A Natural Born Drummer
Ginger Baker
A Natural Born Drummer, jazzwerkstatt, 2012
von: Peter Brkusic und Ulli Blobel
ISBN: 978-3-9814852-2-6
Umfang: 196 Seiten
Preis: 24,90 € zzgl. Versandkosten

Einer der häufigsten Sätze in diesem Buch lautet - so, oder ähnlich - "Es sah zunächst so aus ...". Vieles im Leben von Ginger Baker sah zunächst so aus - und änderte sich doch recht bald. Peter Brkusic spielt selbst Schlagzeug - u. a. in einer CREAM Cover-Band und mit dem Ex-Bassisten von DEEP PURPLE in NICK SIMPER & NASTY HABITS - und ist seit Jahrzehnten mit dem Drummer von CREAM befreundet und gilt als Baker-Spezialist. Zusammen mit dem Jazz-Kenner, Konzertveranstalter, Herausgeber und ebenfalls Ginger Baker Vertrauten Ulli Blobel hat er mit "A Natural Born Drummer" eine ebenso interessante wie spannende Biografie der Drum-Koryphäe veröffentlicht.
Natürlich kann man auf gut 200 Seiten das schillernde Leben Bakers nicht minutiös schildern, aber alles, was wichtig ist - und manches mehr - ist in diesem Buch aufgeschrieben und gelistet. Dass der 1939 geborene Peter Edward Baker kein einfacher Mensch war und ist, lies sich über die Jahre auch aus den Zeilen einschlägiger Musikmagazine herauslesen. In diesem Buch bekommt man nochmal einen detaillierteren Einblick. Gerade wenn man den Musiker hauptsächlich CREAM und BLIND FAITH zuordnet, wird man verblüfft sein, was Baker noch alles geleistet und geschaffen hat. Es seien hier nur mal die BAKER GURVITZ ARMY, HAWKWIND (ja, ja, nicht nur immer Lemmy!), GINGER BAKER'S AIR FORCE oder die Zusammenarbeit mit Jack Bruce und Gary Moore unter dem Kürzel BBM genannt. Zahlreiche weitere Bands und Kollaborationen kommen hinzu. Baker wurde und wird - auch durch einige seiner Bands - oft der Rock-Ecke zugerechnet und war doch eigentlich ein Jazz-Drummer, dessen musikalischer Weg schon durch die frühe Verehrung für den legendären Jazz-Schlagzeuger Baby Dodds vorgezeichnet war.

Der hochtalentierte Baker war bei allen seinen Projekten von Kindesbeinen an immer voll bei der Sache. Halbe Sachen gab es bei ihm nicht, was letztlich auch immer wieder zu Problemen mit Mitmenschen und - musikern führte und keines seiner "Projekte" eine sehr lange Laufzeit ermöglichte. Obendrein ist Ginger Baker - das kann man ruhig so sagen - ein cholerischer Hitzkopf, dem auch Handgreiflichkeiten nicht fremd sind. Jack Bruce kann mehr als ein Lied davon singen.
Neben seinen Qualitäten und Erfolgen als Musiker hat Baker auch Erfahrungen als Studioerbauer und -betreiber in Afrika gesammelt. Dem Kontinent und seiner Musik, besonderes den Rhythmen, war Baker immer zugetan. Außerdem entwickelte er ein Faible für den Polo-Sport, der ihn so faszinierte, dass er dafür fast die Musik aufgegeben hätte. Wenn er nicht auch da wieder einmal Schiffbruch erlitten hätte. Wie so oft und das ist eigentlich das Tragische an seinem Leben. Aber er schaffte es doch immer wieder aufzustehen, ließ sich nie unterkriegen und kam irgendwie immer zurück.
So entsteht bei der Lektüre dieses Buches keine Sekunde der Langatmigkeit. Sicher, manchmal hätte man gern noch mehr gewusst, hätte einen manches Detail noch mehr interessiert, aber eine Persönlichkeit wie Ginger Baker und sein bewegtes Leben ließen sich auch in der doppelten Menge an Seiten nie ganz erfassen. Man merkt den Autoren auch die große Verehrung für den Drummer an, aber das will man ja als Fan und Interessierter auch haben.
Bereichert wird das Werk durch eine akribische Diskographie und - und das ist wirklich eine äußerst lobenswerte Ergänzung! - durch eine beiliegende CD, auf der fünf Songs und fast 50 Minuten einen kleinen Überblick über das Genie Ginger Baker geben:
Sunshine Of Your Love - CREAM
Drum Battle - with Art Blakey
Black Audience - GINGER BAKER BAND
Jam At Nice - Baker, Bruce, Lagrene, Pine
Brain Damage - AFRICAN FORCE

Letztlich wäre im Leben von Ginger Baker mehr möglich gewesen, aber Jähzorn, die Ausnutzung durch andere, Regierungen, Ehefrauen und manchmal einfach Pech, standen ihm im Wege und halfen vielleicht dennoch mit, ihn zu einer der außergewöhnlichsten Personen in der modernen Musik zu formen. Und sein Leben ist ja noch nicht zu Ende - die ein oder andere Geschichte ist da durchaus noch möglich. Denn selten blieb es bei Baker so, wie es zunächst aussah ...
Nicht nur für Drummer, Jazzer, 60's- und CREAM-Fans und Freunden einer spannenden Biografie eine richtig lohnende Anschaffung.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.12.2012