Blues For Gary
Henrik Freischlader
Blues For Gary, Cable Car Records, 2017
Henrik FreischladerGuitars, Vocals
Pete ReesBass
Vic MartinKeyboards
Moritz MeinschäferDrums
Ben PooleVocals, Guitar
Cliff MooreVocals, Guitar
Linda SuttiVocals
Mike AndersenVocals
Harrisen Larner-MainVocals
Micky NeherDrums
Roman BabikKeyboards
Christopher Esch, Zsolt VamosGuitars
Produziert von: Martin Meinschäfer Länge: 64 Min 12 Sek Medium: CD
01. The Prophet06. Where Are You Now?
02. The Messiah Will Come Again07. Jumping At Shadows
03. Blues For Narada08. With Love
04. Intro09. Johnny Boy
05. Where Did We Go Wrong?10. Parisienne Walkways

Wenn man weiß, dass Henrik Freischlader einst Theologie studiert hat, wundert es kaum, dass sein neues Album "Blues For Gary" fast wie eine Messe klingt. Eine Gedenkmesse für den im Jahre 2011 verstorbenen irischen Bluesrock/Hardrock-Gitarristen Gary Moore, der laut Henriks eigenem Bekunden dafür verantwortlich war, überhaupt zur Gitarre gegriffen zu haben.

Was im Verlaufe der letzten 10 Jahre daraus wurde, ist den Bluesrock-Fans in Europa natürlich hinlänglich bekannt. Freischlader hat sich unaufhörlich in die Bel Etage der großen Rock-Interpreten gespielt. Leidenschaftlich, ehrgeizig und arbeitsam. Gary Moore sei Dank!

So eröffnet der Freischlader Henrik sein aktuelles Album natürlich auch mit einer sakral anmutenden Version des Moore Songs The Prophet. Anmutig, stolz und trotz aller zarten Untertöne immens stark und aufrecht wie ein Fels in der Brandung. Freischlader spielt im Vergleich zum Original nicht wesentlich anders als Mr. Gary Moore. Selbst der Klang beider Gitarren ist ähnlich. Zudem stehen dem Stetson-Hutträger mit Vic Martin (Keys) und Pete Rees (Bass) zwei alte Moore Weggefährten zur Seite, die neben zahlreichen weiteren Gästen zum Gelingen dieser variabel gestalteten Platte beitragen. Trio war gestern, heute gerät die Gästeliste fast so umfangreich wie eine Fußballmannschaft.

Irritierenderweise startet Freischlader sein Album mit 4 Instrumentalnummern (u.a. auch Roy Buchanans prächtiges The Messiah Will Come Again, dessen Sprechgesang ausradiert wurde), um dann mit zahlreichen Sängern für einige Überraschung zu sorgen. Ja, tatsächlich, Henrik singt nicht ein einziges Mal die Lead Vocals, sondern beschränkt sich auf gelegentliche Harmony Vocals.

Ben Poole, der junge, aufstrebende britische Bluesrocker verwandelt Moores Where Did We Go Wrong in eine waschechte, hymnische Pop-Rock Ballade, die sich über 9 Minuten zu einer mitreissenden George Harrison meets Gary Moore Gala nebst Hey Jude Finale auswächst. Zauberhaft.

Beim pathetischen Where Are You Now teilt sich Gary Moores Bruder Cliff (der nicht allzu charismatisch singt) die Lead vocals mit dem stimmlich sicher talentierteren Harrisen Larner-Main. Jumping At Shadows, ein in typischer Slow-Blues Manier servierter Ruhepol überzeugt mit der von Eric Clapton und Ray Charles inspirierten Stimmgewalt der dänischen R & B Emporkömmlings Mike Andersen. Wow! Das hat Klasse.

Die erste Dame im Rennen läuft dann den Herren der Schöpfung fast den Rang ab. Linda Sutti, die süße Italienerin, einst unter Freischladers Produzenten-Fittichen, macht aus Gary Moores With Love (Remember) ein funkelndes Schmuckstück aus der Nina Simone meets Norah Jones Truhe, während das keltisch verklärte Johnny Boy mit den bebenden Vocals von Harrisen Larner-Main wie ein sexy Outtake der "Outlander"-TV-Serie.

Zum großen Finale verzücken uns Henrik und sein neuer Spezi Larner-Main noch einmal mit Moores Klassiker Parisienne Walkways. Nicht überraschend, aber schön.

Wer aus recycelten Songs ein so abwechslungsreiches Album mit reichlich Höhepunkten kreiert, dem darf man schon mal auf die Schulter klopfen. Und letztlich darf man wohl froh sein, dass sich Herr Freischlader nicht als Religionslehrer mit irgendwelchen demotivierten Oberstufenschülern rumärgert, sondern seiner Leidenschaft gefolgt ist und nun mit "Blues For Gary" seiner Inspirationsquelle und seinem Impulsgeber ein wichtiges und immerwährendes Denkmal gesetzt hat.

Frank Ipach, (Artikelliste), 08.04.2017