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Revolution Come... Revolution Go
Gov't Mule
Revolution Come... Revolution Go, Fantasy Records/Universal Music, 2017
Warren HaynesGuitar & Vocals
Matt AbtsDrums
Danny LouisKeyboards, Guitar, Backing Vocals
Jorgen CarlssonBass
Produziert von: Gordie Johnson, Warren Haynes, Don Was Länge: 113 Min 50 Sek Medium: CD
01. Stone Cold Rage07. Dreams & Songs
02. Drawn That Way08. Sarah, Surrender
03. Pressure Under Fire09. Revolution Come, Revolution Go
04. The Man I Want To Be10. Burning Point (feat. Jimmy Vaughan)
05. Traveling Tune11. Easy Times
06. Thorns Of Life12. Dark Was The Night, Cold Was The Ground
Bonus CD:
01. What Fresh Hell04. Revolution Come, Revolution Go (Alternate Version)
02. Click-Track05. The Man I Want To Be (Live In Studio Version)
03. Outside Myself06. Dark Was The Night, Cold Was The Ground (Live In Studio Version)

Wenige Sekunden im neuen Album von GOV’T MULE drin, ist man bereits begeistert und das wird sich mit weiterem Hören von “Revolution Come… Revolution Go“ noch steigern. Soweit seit vorgewarnt.
Das liegt natürlich auch daran, dass das Album mit Stone Cold Rage beginnt, einer der – meiner Meinung nach – stärksten Nummern, die Haynes seit Jahren aufgenommen hat. Wuchtig, aggressiv, der gewohnt geile Gitarrensound und Louis‘ schiebende Hammond – der Song schreit danach Live gespielt zu werden und wird sicher ein Fan-Favorit werden. BLACK CROWES treffen MOUNTAIN und … na, nehmen wir eine beliebige Jam Rock-Band. Nur mal so als Anhaltspunkt.
Und auch Drawn That Way trägt den Spirit und den Charakter eines Live-Songs in sich. Leicht schleppend, aber mit kernigen Riffs. Das ist genauso eine Nummer, die der Band Möglichkeiten für weitere Entwicklungen lässt, was sie nach drei Minuten auch in Anspruch nimmt und sich von dem immer wieder begeisternden Matt Abts plötzlich in Galopp setzen zu lassen. Darüber gibt’s ein schönes Gitarren-Duell, schön nach Kanälen getrennt. Das wird leider ausgeblendet, hätte sonst aber wahrscheinlich den Rest der Spielzeit hier eingenommen.
Ich sag mal, es hat MULE gut getan, dass Haynes mit Gordie Johnson Unterstützung auf dem Produzentenstuhl bekam. Außerdem hat der legendäre Don Was zwei Songs produziert. Darunter Pressure Under Fire (einer der Songs, die unterm dem Eindruck der amerikanischen Wahlen vom November und deren Ergebnis entstanden), den ich als weiteren Geniestreich bezeichnen würde. Ja, wo ist da die Genialität? Klingt doch recht geradlinig? Ich sag‘: Solche Nummer, von der Klasse eines Soulshine, muss man erst mal hinkriegen.

Liegt es an den zusätzlichen Produzenten? Mit kommt es vor, als klängen MULE hier etwas “durchsichtiger“. Klar ist der gewohnte Sound da, aber irgendwie scheint mir mehr “Luft zum Atmen“ vorhanden zu sein.
Außerdem hat sich Haynes auch als Sänger noch weiterentwickelt, wie das soulhaltige The Man I Want To Be zeigt. Es heißt, es wäre das bisher vielseitigste Album der Band. Schön, so eine Country-Nummer, wie Traveling Tune hätte man eher auf Solo-Scheiben von Haynes gesucht. Pendelt entspannt dahin und vermittelt gute Laune. Erinnert auch ein bisschen an die ALLMAN BROTHERS.
Keine Sorge, diejenigen, die auf die atmosphärischen, leicht sphärischen, verspielten Songs warten, werden unter anderen mit dem fast neunminütigen Thorns Of Life versorgt. Dem “normalen“ Hörer vielleicht zu sperrig, ist das natürlich genau die Art von Jam Rock, der die Band groß gemacht hat.
Zufall, dass auch Dreams & Songs von Don Was produziert wurde und wie schon Pressure … mit seiner einfachen Schönheit strahlt? Einer dieser Song, der eigentlich nie aufhören dürfte. Was er im Kopf auch nicht mehr tut.

Zu den Songs, die mir beim ersten Hören schon im Kopf geblieben sind, gehört auch Sarah, Surrender. Relativ eingängig gehalten, mit verdammt gutem 70’s Groove und gospel-souligen Background-Sängerinnen. Im Titelsong, groovt es ebenfalls genial. Jorgen Carlsson legt hier einen blubbernden Bass-Teppich vor, auf dem sich der Rest so richtig austoben darf. Puh, das kann einen schon ganz “weg-beamen“, wenn man das in der richtigen Lautstärke hört. Für Burning Point hat sich Warren den Texaner (in Austin wurde auch aufgenommen) Jimmie Vaughan ins Studio geladen und die beiden Gitarren-Größen umschwurbeln sich in dem brodelnden Song auch gut. Zum finalen Showdown kommt’s zwar nicht, aber die Musik würde einem Tarantino-Film, in der Art von “From Dusk Til Dawn“ gut stehen.
Dark Was The Night, Cold Was The Ground stammt ursprünglich von Blind Willie Johnson und war einst ein Instrumental. Haynes hat ein paar Zeilen dazu verfasst und treibt seine Band in einen 7 ½-minütigen, wilden Ritt, wo sich die Musiker nochmals ausleben dürfen.

Da die Band wieder einmal mehr zu Papier, bzw. aufs Band gebracht hat, als die reguläre Scheibe fassen konnte, hören wir doch gleich in die Bonus-CD der Deluxe-Version (auch am differierenden Cover zu erkennen) rein. What Fresh Hell ist die Art grooviger, funky MULE-Song, mit prägnanten Gitarren-Riffs, wie man sie besonders Live liebt. Click-Track geht in die gleiche Richtung, allerdings mehr die heavy Variante, was sich auch in Warrens druckvollem Gesang ausdrückt.
Balladen gab’s ja nicht allzu viele auf dieser Scheibe, sodass Outside Myself gar nicht so ungelegen kommt. Wunderschöne, bittersüße Nummer, mit einem herrlich gefühlvollen Gitarrensolo. Dazu drei Songs, in unterschiedlicher, bzw. Live-Fassung. Der Titeltrack scheint mir hier mehr Drive zu haben, aber vor allem gibt’s einen Bläser-Satz als Zutat, der sich nach fünf Minuten ins Geschehen mischt. Da wird’s aber auch jazzig!
Die beiden “Live In Studio“-Songs zeigen schon mal, wie das Live aussehen, bzw. sich anhören kann und demonstrieren natürlich die Ausnahmestellung von GOV’T MULE. Ob Gesang oder Instrumente, hier hat sich Konstellation gefunden, deren Grenzen noch längst nicht erreicht scheinen. Zum Besten, was sie bisher veröffentlicht haben, gehört das neue Album auf jeden Fall.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 17.06.2017