Hands On The Puzzle
Henrik Freischlader
Hands On The Puzzle, Cable Car Records, 2018
Henrik FreischladerVocals, Guitar
Moritz MeinschäferDrums
Armin AlicBass
Roman BabikKeyboards
Marco ZügnerSaxophone
Produziert von: Henrik Freischlader Länge: 73 Min 54 Sek Medium: CD
01. Community Immunity07. Stand Up, Little Brother
02. Love Straight08. Share Your Money
03. Those Strings09. Animal Torture
04. Winding Stair10. I Don't Work
05. Rat Race Carousel11. Mournful Melody
06. Where Do We Go12. Creactivity

Segen oder Fluch? Seit Jahren schon währt die kontroverse Diskussion um unsere digitale Abhhängigkeit. Insbesondere die allseits grassierende Smart Phone Hörigkeit wird mithin schon als echter Feind der modernen Gesellschaft eingestuft. Die Dosierung macht's. Achtung, bewahre dir dein Seelenheil.
Henrik Freischlader, Deutschlands Vorzeige-Bluesrocker, hat nun vor einigen Monaten relativ rigoros den Stecker gezogen, seine Facebook und Twitter Accounts gelöscht, angefangen per Brief mit seinen Fans zu kommunizieren und für den nahenden Herbst konsequenterweise seine große Old School Tournee angekündigt. Auf digitale mediale Unterstützung von außen kann er natürlich nicht völlig verzichten, denn sonst würde Freischladers vor einigen Tagen erschienenes neues Album "Hands On The Puzzle" nicht wirklich wahrgenommen.

"Hands On The Puzzle" schlägt nun gleichermaßen in die viel beschworene Old School Kerbe und klingt - verglichen mit seinen bisherigen Alben - ziemlich bluesig im traditionellen Sinne, ja, stellenweise sogar angenehm jazzig. Die deftigen Rockanteile alter Alben wie "Still Frame Replay" und "House In The Woods" sucht man auf dem mit einem wunderschönen Cover ausgestatteten Albumneuling vergeblich. Das kunstvoll gemalte Coverbild von Jens Nordmann allein ist schon eine Entdeckungsreise wert. Hier wird das Album speziell als Vinylausgabe wohl jede Menge hermachen.

Die Henrik Freischlader Band, die sich in den letzten Jahren immer wieder der einen oder anderen Häutung hingab und ihr Outfit änderte, reüssiert heuer als Quintett. Neuerdings auch mit dem ständig integrierten Saxofon von Marco Zügner. Zügner bringt - wen wundert's - jede Menge neue Facetten ein und lässt es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Henriks E-Gitarre und dem exquisiten Tastenmann Roman Babik einige tolle Melodie-Themen zu intonieren, die der Wucht einer satten Horn-Section entsprechen (z.B. Those Strings, das auch auf einem Robben ford Album Platz fände). Im Finale des Openers Community Immunity springen dann auch schon mal swingende Jazzkadenzen heraus, die entfernt an Stevie Wonders Sir Duke erinnern. Da wünscht man sich insgeheim noch eine Trompete la Marcus King Band herbei.

Zarte Balladen hat die Freischlader Band immer schon zu zelebrieren gewusst. Doch "Hands On The Puzzle" bietet nun gleich zwei allerfeinste Beispiele für ruhige aber um so tiefere Gewässer: Where Do We Go, die religiös inspirierte Gedankenspielerei, die mit einem melodiös und dynamisch hochtrabenden Gitarrensolo aufwartet, das einem tatsächlich die Schuhe auszieht. Und eben das lässige, supercool inszenierte, metaphorisch verdichtete Animal Torture, das von seinem Melodiethema, seiner Rhythmik und dem extrageilen Rhodes-Piano lebt. Das gesamte Arrangement verströmt eine flüchtige Bill Withers meets Donny Hathaway Atmosphäre.

Insgesamt liefert die Henrik Freischlader Band mit "Hands On The Puzzle" ein großartiges Blues-Album ab, das dem traditionellen Old School Spirit Tribut zollt und dem Hörer einige Impulse vermittelt, das chaotische Puzzle in seinem Kopf ein wenig zu ordnen. Womöglich entsteht allmählich ein neues Bild. Die Eingangsfrage bleibt bis dahin jedoch unbeantwortet.

Frank Ipach, (Artikelliste), 12.09.2018