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Straitjacket
Jeremiah Johnson
Straitjacket, Ruf Records, 2018
Jeremiah JohnsonVocals, Guitar
Frank BauerSaxophone, Vocals
Tom MaloneyBass Guitar, Slide Guitar on 9th And Russell
Benet SchaefferDrums
Mike ZitoRhythm Guitar, Lead Guitar and Vocals on Rock & Roll Music To The World
Produziert von: Mike Zito Länge: 53 Min 09 Sek Medium: CD
01. Straitjacket07. Dirty Mind
02. Getting Tired08. 9th And Russell
03. Blues In Her Eyes09. Old School
04. Keep On Sailing10. Bonneville Shuffle
05. Believe In America11. Hold My Hand
06. King & Queen12. Rock & Roll Music To The World

Dem Verhnehmen nach, ist Jeremiah Johnson in den Staaten – also zumindest so um St. Louis und Houston herum – längst kein Unbekannter mehr. Gleich mehrfach hat er da Blues-Wettbewerbe gewonnen und auch schon einige Alben veröffentlicht. Unter anderem vom Allman-Sprößling Devon produziert.
Mit der Plattenfirma Ruf Records als Vehikel schickt er sich nun an, auch hierzulande seine Bekanntheit zu steigern. Was ihm mit “Straitjacket“ durchaus gelingen dürfte. Die Plattenfirma hat ihre Allzweckwaffe Mike Zito in den Ring, auf den Produzentensessel und an die Rhythmusgitarre beordert und darf man angesichts dessen bisherigen Leistungen schon zurecht gespannt sein.
Zito war als zusätzlicher Musiker nichtzuletzt deswegen von Nöten, weil diese Scheibe so live wie möglich eingespielt werden und auch so klingen sollte.
Und das tut sie. Johnsons Ansatz, “Ich möchte dass sich die Leute diese Platte von Anfang bis zum Ende anhören, bei einer Party richtig aufdrehen und mal so richtig abschalten können“, wurde wohl erreicht.

Aber schalten wir erst einmal an. Da erfahren wir zunächst keine Offenbarung, denn diese Art von funky Blues haben wir schon tausendfach gehört, auch wenn da natürlich ein durchaus ansprechende Drive dahintersteckt. Auch der Gesang ist nicht so außergewöhnlich. Aber im Laufe der Nummer tauchen dann doch so kleine Dinge auf, die den Kenner die Lippen schürzen lassen. Seien es die effektiven Breaks, der Einsatz des Saxofons oder aufschreiende Gitarrenton von Johnson in den Soli. Das erinnert an die Chicago-Blues-Größen und mich beim Ton besonders an “Born To Play Guitar“.
Ja, nun, die Typen kommen aus Texas, oder der Kante, da darf man sich über ZZ TOP-Anleihen, wie in Getting Tired nicht wundern, wobei das hier schon seinen funky Unterton beibehält. Seine Gitarre fast wie ein Keyboard klingen zu lassen, das hat Mike Zito mit seinen Akkorden in der Ballade Blues In Her Eyes beeindruckend drauf. Die Spannung bleibt erhalten, also zu soft wird das hier nicht. Erinnert mich ein bisschen an den Engländer Danny Bryant.
Mit ist dann so Country-Roll im Stile von JJ Cale bei Keep On Sailing trotzdem lieber. Da kommt Partylaune auf und auch Jeremiah Johnson steigert sich hier stimmlich deutlich heinein. Das Saxofon pumpt ordentlich und dir Gitarren schrammeln sich herrlich durch diese Good-Time-Nummer. Macht ordentlich Spaß.

Believe In America bringt mir, angesichts der aktuellen Administration, nicht unbedingt den Glauben an Johnsons Heimatland zurück, aber der leicht Richtung Hendrix deutende Song, hat ineressante Qualitäten. Zunächst Halb-Ballade, wird kurz nach zwei Dritteln plötzlich auf Up-Beat-Southern-Jam umgeschaltet. Diesem Gallopp würde man wohl gern noch einige Zeit weiter lauschen. Na, vielleicht dann im Konzert.
Zito hat, was den Sound der Scheibe angeht, zweifellos einen tollen Job gemacht. Das klingt alles knackig, drahtig, druckvoll, eben live. Musikalisch auch gern wieder etwas funky, so bisschen Kravitz-Schiene, in Dirty Mind. oder mit deutlichem Soul-Groove in Old School. 9th And Russell ist ein autobiografischer Song, unterlegt mit schwerem Blues. Bonneville Shuffle hat einen leichten Swamp-Touch, aber geht eigentlich mehr Richtung Surf-Rock. Hier und bei praktisch allen anderen Songs spielt das Saxofon von Frank Bauer eine gewichtige Rolle. Ob rhythmisch untersütztend oder als Solo-Instrument.
Auch zur Akustischen wird mal gegriffen, für Hold My Hand, wobei für Solo und Licks die E-Gitarre von Johnson im Einsatz bleibt. Da hört man gern genauer hin, wenn sich hier die Instrumenten umgarnen und diese Southern-Ballade hervorragend in Szene setzen. Klingt wirklich klasse. Das tut diese Scheibe und das tut auch der Abschluss und Höhepunkt dieser Party, wenn Zito und Johnson sich TEN YEARS AFTERs Rock & Roll Music To The World schnappen – Zito - übernimmt auch den Lead-Gesang – und zum Schluss nochmal richtig Party machen.
Wie gesagt, oberflächlich nichts Außergewöhnliches, aber die Feinheiten sind es wert, hier genauer hinzuhören. Dann wird man die Scheibe tatsächlich gern öfter “vom Anfang bis zum Ende“ hören.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.09.2018