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Illegal
Grobschnitt
Illegal, Universal Music, 2018 (1981)
ErocDrums, Special Electronic Effects
LupoLead Guitar, Acoustic Guitar
Milla KapolkeBass, Vocals, Acoustic Guitar
MistKeyboards, Synthesizers, Back-up Vocals
WildschweinVocals, Rhythm Guitar, Acoustic Guitar
Toni Moff MolloVocals, Percussion, Lightning Design
Produziert von: Eroc Länge: 91 Min 05 Sek Medium: LP
Side A:
01. The Sniffer03. Mary Green
02. Space Rider04. Silent Movie
Side B:
05. Joker07. Simple Domple
06. Illegal08. Raintime
Side C:
01. Mary Green (Live)03. Du schaffst das nicht (live)
02. The Sniffer (live)
Side D:
04. Vater Schmidt06. A.C.Y.M.
05. Simple Dimple

Der Erfolg ihrer Konzerte, gerade derer zum Album “Merry Go Round“ und des daraus resultierenden Live-Mitschnittes “Volle Molle“ sowie Erocs Hitparaden- und Radio-Hit Wolkenreise ermöglichten es GROBSCHNITT sich 1980 eine Auszeit von der Bühne zu nehmen und sich voll auf die Aufnahmen für das kommende Studioalbum “Illegal“ zu konzentrieren.
Neuen Schwung verschaffte den Hagenern dabei auch der neue Bassist Milla Kapolke, der sich auch gleich ins Songwriting einbrachte. Dem Zeitgeist war es sicher geschuldet, dass die Songs kürzer und kompakter wurden und lediglich beim Titelsong näherte man sich den epischen Längen von einst.
In ihrer “Black & White“-Reihe bringt die Band nun das Album in der gleichen opulenten Aufmachung wie die Vorgänger heraus. Will sagen: Schweres 180g-Material, eine zusätzliche Vinyl-Scheibe in edlem Weiß, mit Live-Aufnahmen und mit reichlich Bildern und Zeitungsausschnitten aus jenen Tagen ausgestattete dicke Beilageblätter, natürlich in LP-Cover-Größe. Gegen diese Formate und Ausstattung stinken die allermeisten CDs bereits jetzt dagegen ab.

Die leichte Kurskorrektur in der Musik bekommt gerade bei Songs wie Mary Green richtig gut. Das hat Drive, das ist trotzdem progressiv, erinnert stellenweise an Mike Oldfield, hat aber auch rockige Gitarrensoli und der Spaß kommt auch nicht zu kurz, wenn in den englischen Text deutsche Worte “eingeworfen“ werden. Das ruhige Instrumentalstück Silent Movie entpuppte sich gar zu einem kleinen Hit.
Joker scheint mir bereits Keyboard-Sounds der 80er aufzugreifen. Auch dieses Stück ist rein instrumental und eignet sich natürlich wunderbar zum “Abdriften“. Der Titelsong der LP ist ein mittleres Klangspektakel, dem man bereits das Ziel, live aufgeführt zu werden, anhört. Kreatives Chaos trifft musikalische Experimentierfreude. Gerade dann, wenn der straighte Rockhörer Gefallen am Gitarrensolo findet, wird dieses leider ausgeblendet. Ja, so eine LP hat eine recht beschränkte Spieldauer gehabt.
Simple Dimple wurde regelmäßig auf der folgenden Tournee gespielt und seine Konzertqualitäten kann man hier bereits hören. Fette Riffs von Gitarre und Orgel und mitreißender Chorgesang. Sollte für Stimmung sorgen.
Die Folk-Nummer Raintime beendet die erste Scheibe wie eine kleine Reminiszenz an die 70er Jahre.

Wie gehabt ist eine zweite, weiße, Vinyl-Scheibe dabei, auf der sich Live-Aufnahmen der 81er Tour aus Berlin, Essen und Osnabrück finden. Bereits Mary Green verdeutlicht, dass das “Studio-Jahr“ der Band nicht geschadet hat, sie auf einem musikalischen Höhenflug sind und vor Spielfreude strotzen.
Auch wenn es insgesamt etwas geradliniger zuging, Stück wie Du schaffst das nicht schaffen es durchaus, die gewohnte Verrücktheit in die Show zu bringen. Auch wenn man das Erlebnis eines GrobSCHNITT-Konzertes nie komplett auf Tonträger bannen kann. Der visuelle Teil war einfach zu wichtig.
Dennoch, Vater Schmidt, auf der zweite Seite der Live-LP, lässt einen schon ein Stück in den Live-Kosmos der Band eintauchen. Simple Dimple sorgt für einen gehörigen Schwung Hard Rock im Repertoire, was hörbar gut ankommt. Und das setzt sich auch im abschließenden A.C.Y.M. fort, nur dass es hier eine Spur progressiver wird.
Gemessen an den Längen – über drei Stunden waren auch 1981 die Regel – ist so ein Auszug natürlich etwas unbefriedigend, denn kaum hat man sich so richtig auf die Musik eingelassen, ist es auch schon wieder vorbei. Trotzdem bekommt man mit dieser und den anderen Wiederveröffentlichungen einen guten Eindruck, warum GROBSCHNITT zeitweise eine, wenn nicht die erfolgreichste deutsche Gruppe war. Die sympathischste waren sie wohl ohne Zweifel. Auch das drückt sich in den Neuauflagen der damaligen Scheiben aus.
Anzumerken wäre noch, dass auch das Nachfolgealbum "Razzia" in dieser Reihe erschienen ist.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 03.04.2018