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Overamstel
Die letzten Giganten - Die ultimative Biografie
Guns N' Roses
Die letzten Giganten - Die ultimative Biografie, Overamstel, 2017
von: Mick Wall
ISBN: 978-3962410063
Umfang: 560 Seiten
Preis: 22,00 € zzgl. Versandkosten

Kein Anderer als Mick Wall hätte diese Biografie schreiben können. Ja, schreiben dürfen! Schließlich ist sein Name mit GUNS N' ROSES verbunden, wie der keines zweiten Journalisten. Wer zweifelt, darf sich “Use Your Illusion II“ nochmal aufmerksam anhören.
Gut 560 Seiten stark ist dieses Werk geworden. Gut 560 Seiten, die einen Höhen und Tiefen erleben lassen. Sowohl vonseiten der Band, als auch was das Lesevergnügen angeht.
Mehr als einmal hab ich die Lektüre unterbrochen, um mich ins Internet einzuloggen, um den Clip zu suchen, bei dem die Band 1988 im Ritz aufgetreten ist. Oder als im Doppelpack mit GREAT WHITE beim MTV-Special auftraten.
Natürlich sind die Unterschiede dann zum Teil schon krass, wenn man die Band praktisch in der Blüte ihrer Jugend sieht, und die abgewrackten Drug-Heads der späteren Jahre.
Aber zurück zum Buch. Wer schon immer der Ansicht war, dass es sich bei Axl Rose um ein despotisches Arschloch handelt, das von einem krankhaften Kontrollzwang zerfressen ist, für den gibt es hier reichlich Nahrung.

Natürlich hat jede Medaille zwei Seiten und je nachdem, wen man fragt, kann sich das auch vollkommen anders darstellen und berücksichtigt man die Zeit, in der das Ganze – oder zumindest der wichtigste Part davon – gespielt hat, dann hat die sich fröhlich drehende Medaille gleich noch ein paar Seiten mehr. Hat Vince Neil Izzy Stradlin eine reingehauen, weil der was von dessen Frau wollte? Oder wollte David Bowie was von Axls Freundin/Frau? Wer hat wem die Spritze in den Arm gedrückt, bzw. die rettende in die Brust?
Möglicherweise erinnern sich der einstige Manager Alan Niven, der auch für den zeitgleichen Aufstieg von GREAT WHITE (mit-) verantwortlich war – von dem G N' R nicht nur bei den ersten Videos profitierten! - , und der einstige Tour- und spätere Manager Doug Goldstein da besser als die Bandmitglieder und kommen entsprechend häufig zu Wort.
Wobei es auch hier wieder abzuwägen gilt. Alan Niven wurde letztlich von Rose rausgeschmissen, während Goldstein sich immer rückhaltlos hinter den Sänger gestellt hat und jedes noch so große Hirngespinst von dem verteidigt.
Klar, im Laufe des Buches kriegt man schon den Eindruck, dass von der Band, die sich einst, so könnte man denken, gegründet hat, um sich hauptsächlich den Drogen, dem Alkohol und dem Sex hinzugeben (ach ja, Rock'n'Roll war zeitweilig auch im Spiel), letztlich W. Axl Rose als Einziger einen Plan und ein Ziel hatte. So gesehen, konnte die Band vielleicht gar nicht lange bestehen.

Aber in jenen drei, vier, fünf Jahren, ging es hat einfach ab. Vor und hinter den Kulissen. Über das Songschreiben und die Aufnahmen erfährt man hier wenig, aber ansonsten macht man diese wilde Achterbahnfahrt hier schier hautnah mit. Am Steuer mal Rose, mal Niven, mal Goldstein. Auf dem Schleudersitz Steven Adler, Izzy Stradlin – welcher, nebenbei bemerkt, zwar anfangs ein Heroinabhängiger war, aber vor seinem Ausstieg der Einzige mit klarem Kopf – und später auch Slash und Duff McKagan. Da wird den STONES das zigfache von dem abgeknöpft, was die eigentlich ihrer Vorgruppe zahlen wollten, da werden die damals cleanen AEROSMITH hermetisch von ihren Tour-Genossen abgeschirmt, Konzerte werden um Stunden verspätet begonnen (wenn überhaupt), es wird geschmiert, gekokst, gefixt und was sonst noch alles. Manchmal wirkt es direkt unfassbar, wenn wieder einmal eine Entziehungskur am zweiten Tag abgebrochen wird, oder Axl wegen irgendeinem Scheiß einfach wieder ein Mal von der Bühne verschwindet und seine Kollegen konsterniert zurück lässt.
Auch wenn der Leser selbst manchmal ungläubig mit dem Kopf schüttelt, es einem fast zu viel wird, überwiegt doch der Spaß, den man hier hat. Zumal, wenn man die Zeit zwischen 1986 und 1994 mitgemacht hat. Und sei es aus der sicheren Entfernung.
Wer sich also da gern nochmal erinnern möchte, der ist mit diesem Buch auf dem richtigen Highway. Hat Steven Adler doch was von “Use Your Illusion“ eingespielt? (Jaa! Ich wusste es! Mein Lieblingslied daraus!) Wer war “Yoda“? Und wer “Yoko“? Wo musste Fred Coury, von CINDERELLA, einspringen und wo sorgte Nikki Sixx, von MÖTLEY CRÜE, für den Stoff? Die Antworten darauf und auf viele Fragen, die man gar nicht gewagt hat zu stellen, finden sich zwischen diesen Buchdeckeln
Mick Wall hat hier einen guten Job als “Moderator“ gemacht. Hält sich meist im Hintergrund und mit seiner Meinung wohltuend zurück. Lediglich am Schluss, als es auf Axl/DC zu sprechen kommt, schießt er meiner Meinung nach übers Ziel hinaus, wenn er Roger Daltrey den “störrischen Sänger von THE WHO“ nennt, bloß weil der die Art und Weise kritisiert, wie AC/DC mit Brian Johnson umgegangen sind und zu Walls Behauptung, Axl wäre so überzeugend gewesen “dass Brian Johnson prompt vergessen war“ gibt’s ganz sicher auch andere Ansichten.
Auch zu der “Reunion“ zu der es ja letztlich auch noch gekommen ist, bzw. die 2018 zu uns kommt.
Aber seine Meinung dazu und zu vielem anderen kann sich schließlich, spätestens jetzt, jeder selbst bilden. Also „get in the ring, motherfucker!!!“

Epi Schmidt, (Artikelliste), 07.12.2017