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Chrysalis Records
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TAAB2
Ian Anderson
TAAB2, Chrysalis Records, 2012
Ian AndersonVocals, Flute, Acoustic Guitar
John O'HaraHammond Organ, Piano, Keyboards
David GoodierBass Guitar, Glockenspiel
Florian OphaleElectric Guitar
Scott HammondDrums Percussion
Ryan O'DonnellAdditional Vocals
Pete JudgeTrumpet, Flugelhorn, Tenor Horn, E-Flat Tuba
Produziert von: Ian Anderson Länge: 53 Min 47 Sek Medium: CD
01. From A Pebble Thrown10. Power And Spirit
02. Pebbles Instrumental11. Give Till it Hurts
03. Might-have-beens12. Cosy Corner
04. Upper Sixth Loan Shark13. Shunt And Shuffle
05. Banker Bets, Banker Wins14. A Change Of Horses
06. Swing It Far15. Confessional
07. Adrift And Dumfounded16. Kismet In Suburbia
08. Old School Song17. What-iffs, Maybes, Might-have-beens

Logo TAAB2

Es wäre für Ian Anderson ein Leichtes gewesen, das 40-jährige Jubiläum von "Thick As A Brick" mittels einer Tour, bei der dieses Album in seiner Gänze gespielt wird und anschließender Vermarktung via CD/DVD etc zu feiern. Eine ganze Riege der Weggefährten JETHRO TULLs hat ja Ähnliches schon verbrochen.
Entsprechende Konzerte gibt es natürlich, aber Mastermind Ian Anderson hatte anderes im Sinn und so gibt es mit "TAAB2" nun die Forstsetzung der Geschichte um Gerald Bostock, dessen Kindheitserlebnisse und -gedanken das damalige Konzeptalbum bestimmten.
Der Humbug, dass es sich um einen realen Bengel gehalten hat, flog ziemlich schnell auf und es war klar, dass eigentlich Ian Anderson hinter der Story steckte. "Unverständliche und angeblich anstößige Dinge" (Zitat aus Wikipedia) welche dem kleinen Gerald Bostock nachgesagt wurden, hat der Sänger ja selbst auch in späteren Zeiten seiner Karriere von sich gegeben.
Wenn es interessiert, der kann jetzt also erfahren, wie es mit dem kleinen Gerald weiterging. Dazu gibt es auch eine "Special Edition", mit "Making Of", 5.1 Sound, Interviews und mehr, auf einer zusätzlichen DVD. Hier hören wir einfach in die Standart-Ausgabe rein, denn letztlich geht es doch um Musik.
Unverständlich ist sicher Vielen, warum sich Anderson ausgerechnet für dieses Projekt seiner Stammtruppe entledigte und praktisch mit seiner "Soloband" einspielte. Ausgerechnet der langjährige Partner und bei den Fans so beliebte Martin Lancelot Barre bleibt so außen vor. Kreative Partnerschaften leben auch immer von Reibungen und Spannungen, aber anscheinend wurde es nun doch mal - vorerst - zu viel.

Anderson wird seine Gründe haben und die hier beteiligte Truppe ist auf jeden Fall auf hohem Niveau. Vielleicht hatte der Bandchef das seinen TULL-Kollegen nicht mehr zugetraut?
Das "JETHRO TULL'S Ian Anderson" wollte er sich im Albumtitel dann aber doch nicht entgehen lassen. Nun ja, er ist der Kopf von Band und Story.
Langsam schleicht sich die Geschichte zur Tür herein und die - na ja, leicht ausgemergelt klingende - Stimme leitet From A Pebble Thrown ein. Ich muss sagen, das klingt doch recht gut und kein bisschen angestaubt. Im Vergleich zum Jubiläumsalbum vielleicht fast ein wenig zu glatt, aber nichtsdestotrotz voller Elan. Andersons Querflöte ist immer noch von besonderer Güte, und gern überlässt er seinen Mitstreitern kleine Soloparts. Dabei tut sich, für meinen Geschmack, besonders Gitarrist Florian Ophale hervor. Mit welcher Leichtigkeit und wie flüssig der seine Beiträge liefert - lieber Martin, ich weiß nicht, ob das bei dir genauso klänge, sorry.
Da wird mal kurz das bekannte Flötenthema, aus der Urfassung von Thick As A Brick, in der Eröffnungsnummer zitiert - durch die Gitarre wohlgemerkt - und hier wie in den folgenden Nummern gefällt mir gut, wie insbesondere Flöte und Gitarre harmonieren ja sich gegenseitig zu befruchten scheinen.
Zwischendurch, wie in solchem Rahmen üblich, werden kleine Geschichtchen und Erläuterungen von Anderson verlesen, worauf es dann wieder in recht eingängige Songs wie Banker Bets, Banker Wins geht. Das hat schon eine gewisse Klasse und ich denke da direkt an Alben wie "The Broadsword And The Beast". Vielleicht auch, weil mir die Produktion doch manchmal etwas zu glatt ist. Das ist allerdings bei manchen vertrackten Teilen für Transparenz auch wichtig. Könnte trotzdem bei vielen Bands in die Hose gehen, aber funktioniert das überwiegend prächtig und trotz des umschließenden Konzeptes, stehen viele Songs auch für sich allein.

Bei Swing It Far scheinen mir leichte Ähnlichkeiten zu Aqualung zu bestehen und so findet der TULL-Fan sicher in fast jedem Song bekannte Elemente. Es geht überwiegen gemäßigt-rockig zu, es finden sich aber auch die bekannt-beliebten Folkzutaten. Freunde davon dürften an dem über 8-minütigen A Change Of Horses ihre Freude haben und auch die Progressivabteilung kommt nicht zu kurz.
Mir fehlen hier und da ein paar Kanten und Ecken, was jedoch meiner Vorliebe für mehr erdigen Rock geschuldet sein könnte und mit einer gewissen Lautstärke rockt das hier ja auch stellenweise ganz gut. Ein bisschen mehr Druck könnte Kismet In Suburbia aber doch vertragen.
Letztlich halte ich "TAAB2" nicht für einen so großen Wurf wie es "Thick As A Brick" war und Nummer Eins in den Charts, wie selbiges, wird es sicher nicht werden. Eine interessante Weiterführung der "Ur-Story" wird es im Konzert mit Sicherheit sein und man darf da durchaus gespannt darauf warten und blicken.
Der alte "Rattenfänger" Anderson wird mit seiner Flöte schon den Weg weisen, mit der verführerischen Melodie aus Thick As A Brick , die auch im letzten Titel wiederkehrt und die man - einmal gehört - nie mehr vergisst und ebenso der Gesang, der auch den letzten Song hier verklingen lässt wie Anno dazumal: "So you ride yourselves over the fields, and you make all your animal deals, and your wise men don't know how it feels,
to be thick as a brick - two"

Epi Schmidt, (Artikelliste), 14.04.2012