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The Power And The Glory
Gentle Giant
The Power And The Glory, Alucard, Soulfood, 2014
Derek V. ShulmanVocals, Sax
Ray ShulmanBass, Violin, Vocals
Kerry C. MinnearKeyboards, Cello, Vocals
Gary W. GreenGuitars
John P. WeathersDrums, Percussion, Vocals
Produziert von: Gentle Giant Länge: 46 Min 29 Sek Medium: CD
01. Proclamation07. The Face
02. So Sincere08. Valedictory
03. AspirationsBonus Tracks:
04. Playing The Game09. The Power And The Glory
05. Cogs In Cogs10. Aspirations (Out-Take)
06. No God's A Man

Logo Gentle Giant

GENTLE GIANT nehmen unter den klassischen Prog Rock Bands mehr oder weniger eine Ausnahmestellung ein, denn selbst zu ihren Hochzeiten galten sie weitestgehend als Geheimtipp. Von Szenekennern und Kritikern vergöttert, blieben sie einem Großteil der Prog Fans von damals merkwürdigerweise fremd, im Gegensatz zu Bands wie YES, GENESIS oder ELP, deren Mitglieder sich später zum Teil selbst als Fans outeten.
Prominente GG Verfechter sind z. B. JETHRO TULL'S Ian Anderson, Peter Banks (YES), Kerry Livgren (KANSAS) oder auch jüngere Semester wie Jordan Rudess von DREAM THEATER.
Gerade bei letzterer Band kann man die Wurzeln meines Erachtens besonders gut erkennen, aber ich würde jede Wette eingehen, dass z. B. auch Jon Oliva oder Paul O'Neil von SAVATAGE zu den glühendsten Verehrern zählen. Insbesondere die diversen ähnlichen fugenartigen Strukturen in den letzteren Werken lassen darauf schließen.

GENTLE GIANT wurde 1970 von den drei Shulman Brüdern Derek, Ray und Phil (ex-SIMON DUPREE AND THE BIG SOUND) zusammen mit Gary Green, Kerry Minnear und Bandkumpel Martin Smith in Portsmouth gegründet, allesamt klassisch ausgebildete Multiinstrumentalisten, die bei Live Shows auch schon mal reihum die Instrumente tauschten oder eine Percussionorgie abfeierten.
In der folgenden Dekade veröffentlichte die Band elf bemerkenswerte Studioalben sowie ein Doppel-Livealbum, die selbst unter Prog Standards noch heute als besonders anspruchsvoll und komplex gelten.
Das Motto der Band: "die Grenzen der zeitgenössischen populären Musik zu erweitern, unter dem Risiko dabei sehr unpopulär zu werden" war sowohl Segen wie auch Fluch. Einerseits ist die Band bis heute Kult und gilt als Inspiration für viele Neoprogger, andererseits löste sie sich 1980 sang- und klanglos auf.

Credits: Oktober Promotion

Gerade die Wertschätzung der Neoprogger hat der Band mittlerweile eine Art zweiten Frühling beschert. Zum einen gab es die ein oder andere Teilreunion, u. a. die vielversprechenden, aber kurzlebigen THREE FRIENDS, zum anderen erlebt die Discographie eine Flut von liebevoll remasterten und gestalteten Wiederveröffentlichungen, Box-Sets, DVDs und sonstiger Nachlassverwaltungen, dass es eine wahre Freude ist.

Obwohl es beinahe unmöglich ist, einzelne Alben aus dem Gesamtkunstwerk hervorzuheben, da jedes seinen eigenen Reiz versprüht, gilt "The Power And The Glory" neben "In A Glass House" vielleicht als stärkstes Werk der Band und welchen besseren Grund könnte es für eine Neuveröffentlichung geben, als dessen 40 jähriges Jubiläum.

Wenn irgendwo ein Classic Prog Album zum Remastern ansteht, ist Steven Wilson (PORCUPINE TREE) nicht weit. So mancher Klassiker hat sich über die Jahre ins Ohr gebrannt und ein Remaster ist in so einem Fall oft eher störend als hilfreich. Wilson hat mit seinen bisherigen Restaurationen jedoch immer zum Vorteil des jeweiligen Werkes gereicht, so auch bei "The Power And The Glory". Der bekennende GG Fan vermag es, die avantgardistische, polyphone Mischung aus Rock, Klassik, Jazz, R'n'B und spätmittelalterlicher Kompositionslehre in einer Art und Weise heraus zu arbeiten, dass selbst bisher im Hintergrund schlummernden Noten neues Leben eingehaucht wird. Genial.

Als Bonus Tracks sind diesmal ein instrumentelles Out-Take von Aspirations sowie das Titelstück dabei, welches auf dem Original Album merkwürdigerweise fehlt und 1974 nur als Single sowie erstmals auf dem Sampler "Giant Steps" erschienen ist.

Fazit: Für Prog-Neueinsteiger vielleicht nicht der leichteste Zugang zu Band und Genre, für Kenner, die keines der früheren Remaster besitzen aber Pflicht.

Ralf Frank, (Artikelliste), 21.07.2014