tull

Bei der musikalischen Rückschau von JETHRO TULL taucht normalerweise irgendwann auch die Klassifizierung "Progressive Rock" auf, bei der nicht ganz so sattelfeste Kenner der Band manchmal fragend die Schultern zucken. Bei TULL denkt man natürlich in erster Linie an Locomotive Breath, folkigen Akustikeinlagen und natürlich Anderson's ausdrucksvollem Querflötenspiel.
Mit klassischem Prog verbindet man dann eher YES, GENESIS, ELP oder gar GENTLE GIANT, da passen TULL doch eigentlich so gar nicht rein, oder?

Tatsächlich hatte Anderson aber immer schon ein Faible für die alten Progger und insbesondere für GENTLE GIANT:
"My favorite prog band were GENTLE GIANT" sagt Anderson. "Not only were they simply a fantastic band, but they were so intense they could have massive arguments about the tiniest of musical minutiae. They represent the best and the worst of the genre."
Wenn man mit diesem Wissen noch einmal die TULL Discographie Revue passieren lässt, eröffnet sich einem plötzlich ein ganz neuer Ansatz, insbesondere bezüglich des höchst kontrovers diskutiertem 1973er Konzeptalbum "A Passion Play". Wikipedia meint dazu: "Die darauf erreichte Komplexität polarisiert bis heute Fans und Kritiker - das Spektrum reicht von krasser Ablehnung bis zur Einschätzung als dem wichtigsten Album der Band".

Die Reaktion der Fans und Kritiker war damals kaum verwunderlich, schließlich vollzogen Anderson & Co. völlig unerwartet einen krassen Bruch zu den erfolgreichen Vorgängern "Aqualung" und "Thick As A Brick". Anderson schien bereits nach "Aqualung" auf Krawall gebürstet und wiedersprach der Einordnung als Konzeptalbum, "... es seien doch bloß ein Haufen Lieder ...".
Mit "Thick As A Brick" schien er der Musikpresse zeigen zu wollen, was ein echtes Konzeptalbum sei um mit "A Passion Play" anscheinend noch eins draufzusetzen. Nämlich ein "progressives Konzeptalbum" und dazu als Doppelalbum, schließlich protzten YES im gleichen Jahr mit Doppel- und Dreifachalben, da wollte Anderson möglicherweise Paroli bieten.

Allerdings gerieten die Aufnahmesessions im renommierten (Elton John oder PINK FLOYD hatten hier bereits erfolgreich gearbeitet), aber mittlerweile völlig heruntergekommenen Château d'Hérouville bei Paris zum Desaster. Alle Aufnahmen wurden anschließend verworfen und die Band erarbeitete ein komplett neues Album. Ein Teil der Chateau d'Herouville Sessions wurde jedoch später z. B. auf dem Folgealbum "War Child" neu arrangiert.

In der aktuellen, liebevoll gestalteten und von Steven Wilson (wem sonst) vortrefflich remixten Neuveröffentlichung, kann man sich nun neben dem original Album auch die verschollenen Chateau d'Herouville Sessions zu Gemüte führen und zwar in PCM Stereo, DTS und AC3 5.1 Surround, inkl. Videoclips.
Das Ganze in einer gewohnt opulenten Buch-Edition mit fettem Booklet, welches neben allerlei Infos, Fotos, Daten und Liner Notes auch ein Reprint des 1973er "Linwell Theatre Programmes" enthält, das damals in das original LP-Klappcover eingelegt war, wobei das eigentlich gelungene Gimmick hier leider ein wenig untergeht.

Wenn man so will, liegt der Mehrwert dieser Edition neben den Remixes klar auf den Château d'Hérouville Sessions, die aufzeigen, wie das ursprüngliche Album hätte werden können, wenn die Umstände dies nicht verhindert hätten.
Die letztendlich veröffentlichte Fassung scheint in diesem Zusammenhang beinahe wie eine Trotzreaktion, was nahe liegt, da es quasi TULL's einziger Ausflug in diese Richtung des Prog war.
Insofern handelt es sich bei "A Passion Play" sicherlich um eine Besonderheit, die man aber nicht überbewerten sollte. Das wichtigste Album der Band ist es wohl eher nicht, vor allem, da es unter Zeitdruck entstanden ist und deshalb reichlich improvisiert wurde.
GENTLE GIANT lassen jedenfalls grüßen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 27.07.2014